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Brachgelände in bester Lage

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Das frühere Mercedes-Senger-Gelände, von der Frölingstraße aus gesehen. Auf 1,5 Hektar will ein Hamburger Investor hier ein Seniorenheim bauen.
Das frühere Mercedes-Senger-Gelände, von der Frölingstraße aus gesehen. Auf 1,5 Hektar will ein Hamburger Investor hier ein Seniorenheim bauen. priedemuth © jp

Verhärtete Fronten in Sachen Senger-Gelände bei Investoren und Stadt

BAD HOMBURG - Der politische Streit um ein neues Gewerbegebiet am Kronenhof hat gezeigt: Vermarktungsfähige Flächen werden in der Stadt dringend gesucht. Es gebe doch bereits einiges an Leerstand, argumentierten Grüne und BLB, beide Gegner des Projekts. Allen voran fällt hier das ehemalige Mercedes-Senger-Gelände ins Auge: Wer in die Stadt kommt, ob mit dem Auto über den Hessenring oder vom Bahnhof aus, muss an dem großen Brachgelände in bester Lage vorbei. Und fragt sich, wann hier wohl endlich etwas passiert.

Der braune Altbau am Marienbader Platz wirkt aus der Zeit gefallen. Die Fenster sind mit Brettern verrammelt; zeitweise war die Fassade mit Graffiti beschmiert. Dahinter erstrecken sich die verlassenen Bauten des Autohauses nebst zahllosen Parkflächen und das mehrstöckige ehemalige Ärztehaus. An Bauzaun und Fensterscheiben versprechen moderne Plakate, hier werde bald das „Marienbader Quartier“ entstehen. Doch dies liegt in weiter Ferne.

Die beiden Eigentümer-Parteien des Geländes liegen im Clinch mit der Stadt. Sie möchten auf dem Gelände Wohnungen errichten - mehr, als die Stadt ihnen zugesteht. Die Stadt will einen Gewerbeanteil von 70 Prozent auf diesem Areal; dafür hat sie im Dezember 2021 Baurecht geschaffen. „Wir könnten morgen anfangen, das Gebiet zu entwickeln“, sagte OB Alexander Hetjes (CDU) kürzlich vor seiner Reise zur Expo-Messe.

Wegen der unterschiedlichen Erwartungshaltungen ist die Sache nach wie vor am Frankfurter Verwaltungsgericht anhängig. Im vergangenen Winter dachte man, im Sommer würde das Urteil fallen. Es sei noch nicht ergangen, teilt Gabriele Förster, Vizepräsidentin der Frankfurter Behörde, jetzt auf Nachfrage mit. Es stehe auch noch kein Verhandlungstermin fest.

Anklageführer ist die Firma Greencroft (Bad Homburg), der ein Viertel des Geländes gehört - mit ebenjenem Altbau am Marienbader Platz und dem des früheren „Sperrholz Brandt“ - beide nicht denkmalgeschützt. Das Unternehmen hatte 2016 gekauft, im Folgejahr wurde eine Bauvoranfrage positiv beschieden. Diese, erzählt Greencroft-Sprecher Ludger Bauer, habe die Stadt aber zurückgestellt. 2018 belegte sie das Gelände mit einer Veränderungssperre. Gewünscht war und ist dort eine Stadtplanung „aus einem Guss“, überwiegend mit den begehrten Gewerbeflächen. Eine „flächenschonende Bebauung im urbanen Umfeld“, die Wohnen und Arbeiten verbindet, heißt es auch im Planungsprozess „Bad Homburg 2030“, der nicht zuletzt einen ansehnlich gestalteten Stadteingang fordert.

Greencroft war gegen diese Neuausrichtung juristisch vorgegangen und in zwei Eilverfahren erfolgreich. Er hoffe, dass 2023 das ausstehende Urteil falle, sagt Bauer, „und wenn wir obsiegen, bauen wir“. Greencroft will am Stadteingang zwei Mehrfamilienhäuser mit knapp 40 Wohnungen errichten. „Dabei könnten die großen Linden am Marienbader Platz stehenbleiben - zu 70 bis 80 Prozent“, so Bauer.

Mit der Stadt sei man nicht in Kontakt. An Greencroft liege es aber nicht, so der Sprecher: „Wir haben die Verwaltung mehrfach schriftlich zu Gesprächen aufgefordert, aber nie eine Antwort bekommen.“ Nun werde man abwarten. Das Grundstück sei hervorragend gelegen - es komme bei der Entwicklung nicht auf günstige Zinsen an, so Bauer mit Blick auf die Verteuerung auf dem Bausektor.

Kein Kontakt, aber zu Gesprächen bereit

Geduld hat man auch in Hamburg. Dort sitzt der Projektentwickler, dem die restlichen drei Viertel des Areals gehören. Dessen für das Projekt gegründete „Grundstücksgesellschaft Bad Homburg“ (GGBHo) plant, auf dem Löwenanteil des Grundstücks ein Alten- und Pflegeheim der Marke Rosenhof (diese ist bereits in Kronberg vertreten) mit Gewerbeanteilen zu errichten. Das besagte „Marienbader Quartier“, für das die Plakate werben.

Auch diese Pläne sind mit dem aktuellen B-Plan nicht vereinbar, da aus Sicht der Stadt der Anteil an (Senioren-)Wohnungen mehr als die festgelegten 30 Prozent vorsähe. GGBHo hat aber nicht vor zu klagen. „Wir wollen eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt“, bekräftigt jetzt Geschäftsführerin Roxana Schaper; sie sei zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden könne. „Wir müssen aufeinander zugehen.“

Bei der Stadt ist man ebenfalls in Wartestellung. Die gegenteiligen Erwartungen von Stadt und beiden Investoren seien bekannt, erklärt Rathaus-Sprecher Marc Kolbe. Man habe gehört, dass sich das Verwaltungsgericht den Fall für Januar 2023 auf Wiedervorlage gelegt habe und ein Urteil verkünden wolle. Die GGBHo habe beim Kauf des Grundstücks gewusst, worauf sie sich einlasse. Die Verwaltung hege den Verdacht, dass das Unternehmen Landbanking betreibe - also bewusst darauf warte, dass das Areal im Wert steige. Damit konfrontiert, erklärt Schaper: „Darauf reagieren wir gar nicht.“

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