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Macht seit mehr als 50 Jahren Musik: Status-Quo-Frontmann Francis Rossi.

Status Quo

"Ein Auftritt ist wie Sex ? nur dass er länger dauert"

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Francis Rossi, Sänger und Gitarrist der britischen Rockband Status Quo, ist Headliner der "Rock meets Classic"-Show, die im April in Frankfurt gastiert. Im FR-Interview spricht er über Erfolg und Geld.

Mister Rossi, Status Quo gilt als eine der erfolgreichsten undlanglebigsten Bands der Welt…
Es gibt auch Menschen, die halten uns für die schlechteste Band des Planeten.

Naja, Geschmäcker sind verschieden, doch niemand kann bestreiten, dass Status Quo die Rockmusik mitgeprägt hat und seit fünf Jahrzehnten quasi konstant auf Tour ist – allen Schicksalsschlägen und Widrigkeiten zum Trotz.
Jede Medaille hat auch eine Kehrseite. Die einen sagen: „Ihr seid eine hart arbeitende Band.“ Die anderen sagen: „Ihr seid erfolgssüchtig und gierig.“

Und was sagen Sie?
(Spricht wie der böse Wolf) Wir arbeiten weiter, weil wir das Geld lieben. Nein, im Ernst: Wenn man erfolgreich ist, will man natürlich, dass das so weitergeht. Man will reisen, ein schönes Haus, nette Kinder, ein gutes Leben. Dafür braucht man Geld.

Nach so vielen Songs, Alben und Erfolgen könnten Sie sich doch entspannt zurücklehnen und genießen, was Sie erreicht haben.
Wenn man älter wird, bekommt man Angst, dass irgendwann das Geld ausgeht. Was mache ich, wenn ich 80 bin? Ich möchte dann nicht an einem Ort leben, an dem es mir nicht gefällt. Ich möchte nicht, dass es irgendwann wieder bergab geht. Ich mag den Erfolg. Meine Position in dieser kapitalistischen Welt verdanke ich allein dem Umstand, dass ich finanziell erfolgreich bin. Das mag jetzt geistlos klingen, aber so ist es nun mal.

Aber Geld ist doch nicht alles?
Selbstverständlich liebe ich es, Musik zu machen. Das hat in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen. Aber dabei geht es immer auch ums Ego. Ich genieße es, auf der Bühne zu stehen. So wie es auch andere Leute aus meinem Business brauchen, vor Publikum aufzutreten und von ihm zu hören: „Oh, ihr seid fabelhaft.“ Was ist falsch daran? Das ist wie Sex, nur dass ein Konzert generell länger dauert. Man will einfach eine gute Nacht haben. In meinem Leben gibt es nichts Besseres, als auf der Bühne zu stehen und es läuft gut. Andererseits gibt es keinen schlimmeren Ort als die Bühne, wenn es schlecht läuft.

Was war die beste Zeit Ihrer Karriere?
Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, Musik zu machen. Richtig ernst wurde es dann, als ich 16 war, also 1965. Die 60er waren gut, die 70er waren gut, die 80er waren gut. Aber ich gehöre nicht zu den Vertretern meiner Generation, die immer nur zurückschauen nach dem Motto: Früher war alles fantastisch. Ich sage: Heute ist es fantastisch. Die beste Phase meiner Karriere ist jetzt. Ich habe alles, was ich immer wollte. Und ich kann den ganzen Tag im Studio verbringen und an meinen Projekten arbeiten.

Im April kommen Sie nach Deutschland, unter anderem nach Frankfurt und Mannheim. Allerdings nicht mit Status Quo, sondern als Headliner der „Rock-Meets-Classic“-Show.
Ich freue mich wirklich sehr auf „Rock meets Classic“, dabei freue ich mich normalerweise nicht auf solche Shows. Aber das ist eine wirklich gute Show, alle Musiker haben Spaß daran, dem Publikum etwas zu bieten. Und nicht zuletzt verdiene ich mit dem Gig auch Geld. Oder haben Sie jetzt erwartet, ich sage so etwas wie: Ich mache da mit, weil ich die Musik so sehr mag. – was ich ja durchaus auch tue.

Vielleicht.
Ich finde es erstaunlich, dass nach wie vor nur sehr wenige Musiker über Geld sprechen. Voriges Jahr hat Bryan Adams in einem Interview gesagt: Natürlich arbeite er hart, und natürlich liebe er seine Arbeit. Aber hinter ihm stehe ein ganzer Mitarbeiter-Stab, eine Crew, ohne die nichts laufe: Musiker, Roadies, Techniker, Manager und mehr. Und sie alle wollen bezahlt werden. So ist es allgemein im Musikbusiness, das endlich mal anfangen sollte, in diesem Punkt ehrlicher zu sein: Ohne Crew wäre eine Band gar nichts. Der Erfolg einer Band hängt ab von diesen Menschen. Und deren Situation hängt ab vom Erfolg der Band. Auch deswegen mache ich mit bei Projekten wie „Rock meets Classic“: Damit die Leute, die für mich und Status Quo arbeiten, ihr Gehalt kriegen.

Und das war früher anders?
In den 60ern und 70ern rauchten die Hippies Joints und sagten – so wie ich übrigens auch: „Yeah, kein Geld. Das ist gut.“ Nein, ist es nicht! Nicht mehr. Wir müssen realisieren, dass wir in einer kapitalistischen Welt leben. Wenn irgendetwas nicht profitabel ist, ist es weg vom Fenster. Sorry. Wir leben heute in einer Zeit, in der es alles im Überfluss gibt: Fernsehen, Musik, die Lebensmittel im Supermarkt. Wir haben alles und von allem zu viel – und sind trotzdem nicht zufrieden. Früher gab es zwei oder drei Fernsehsender: Wir trafen eine Wahl – und waren glücklich damit. Heute können wir uns entscheiden zwischen Hunderten von Filmen, Serien, Sendern, Internetdiensten. Hinzu kommen Konzerte, Events und Angebote, die uns sonst noch ködern wollen. Da kann man doch irgendwann nur noch brüllen: „Ich weiß nicht, was ich will!“

Und Sie halten die heutige Zeit trotzdem für die beste?
Ja. Aber es ist gleichzeitig die schlimmste Zeit. Das gehört zu den frustrierenden Dingen des Älterwerdens: Yin und Yang, die gegensätzlichen Kräfte, die unser Leben bestimmen, die Relativität unseres Daseins, das alles wird bewusster, präsenter. Wenn mich in meiner Kindheit ein Freund zum Spielen abholen wollte und meine Mutter sagte: „Nein!“ – dann war das absolut. Irgendwann aber muss man selbst Entscheidungen treffen. Und wir haben heute so viele Möglichkeiten, die Auswahl ist grenzenlos. Und es gibt immer eine positive und eine negative Seite. Nehmen wir das Internet: Es ist wunderbar, es erleichtert so viel.

Aber es erzeugt auch viel Schrott.
Und es führt dazu, dass Menschen ihre Jobs verlieren. Das ist eben die andere Seite. Yin und Yang. Das war schon zu Zeiten der Industriellen Revolution so: Maschinen wurden erfunden, Fabriken gebaut. Im Gegenzug wurden Menschen ausgebeutet, arbeitslos, es kam zu Unruhen. Oder schauen wir uns die Globalisierung an, Phänomene wie Flucht, Migration, die Aufteilung der Welt in reiche und arme Länder. Unser politisches System ist darauf angewiesen, dass der Kapitalismus expandiert... Oh Mann, was rede ich hier eigentlich? Wir wollen uns doch über ein Konzert unterhalten.

Wir können auch gern weiter über die desolate Lage der Welt sinnieren. Aber sagen Sie vorher noch ein paar Takte zu „Rock meets Classic“. Was ist das Besondere an der Show?
Interessant ist zunächst, dass die Show mit klassischer Musik gar nicht viel zu tun hat. Wir spielen unsere Musik zusammen mit einem großen Orchester – was natürlich eine spektakuläre Sache ist. Es geht quer durch die Epochen der Rockmusik, alle Musiker spielen Stücke aus verschiedenen Stadien ihrer Karriere.

Etliche Rock-Größen sind bereits aufgetreten bei „Rock meets Classic“, darunter Status-Quo-Gitarrist Rick Parfitt, der 2016 gestorben ist.
Es ist schön, alte Kollegen wie Eric Bazilian von den Hooters wiederzutreffen. Aber es ist nicht so, dass wir da zusammen jammern. Das ist harte Arbeit. Man muss immer vorsichtig sein und darf nicht denken: „Die Show war bisher erfolgreich, also wird sie auch Erfolg haben, wenn ich da mitmache.“ Das Publikum muss mit Respekt behandelt werden. Wir müssen einfach eine gute Show abliefern.

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