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Brückenbauer vom Orient zum Okzident

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Die großformatigen und abwechslungsreichen Drucke der „Huldigung an Hafez“ sind noch bis Anfang Oktober zu sehen.
Die großformatigen und abwechslungsreichen Drucke der „Huldigung an Hafez“ sind noch bis Anfang Oktober zu sehen. priedemuth © Priedemuth

Weltbekannter Künstler Günther Uecker zeigt sein Oeuvre

bad homburg - Sie sind zu finden in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, des Centre Pompidou in Paris oder der Peggy Guggenheim Collection in Venedig: Werke des 1930 geborenen deutschen Künstlers Günther Uecker, dem es zwischenzeitlich sogar gelang, im Kunstkompass in den erlesenen Kreis der „100 größten Künstler der Welt“ aufgenommen zu werden, in der Kuratoren die Wertigkeit zeitgenössischer Künstler beurteilen. Ein Beispiel: 2016 wurden insgesamt 287 Werke Ueckers bei Auktionen angeboten und erzielten eine Gesamtsumme von rund acht Millionen Euro, das teuerste Objekt wechselte damals für 837 262 Euro den Besitzer.

Nun ist Geld nur ein Maß, den „Wert“ von Kunst zu bemessen. Kritiken und Rezensionen sind eine weitere. Und auch wenn es danach geht, ist bis Anfang Oktober ein echter Schatz im Kulturzentrum Englische Kirche zu sehen: der 2015 gefertigte Werkzyklus „Huldigung an Hafez“.

Annäherung zwischen den Kulturen

Dieser besteht aus 42 Arbeiten (fünf Prägungen, sechs Sanddrucke sowie 31 Siebdrucke), die normalerweise in einer handbemalten Holz-Kassette aufbewahrt werden, jetzt aber das Kulturzentrum ausfüllen. Fast sind es zu viele Exponate für das kleine Haus.

„Das facettenreiche Opus interpretiert die bildsprachliche Fülle der Gedichtform der Ghasele des persischen Dichters Hafez (1315-1390) in der Mannigfaltigkeit seiner von Farbe und Rhythmus geprägten Bildwelten“, heißt es von den Organisatoren der Schau, der „Galerie am Dom“. Die Arbeiten sind schon weit gereist. Sie waren in Düsseldorf, Weimar und Reutlingen zu sehen, aber auch in mehreren Städten in Iran, unter anderem in der Hauptstadt Teheran.

In Zeiten großer Dissonanzen zwischen den Nationen ist das keine Selbstverständlichkeit und zeigt Ueckers Ruf als Brückenbauer. So heißt es auch vonseiten der „Galerie am Dom“: „Das Oeuvre Ueckers beschäftigt sich seit den 1970er Jahren damit, Kunst, Poesie und Philosophie in ,geschriebenen Bildern‘ zu vereinen, und strebt auf diesem Wege eine diskursive Annäherung von Mensch und Kultur an.“

Uecker sei nicht der erste abendländische Künstler, der durch die Rezeption von Hafez’ zeitloser Lyrik eine Annäherung von Orient und Okzident heraufbeschwöre. „Bereits Goethe ließ sich von Hafez zu seinem West-Östlichen Divan inspirieren. Das Opus des persischen Dichters hat sich ins kollektive Kulturgedächtnis der Zivilisationen eingeschrieben und universellen Charakter gewonnen.“ Durch seine geografische, zeitliche und religiöse Transzendenz stimuliere es Kreativschaffende immer wieder zu originellen Neuschöpfungen.

Dies sei auch bei Uecker der Fall. „Durch seine eingehenden Studien von Geschichte und Zeitgeschichte des Irans wurde er einerseits gewahr, wie tief die Gedichtform der Ghasele durch die Poesie Hafez’ noch heute in der iranischen Bevölkerung verwurzelt ist.“ Andererseits habe Uecker die hohe Bedeutsamkeit der traditionellen Orient-Rezeption des Westens für die Gegenwart erkannt. „Denn für die Fortschreibung eines fruchtbaren Austauschs zwischen Abend- und Morgenland bedarf es der steten Auseinandersetzung mit der Tradition des jeweiligen Gegenübers.“ Dabei sei Ueckers Kunst keinesfalls unpolitisch, hatte Thomas Stäcker von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel anlässlich einer Ausstellung des Zyklus betont. Uecker beziehe Position und „mitten in den islamistisch motivierten blutigen Terrorakten ist es wichtig zu sehen, dass in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens betörende Blumen des Schönen blühen, an denen jede Barbarei zerbricht und haltlos wird, indem sie uns beseelen und künstlerisch herausfordern.“

Michael von Ungern-Sternberg, früherer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Iran, erklärte angesichts der Huldigung: „Diese Ausstellung wird einen weiteren kleinen Teil dazu beitragen, dass sich Iran und Deutschland annähern. Sie ist eine weitere Brücke zwischen unseren Ländern, zwischen den Menschen beider Länder, die sich auf diesen Brücken treffen und die Hand geben und gegenseitig kennenlernen können. Ganz im Sinne von Goethe“, als dieser, inspiriert von Hafez, schrieb: „Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober immer von Mittwoch bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr im Kulturzentrum Englische Kirche in der Ferdinandstraße 16 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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