+
Deutlich mehr Teilnehmer als 2018 setzten Zeichen, auch gegen die Streichungen bei Dunlop.

1. Mai

Breites Bündnis für Gerechtigkeit in Hanau und Neu-Isenburg

  • schließen

In Hanau und Neu-Isenburg werden mehr Teilnehmer bei Demo und Kundgebungen gezählt. Der Konflikt bei Dunlop spitzt sich derweil zu.

Tobias Huth, DGB-Sekretär für die Region Südosthessen, konnte „mehr als zufrieden“ sein: Nachdem in den vergangenen Jahren jeweils etwa 300 Leute an der Hanauer Mai-Kundgebung vor dem Goldschmiedehaus und dem anschließenden Fest am Olof-Palme-Haus teilgenommen hatten, kamen diesmal mehr als doppelt so viele zum Markplatz. Dorthin wurden beide Veranstaltungen verlegt, auch weil die NPD für den 1. Mai eine Demonstration in Hanau angemeldet hatte. Allerdings sagte die rechtsextreme Partei wieder ab.

Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl am Donnerstag auf 350 – das war deutlich zu niedrig, denn der Marktplatz war sehr gut gefüllt. Huth sprach von „insgesamt 1000: etwa 500 Teilnehmer bei Demo und Kundgebung und ungefähr genauso viele bei der Feier.“ Den enormen Zuspruch erklärt Huth sich mit dem zentralen Standort, aber auch mit einem „stärker gewordenen politischen Bewusstsein. Mehr Menschen wollen sich gegen den Arbeitsplatzabbau in der Region – besonders bei Dunlop – sowie gegen den Rechtsruck wehren.“

Sandro Witt, DGB-Bezirks-Vizevorsitzender und Hauptredner, rief zum Kampf gegen „alte und neue Nazis“ auf. Die AfD sei eine neoliberale Partei mit rassistischen Inhalten, so Witt. Sie wolle Europa in Nationalstaaten zerfasern lassen. Witt übte scharfe Kritik an der Bundes- und Landesregierung. Für mehr soziale Gerechtigkeit verlangte er, „endlich“ sozialen Wohnungsbau zu betreiben, Arbeitsbedingungen in Kitas und an Schulen zu verbessern und ein Tariftreuegesetz bei öffentlichen Aufträgen durchzusetzen. Für Letzteres brauche es auch mehr Personal für Kontrollen durch den Zoll.

Pelcim Cansiz forderte gleiche Löhne für gleiche Arbeit und appellierte an die Älteren, sich der Bewegung „Fridays for Future“, für die sie sich engagiert, anzuschließen. Gemeinsam lasse sich viel mehr erreichen.

Begonnen hatte die Kundgebung am Hauptbahnhof. Dann zogen die Demonstranten zum Werk von Goodyear Dunlop. Der Reifenhersteller will bis 2022 in Hanau 610 von 1400 Stellen streichen. In der Belegschaft brodelt es - auch weil sich viele von der IG BCE nicht richtig vertreten fühlen. Für diesen Teil der Beschäftigten sprach Betriebsrat Ali Kocak. Er forderte, „ernsthaft“ für die Arbeitsplätze zu kämpfen, statt so zu tun, als sei der Entschluss des Konzerns Schicksal. Osman Ulusoy, Vizechef der IG BCE Hessen-Thüringen, wies den Vorwurf zurück. Er kämpfe um jede Stelle und wolle nicht, dass die Arbeiter für Managementfehler oder Profitinteressen zahlen müssten. Kocak appellierte, sich den Plänen entschieden entgegenzustellen und die Stellen durch Arbeitszeitverkürzung bei Lohnausgleich zu retten: „Der Kampf hat begonnen.“

Auch in Neu-Isenburg war die Resonanz in diesem Jahr größer: Laut Bernd Joe Schmidt, Vorsitzender des DGB Neu-Isenburg/Dreieich, kamen 90 Menschen zum Stadtteilzentrum West – doppelt so viele wie 2018. Schmidt betonte, wie wichtig gewerkschaftliches Engagement sei. Dass es sich lohne, habe etwa der erfolgreiche Einsatz für die rumänischen Bauarbeiter im Neubaugebiet „Am Birkengewann“ gezeigt, die ihr Geld doch noch erhielten, nachdem sie zunächst geprellt worden waren. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) warb für den europäischen Gedanken: „Neu-Isenburg gehörte mit seinen französischen Partnerstädten zu den Pionieren der Städtepartnerschaftsbewegung.“ Und habe damit zur „Versöhnung und Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich“ beigetragen. Leider machten europafeindliche Tendenzen zuletzt oft Schlagzeilen. „Dabei wird ignoriert, dass es gerade das geeinte starke Europa ist, das uns seit vielen Jahren Frieden bringt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare