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Brandanschlag auf Polizeistation

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Von: Andrea Rost

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Tages-Tristesse am unteren Marktplatz in Schwalbach.
Tages-Tristesse am unteren Marktplatz in Schwalbach. © Monika Müller

Der Angriff auf eine Polizeistation in Eschborn könnte ein Racheakt von Jugendlichen aus Schwalbach sein. Dort wird die Videoüberwachung von Marktplatz und Limeszentrum vorbereitet.

Mehrere Molotowcocktails sind am frühen Dienstagmorgen auf die Polizeistation in Eschborn geflogen. Die Brandsätze seien von den Beamten rasch gelöscht worden, berichtete Polizeisprecher Markus Hoffmann. An einem Polizeifahrzeug sei ein geringer Schaden von 100 Euro entstanden. Als Tatverdächtiger wurde ein 18-Jähriger  festgenommen. Er war kurz bevor die Brandsätze geworfen worden waren, in der Nähe der Polizeistation gesehen worden. Der junge Mann wurde zunächst in Polizeigewahrsam genommen, ist inzwischen aber wieder auf freiem Fuß, wie die Polizei am Mittwoch berichtete. Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund der Tat lägen nicht vor.

Die Ermittler stellten am Dienstag jedoch einen Zusammenhang her zwischen Personenkontrollen am Schwalbacher Marktplatz, die die Polizei wenige Stunden zuvor durchgeführt hatte, und dem Brandanschlag in Eschborn. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Werfen der Molotowcocktails eine Reaktion auf die Kontrolle darstelle, heißt es im Polizeibericht.

Polizisten aus Eschborn sind in der letzten Zeit häufig in Schwalbach unterwegs. Denn vom Marktplatz und aus dem Limes-Einkaufszentrum werden wieder vermehrt Straftaten gemeldet. Erst im Frühjahr gab es dort eine Reihe schwerer Sachbeschädigungen sowie Vandalismus an Ladengeschäften. Zudem gilt speziell der untere Marktplatz schon seit geraumer Zeit als Drogenumschlagplatz. Häufig werden dort Passanten in den Abend- und Nachtstunden angepöbelt. Die Polizei wurde in der Vergangenheit auch schon wegen Messerattacken und Raubüberfällen alarmiert.

Tristesse in Schwalbach

Tagsüber fällt hingegen eher die Tristesse des Platzes auf, der nur wenige Treppenstufen unterhalb des stark frequentierten Limes-Einkaufszentrums und des S-Bahnhofs liegt und an dessen Nordostseite der „Bunte Riese“, ein zwölfgeschossiger Wohnblock, aufragt. Mehrere Ladengeschäfte stehen am unteren Marktplatz leer. In Blumenrabatten rotten alter Rindenmulch und Unkraut vor sich hin. Papierfetzen fliegen über die schmutziggrauen Waschbetonplatten.

Der Kiosk, der etwas versteckt im Erdgeschoss des Bunten Riesen untergebracht ist, gilt als Treffpunkt einer Gruppe junger Erwachsener, die immer wieder für Ärger am Markplatz sorgt und die Polizei auf den Plan ruft. Das städtische Ordnungsamt habe vor kurzem ein Gewerbeuntersagungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt gegen den Kiosk-Betreiber eingeleitet, berichtete Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) der FR. Außerdem soll der untere Marktplatz ab 1. August fast rund um die Uhr bewacht werden.

Tagsüber werden dann wie bisher die städtischen Ordnungspolizisten Streife laufen, für die Abend- und Nachtstunden wird ein zusätzlicher Wachdienst engagiert. Das Parlament hat dazu einen einstimmigen Beschluss gefasst. Außerdem sollte geprüft werden, ob eine Videoüberwachung des unteren Marktplatzes und der Einkaufspassagen des Limeszentrums möglich ist. „Wir arbeiten dabei eng mit der Polizei zusammen“, sagte Augsburger. Zurzeit zeichne sich ab, das demnächst Videokameras installiert werden. Am Dienstag gab es dazu ein Gespräch mit dem Polizeipräsidenten des Präsidiums Westhessen, Stefan Müller, und Christiane Augsburger. Im Laufe der nächsten Tage wollen Stadt und Polizei das gemeinsam erarbeitete Maßnahmenpaket vorstellen.

Schwalbach in den Schlagzeilen

Über Videoüberwachung im Limeszentrum und am Marktplatz wird in Schwalbach schon lange diskutiert. Erstmals kam das Thema auf, als Jugendliche 2007 wiederholt für Randale entlang der S-Bahn-Linie 3 sorgten. Teilweise versammelten sie sich am Schwalbacher Marktplatz und zogen weiter nach Bad Soden, wo sie im Alten Kurpark Blumenbeete verwüsteten und Parkbänke beschädigten. Eschborn, Schwalbach, Sulzbach, Bad Soden und Kronberg taten sich zusammen, engagierten einen Streetworker. Eine Zeitlang war es ruhiger. Nun sind die Teenager von damals Mittzwanziger und für Streetworker offenbar nicht mehr zu erreichen. Die Zahl der Straftaten sei in letzter Zeit wieder gestiegen, bestätigt Polizeisprecher Hoffmann. Damit seien auch die Voraussetzungen für Videoüberwachung gegeben.

„Wir müssen das Thema anpacken“, ist auch Christiane Augsburger überzeugt. Zeiten, wie in den 1970er und 1980er Jahren, als Schwalbach aufgrund seiner gewalttätigen Jugendgangs in die bundesdeutschen Schlagzeilen geriet, will die Bürgermeisterin nicht mehr erleben. „Das ist nicht mein Schwalbach“, sagt die 56-Jährige.

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