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Brennholz wird rationiert

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Bestes Birkenholz lagert seit Jahren auf einer frei zugänglichen Obstwiese. Niemand stiehlt es. Die Einzäunung ist nach dem Hessischen Ausführungsgesetz des Bundesnaturschutzgesetzes verboten. nissen © Klaus Nissen

Bis zum Kriegsbeginn am 24. Februar war der zusätzliche Holzofen im Wohnzimmer ein nettes Accessoire. Für den Fall, dass man im Winter gemütlich am Feuer hocken will. Heute freuen sich die Ofenbesitzer, dass sie eine Alternative zur Gasheizung haben. Und stocken ihre Brennholzbestände auf. Oder versuchen es wenigstens. Das ist nicht einfach. Der Blick auf die Webseite von "Brennholz Fuchs" in Langenselbold sorgt für Frust.

Birke, Buche, Eiche und Laub-Mischholz sind ausverkauft. Nur noch Nadelholz sei verfügbar, heißt es da. Neue Kunden nehme er vorerst nicht mehr auf, sagt Firmenchef Christian Fuchs. Das sei momentan nicht zu leisten. "Ich fahre schon jeden Tag zehn Kunden an."

Eine massive Nachfrage nach Brennholz spürt auch Bernd Reißmann, der Leiter des Forstamts Nidda. Das liefert eine Menge Nachschub aus den 18 000 Hektar umfassenden Wäldern der Wetterau. In diesem Sommer kommen mehr Anfragen als sonst - obwohl jedem Käufer klar sein muss, dass frisch aus dem Wald geholtes Brennholz im kommenden Winter noch nicht verfeuert werden darf. Es muss noch mindestens ein Jahr trocknen. Wer feuchtes Holz in den Ofen wirft, bekommt nur wenig Wärme und verpestet die Luft. Und wenn Nachbarn das melden, gibt es Geldbußen.

"Wir haben einen regelrechten Verteilungskampf", sagt Reißmann. Seine Leute fragen bei Bestellern nun nach, für wie viele Haushalte sie Holz brauchen. "Wir müssen das ausgewogen gestalten. Wenn jemand nach 30 Raummetern fragt, kann es sein, dass wir ihm nur 15 Raummeter geben." Auch Unternehmen werden kurz gehalten, die beispielsweise Holz für die Zellstoffherstellung oder zur Zerfaserung für Dämmstoffplatten anfragen.

Wer Brennholz sucht, bekommt von Reißmann den Tipp: "Ihr müsst auch Fichte oder Lärche nehmen. Die brennen ebenfalls gut und kosten weniger als Buche." Noch berechne man die alten Preise - doch eine annähernde Verdoppelung stehe wegen der hohen Nachfrage und des begrenzten Angebots bevor. Die Revierförster widerstehen laut Reißmann der Versuchung, vermehrt Bäume aus noch halbwegs gesunden, geschlossenen Waldbeständen zu schlagen. Und auf den von Stürmen und mehreren Dürresommern gelichteten Kuppen könne man erst recht keine weiteren Stämme absägen.

Für das vorhandene Holz sind dem Forstamt die "Edel-Selbstwerber" die liebsten Kunden. Sie können einen Motorsägen-Führerschein vorweisen und schneiden sich das an den Waldweg gezogene Kronenholz selbst zurecht. Daher kommt der Nachschub für die teilweise gigantischen Stapel, die man rings um die Dörfer in den Schrebergärten und Streuobstwiesen sieht.

Den Anstoß zu dieser Recherche hat der Leser Joachim Heuser gegeben. Er bestellt jedes Jahr über die Gemeindeverwaltung von Limeshain Brennholz für sein Vierfamilienhaus in Himbach. "Normalerweise wird das Holz im Winter geschlagen und steht spätestens im April oder Mai zur Verfügung. Bis heute ist mir allerdings noch kein Abholschein zugestellt worden", beklagt Heuser. Das beunruhigt ihn. "Natürlich wollen wir nun verstärkt auf die Nutzung von Brennholz zurückgreifen. Ausgerechnet jetzt sieht es so aus, als würde uns die Lieferung einer ganzen Jahresmenge fehlen."

Familie Heuser wird - wie die 21 anderen Besteller aus Limeshain - das georderte Holz aus dem 144 Hektar großen Gemeindewald bald zugeteilt bekommen. Das meldet Hauptamtsleiter Ralf Antonowitsch auf Nachfrage. Die Verzögerung habe nichts mit der Gaskrise zu tun. Die Waldarbeiter mussten zuerst Windbrachen in Fichtenbeständen abräumen, in denen sich sonst der Borkenkäfer zu stark ausgebreitet hätte.

Die Arbeiter ziehen laut Forstamts-Chef Reißmann nun mit ihren Maschinen aus dem Karbener Forst in den Rommelhausener Wald um. Er hoffe, dass es dort nicht wie in der südlichen Wetterau zur Sabotage an der Rücke-Maschine komme. Dort hätten "Pseudo-Ökologen" Scheiben eingeworfen und am Motor herumgeschraubt.

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