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Blick auf das Firmengelände der Nuclear Cargo Service am Technopark.
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Blick auf das Firmengelände der Nuclear Cargo Service am Technopark.

Hanau

Brunnen noch mit Uran belastet

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Ein Teil des Geländes der früheren Brennelementefabriken in Hanau ist saniert. Im Grundwasser ist jedoch noch Uran nachweisbar und in zwei Hallen lagert strahlender Müll.

Rund 22 Jahre nachdem das Siemens-Brennelementewerk seine Produktion im Stadtteil Wolfgang eingestellt hat, gilt das einstige Betriebsgelände nun als saniert. Das teilt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt auf Anfrage der FR mit. Die zentrale Fläche im heutigen Technologie-Park Hanau an der Rodenbacher Chaussee 6 unterliege keiner Nutzungseinschränkung. Auf dem Areal der früheren Nukem läuft die Sanierung hingegen noch auf unbestimmte Zeit.

Nach dem Abbruch der Siemens-Produktionsstätten und dem Austausch von mit Uran kontaminiertem Boden lief von 2005 bis 2012 die Grundwassersanierung unter Aufsicht des RP. Hierzu wurden mehrere Brunnen gebohrt, in die das belastete Grundwasser sickern konnte. Pumpen beförderten es in eine Filteranlage. Das gereinigte Wasser konnte danach in den Oberstrom des Grundwassers versickern.

Von 2012 bis Ende 2016 erfolgte das Monitoring über den Erfolg der Sanierung. Da die Grenzwerte mittlerweile zuverlässig eingehalten werden, werden die Arbeiten mit einer Dokumentation und dem Abbau der Grundwassersanierungsanlage abgeschlossen. Laut Regierungspräsidium ist das Ziel von 20 Mikrogramm Uran je Liter an fast allen Messstellen deutlich unterschritten worden. „Nur an zwei Brunnen lagen noch geringfügige Überschreitungen vor“, heißt es.

Gleichwohl hat das Wasser angesichts der noch vorhandenen Uran-Belastung keine Trinkwasserqualität: Gemäß einer gesetzlicher Verordnung vom November 2011 gilt der Höchstwert von zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Verschiedene Organisationen wie Food-Watch halten diesen Wert immer noch für zu hoch, vor allem für Säuglinge und Kinder.

Auf dem Gelände der RWE-Tochter RD Hanau (ehemals Nukem) im Industriepark Wolfgang an der Rodenbacher Chaussee 4 muss hingegen weiterhin das Grundwasser gereinigt werden. Wie der RP berichtet, arbeitet die Anlage dort seit 2002 – ein Ende ist noch nicht absehbar. Auf der „Nukem-Wiese“ wird nicht nur Uran herausgefiltert. Hier sind während des Betriebs der Nukem auch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) ins Grundwasser gelangt.

Uranbelastung von 20 bis 60 Mikrogramm pro Liter

Die drei Sanierungsbrunnen weisen aktuelle eine Uranbelastung in Höhe von 20 bis 60 Mikrogramm pro Liter auf. Der LHKW-Gehalt liegt bei zehn bis 350 Mikrogramm je Liter. Bei LHKW lautet die Vorgabe zehn Mikrogramm.

Eine Ursache für die hohen Boden- und Grundwasserschäden sind etwa einer Dokumentation von Elmar Diez zu entnehmen. Der in dieser Woche verstorbene Diez war ein profunder Kenner der einstigen Atomfabriken im Wald von Wolfgang – und ihr vielleicht größter Gegner.

Ende des Jahres 1985 flossen 240 000 Liter uranverseuchtes Schmutzwasser in die öffentliche Kanalisation ab. Seit 1985 sickerte zudem aus einem über Jahre hinweg nicht entdeckten Leck radioaktiv belastetes Kühlwasser der Reaktor-Brennelement-Union (RBU), wie Umweltaktivist Elmar Diez schreibt. Die RBU gehörte fast zur Hälfte zu Siemens und Nukem.

Auch ein anderes Kapitel auf dem Gewerbegebiet ist noch nicht geschlossen. Mehrere Tausend Kubikmeter schwach bis mittelstark radioaktiver Abfälle etwa aus dem Rückbau der Altanlagen lagern dort weiterhin in zwei Hallen und auf einem Freilager, teilt das hessische Umweltministerium mit. Zuständig für den strahlenden Müll ist gegenwärtig die Daher Nuclear Technologie GmbH (ehemals Nuclear Cargo + Services).

Nach Angaben des Ministeriums wird das radioaktive Material mindestes bis zum Jahr 2022 in Hanau bleiben. Bis dahin soll der Schacht Konrad in Niedersachsen zur Endlagerung für Strahlenmaterial umgebaut und freigegeben sein.

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