Viele Hanauer hatten sich versammelt, um die auf einer Videoleinwand übertragene Trauerfeier für die Opfer des Anschlags zu sehen. Andreas Arnold/dpa
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Viele Hanauer hatten sich versammelt, um die auf einer Videoleinwand übertragene Trauerfeier für die Opfer des Anschlags zu sehen. 

Bouffier

Bouffier verspricht Opferfamilien von Hanau „unbürokratische Hilfe“

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Hessens Ministerpräsident Bouffier lädt nach dem Terror von Hanau Verbände ein, um über die Unterstützung der Opferfamilien zu sprechen.

Einen Tag nach der zentralen Trauerfeier in Hanau hat die hessische Landesregierung am Donnerstag zahlreiche Vertreter von Verbänden in die Wiesbadener Staatskanzlei eingeladen, um über die weitere Unterstützung der betroffenen Familien zu beraten. „Schnell und unbürokratisch“ wolle man helfen, versprach Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor dem Gespräch.

Die schwarz-grüne Regierung in Wiesbaden will vermeiden, dass die Hinterbliebenen und Verletzten nach den Tagen des Gedenkens alleingelassen werden. Als warnendes Beispiel gilt der Umgang mit den Opferfamilien nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz im Jahr 2016.

Die Angehörigen der Getöteten und die Verletzten hatten sich vom Staat seinerzeit im Stich gelassen gefühlt. „Es gab dort nie eine zentrale Trauerfeier“, erinnerte sich Bouffier. Es habe auch „nie eine direkte Ansprache an die Menschen gegeben“. Daraus wolle man in Hessen lernen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Landeskabinett beschlossen, den Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn als Opferbeauftragten zu berufen. Er sollte sein Amt erst in wenigen Wochen antreten, was wegen des Terrors von Hanau aber vorgezogen wurde. Auch die Stadt Hanau berief am Tag nach dem rechtsradikalen Anschlag zwei Opferbeauftragte, Maria Haas-Weber und Silke Hoffmann-Bär.

Sie alle nahmen an der Beratung am Donnerstag in der Staatskanzlei teil, ebenso wie Bouffier, sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir, die Staatsminister Peter Beuth (Inneres), Eva Kühne-Hörmann (Justiz) und Kai Klose (Integration) sowie der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Daneben waren rund 15 Organisationen aus Hanau vertreten, darunter Migranten- und Religionsverbände.

Sie gehörten allesamt zu den Institutionen, die die Angehörigen seit den tödlichen Schüssen vor zwei Wochen eng begleitet hätten, berichtete Oberbürgermeister Kaminsky.

Bouffier sagte, es gebe für die Hinterbliebenen und Opfer die Möglichkeit finanzieller Entschädigung. Das Land wolle vermeiden, dass sie sich dafür an eine Reihe verschiedener Stellen wenden müssten.

Der Ministerpräsident schilderte, welche Notlage die Betroffenen in diesen Tagen erlebten. So habe eine Familie durch die tödlichen Schüsse ihren Ernährer verloren und könne nun ihre Miete nicht mehr bezahlen. In einer anderen Familie seien die Eltern eines getöteten jungen Mannes nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. Auch sie gerieten dadurch in finanzielle Schwierigkeiten, so dass ihnen geholfen werden müsse.

Die Aufmerksamkeit dürfe nicht mit der Trauerfeier enden, fügte Al-Wazir hinzu. „Der Tag danach, wenn die Scheinwerfer aus sind, ist auch noch da.“

Bouffier berichtete, dass neben finanziellen auch andere Anliegen der Betroffenen an ihn herangetragen würden. So hätten Menschen Angst und wünschten sich mehr Sicherheit. Dem wolle man etwa mit mehr „sichtbarer Polizei“ entgegenkommen, kündigte der Ministerpräsident an.

Außerdem gehe es den Menschen um eine „rasche und vollständige Aufklärung des Verbrechens“. Hier brauche es jemanden, der ihnen die Verfahren erläutere und auch erklären könne, warum die Aufklärung länger dauern könne als erhofft.

Ursprünglich hatte die Staatskanzlei im Anschluss an das Treffen über die Beratungen informieren wollen. Die Pressekonferenz wurde aber vorgezogen und nur von den Offiziellen von Stadt und Land bestritten, ohne Vertreter der eingeladenen Verbände. Man wolle nicht unter Zeitdruck geraten, sagte Ministerpräsident Bouffier zur Begründung für die Verschiebung. „Wir nehmen uns dafür Zeit.“

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