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Diktatorengattin Imelda (Anika Baumann) mit Opernsänger (Alin Deleanu).
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Diktatorengattin Imelda (Anika Baumann) mit Opernsänger (Alin Deleanu).

Staatstheater Mainz

Brutale Geschichten

Margot, Imelda und Leila, einst Gattinnen von Diktatoren, treffen in der Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser aufeinander. Am Samstag feiert das Stück Premiere im Staatstheater Mainz.

Von Wilhelm Roth

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen: Margot, Imelda und Leila. Sie waren früher mit Diktatoren verheiratet und selbst im Stil und Sinn ihrer Gatten politisch aktiv. Gemeinsam treten sie auf im Theaterstück „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser, einer Tochter von Martin Walser, die in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche vielgespielte und vielgelobte Stücke geschrieben hat. „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“, erst 2013 uraufgeführt, kommt nun in Mainz auf die Bühne.

Margot, Imelda und Leila: „Ähnlichkeiten mit realen Personen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt“, heißt es in der Ankündigung des Theaters. Wer also sind diese realen Personen?

Margot Honecker, geboren 1927, war die Gattin des Staatsratsvorsitzenden der DDR, aber auch selbst eine gefürchtete Ministerin. Nach dem Ende der DDR und dem Tod ihres Mannes Erich Honecker ging sie ins Exil nach Chile, wo sie heute noch lebt.

Imelda Marcos, geboren 1929 in Manila, war von 1954 bis 1989 mit Ferdinand Marcos verheiratet, dem Präsidenten der Philippinen, der ab 1972 sein korruptes Regime als Diktator geführt hat. Nach dem Tod ihres Mannes spielte Imelda weiter eine wichtige Rolle auf den Philippinen.

Leila Ben Ali, geboren 1956, war von 1987 bis 2011 die Gattin des tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali. Durch Korruption soll sie ein Vermögen von fünf Milliarden Euro angehäuft haben. 2011 wurde das Paar zu 35 Jahren Haft verurteilt, da waren die beiden aber bereits nach Saudi-Arabien geflohen.

Muss man das wissen, um die Aufführung zu verstehen, zu genießen? „Nein, muss man nicht“, sagt Anika Baumann, die die Rolle der Imelda spielt. „Man braucht keine Vorkenntnisse, das Stück ist eine Komödie, es erklärt sich aus sich selbst.“ Die Schauspielerin ist seit einem Jahr im Ensemble des Staatstheaters Mainz. Entstanden ist ihre Theaterbegeisterung in Frankfurt, wo sie 1979 geboren wurde.

Sie spielte im Schülerclub des Schauspiels Frankfurt bei Alexander Brill. Während der Intendanz von Elisabeth Schweeger lernte sie den Regisseur Armin Petras kennen, der sie dann nach ihrem Studium an der Kunsthochschule Berlin ans Maxim-Gorki-Theater in Berlin holte, wo sie von 2006 bis 2010 fest engagiert war. Nach einigen freiberuflichen Jahren kam sie schließlich 2015 nach Mainz.

Margot, Imelda und Leila geben eine Pressekonferenz, sie wollen zusammen einen Film drehen,der natürlich den Glanz ihres Lebens zeigen soll, nicht ihre Verbrechen, nicht die Katastrophen, die sie ausgelöst oder erlebt haben. Eigentlich müsste es eine Oper werden. Wenn sie sich an Stalin, Mao oder Fidel Castro erinnern, dann an nette Leute, an Freunde. Die drei Frauen seien genauso machtbesessen gewesen wie ihre Männer, sagt Baumann. Ungerührt erzählten sie brutale Geschichten, ohne es wirklich zu merken, so dass den Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleibe.

Eine wichtige Rolle in dem Stück spielt ein Mann, der Dolmetscher Gottfried, der übersetzt, zwischen den Frauen vermitteln soll, sie als Menschen präsentieren will, aber tatsächlich die miserabelsten Eigenschaften aus ihnen herauskitzelt. Eigentlich will er Margot Honecker wieder treffen, die er von früher kennt. Auch er provoziert viel Gelächter. Das Stück, das in der Inszenierung der Regisseurin Heike M. Goetze ungefähr 75 Minuten dauert, sei wirklich eine Komödie, sagt Baumann, zum Teil urkomisch, rasant und schnell, alles gehe Schlag auf Schlag.

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