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Im Hessenpark wird die Gärtnerei aus Rechtenbach bald in Betrieb genommen. 

Hessenpark

Gärtnerei im Hessenpark in Neu-Anspach wiederaufgebaut

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Die wiederaufgebaute Gärtnerei bietet dem Hessenpark-Museum einen dreifachen Nutzen. Start mit „Frühlingserwachen“ am 31. März.

In zehn Tagen – so sagt es der immergrüne Kalender – beginnt der Frühling. Noch aber pfeift es winternah durch die Luft, zeigt sich der März in wechselnden Launen. Im Hessenpark aber stehen die Zeichen unübersehbar auf Lenz: Unter den gläsernen Dächern der im Aufbau befindlichen Dorfgärtnerei keimt und sprosst es in schönster Tönung.

Während Gießwasserbehälter, „Giftschrank“, Arbeits- und Telefontisch noch ebenso eingebaut werden müssen wie die originale Koksheizung von Buderus, haben die Museumgärtner schon ihre ersten Jungpflanzen ans Tageslicht gebracht. Da offenbaren sich auf langen Pflanztischen Koriander und Kümmel, Sauerampfer und Borretsch. Frisch gewässert daneben Zinnie und Eisenkraut, sogar Färberwaid und Färberginster. Noch reckt sich zartgrün, was alsbald die Hausgärten des Hessenparks beleben wird.

Mit Blick auf die beiden aus dem mittelhessischen Rechtenbach stammenden Glashäuser sind sich Pädagogin Pia Kreuzer und Wissenschaftler Carsten Sobik einig: „Ein Idealfall.“ Wo die Familie Weidmann zur Mitte des 20. Jahrhunderts ihr Gewerbe der Floristik und Blumenbinderei voranbrachte, wird künftig eine dreifache Museumsaufgabe erfüllt. Bereits angezüchtet die traditionellen Pflanzensorten für den Eigenbedarf, in den Startblöcken das neue Schulprojekt „Junges Gemüse“. Pia Kreuzer: „Am 9. April ist die erste Grundschulklasse hier im Arbeitsgewächshaus.“

„Frühlingserwachen“heißt der Hessenpark-Thementag am 31. März. Auch Mitmachaktionen in der Gärtnerei aus Rechtenbach sind geplant.

Die Eröffnungder Gewächshäuser mitsamt integrierter Ausstellung wird am 30. Juni gefeiert.

Für Schulkinderhat das Museum ein neues Projekt namens „Junges Gemüse“ gestartet. Den Mittelpunkt bildet das Gärtnerhandwerk. ov

Informationen:www.hessenpark.de

Praktisches, erdgebundenes Tun steht auch am 31. März auf dem Programm: Besucher dürfen sich zum „Frühlingserwachen“ ungeniert dem frühen Blühen und altem Wissen hingeben. Ein Wissen, das Ende Juni in voller Pracht aufleuchtet. Dann erfährt das anspruchsvolle Gärtnerei-Vorhaben – kein anderes deutsches Freilichtmuseum kann Vergleichbares bieten – seine Erfüllung. Kurator Sobik wird im ehemaligen Verkaufsgewächshaus eine mit Texttafeln und originalen Weidmann-Objekten garnierte Ausstellung präsentieren. Der „Zeitstrahl“ soll sich meterlang über Pflanztische erstrecken, familiäre und globale Historie engführen. Horizonte reißen auf: 1950 fallen Elefantenkuh Tuffis Sprung aus der Wuppertaler Schwebebahn und Weidmanns Geschäftsplanungen am Wetzlarer Fischmarkt in eins.

Mit der Gestaltung dieser gärtnerischen Welt schreiten die Hessenpark-Verantwortlichen auf dem selbst auferlegten Weg zeitgemäßer Vermittlung weiter. Mit der bloßen Präsentation stiller Dinge und Bauwerke ist es längst nicht mehr getan – Überliefertes soll begriffen, erspürt werden. Nur folgerichtig, dass die Museumspädagogik im Aufwind ist. Von einer „sehr guten Auslastung“ spricht Pia Kreuzer. Während der Hauptsaison würden täglich zwei Projekte für Kinder angeboten.

Um den Frühling gebührend zu empfangen, bedarf es noch einiger Arbeitsstunden in und an den Rechtenbacher „Hochglasflächen“. Im Außenbezirk sollen Frühbeetkästen und Geräteschuppen platziert werden, innen weitere notwendige Gerätschaften. Schon aber zeigt das Thermometer stolze 17 Grad unterm „Nörpelglas“.

Hervorragende Bedingungen also für das, was im Hause Weidmann nur selten hochkam. „Gemüseanzucht“, so Volkskundler Sobik, „war dort nur ein Thema von 1945 bis 1947.“ Als damals verordneter „Beitrag zur Volksernährung“. 2019 ist die vormalige Zierpflanzen-Gärtnerei in neuem Auftrage unterwegs.

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