+
Der Brexit nützt und schadet.

EU

Brexit nützt und schadet Hessen

  • schließen

Rund 100 Firmen siedeln sich wegen des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU in Hessen an. Manche Unternehmen geraten aber auch in Probleme.

Rund 100 Unternehmen kommen wegen des Brexits nach Hessen oder haben das bereits getan. Doch das bevorstehende Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) dürfte an anderer Stelle auch Firmen in Schwierigkeiten bringen.

Das berichtete Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. In der Staatskanzlei äußerte er sich gemeinsam mit Europaministerin Lucia Puttrich und Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU) zu den Veränderungen, die der Brexit mit sich bringt.

Am 31. Januar verlässt Großbritannien die EU. Eine Übergangsfrist garantiert aber, dass alle gemeinsamen Regeln bis Ende des Jahres Gültigkeit behalten. Was danach geschieht, soll innerhalb weniger Monate ausgehandelt werden. „Die spannendste Zeit, die fängt jetzt an“, fasste Puttrich zusammen.

Nach Al-Wazirs Angaben haben 31 Banken aus aller Welt eine Niederlassung in Frankfurt und Umgebung eröffnet oder ihre Kapazitäten ausgeweitet. Hinzu kämen etwa genauso viele Dienstleistungsfirmen, die oft ebenfalls für die Finanzbranche arbeiteten, etwa in der Rechtsberatung oder bei der Personalsuche. Das restliche Drittel der rund 100 Firmen entfalle auf andere Branchen wie Chemie, Pharma oder Transportwesen.

Landesregierung sieht wirtschaftlichen Schaden

Insgesamt geht die schwarz-grüne Landesregierung aber davon aus, dass der Brexit ein politischer Fehler ist und wirtschaftlichen Schaden auf beiden Seiten des Ärmelkanals anrichtet. So hingen die Probleme beim Autobauer Opel damit zusammen, dass Großbritannien ein großer Markt für die Fahrzeuge sei. Da das Pfund aber durch den bevorstehenden Brexit auf Talfahrt gegangen ist, sei dort die Kaufkraft für Importprodukte gesunken.

Das gilt auch für andere Waren. Hessen exportierte 2019 nur noch für 3,9 Milliarden Euro nach Großbritannien. Ein Jahr zuvor waren es 4,3 Milliarden Euro gewesen.

Von einem großen Zuzug von Bankern durch den Brexit, über den nach dem britischen Referendum 2016 spekuliert worden war, ist keine Rede mehr. Die schwarz-grüne Landesregierung hofft, dass die Zahl der Arbeitsplätze im Bankensektor wenigstens stabil bleibt. Denn während internationale Banken Niederlassungen in Frankfurt eröffnen, bauen Deutsche Bank und Commerzbank Tausende Stellen ab.

Finanzminister Schäfer zeigte sich zuversichtlich, dass es Jobchancen für diese Menschen gibt. Er berichtete aus dem Gespräch mit einer Bank, die ihre Mitarbeiterzahl wegen des Brexits bereits verdoppelt habe und weiter Personal aufbaue. Dabei würden vorrangig Banker gesucht, die bereits im Raum Frankfurt leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare