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Darf sich jetzt Heimatminister nennen: CSU-Politiker Horst Seehofer.

Landtag in Hessen

Elf Heimatminister müsst Ihr sein

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"Los Wochos": Die Regierung erklärt, dass Heimat Heimat ist. Die Kolumne aus dem Landtag in Hessen.

In Hessen herrscht ein eklatanter Mangel an Gefühlsministerien. Hier gibt es weder ein Glücks- noch ein Zukunftsministerium, kein Liebes-, Freundschafts- oder Lebensfreudeministerium. Nicht einmal für ein läppisches Heimatministerium hat es gereicht.

Manche Politiker glauben ja, dass man der Vertrauenskrise der Institutionen begegnen könne, indem man Ministerien mit gefühlsschwangerer Bedeutung erfindet. Das begann schon in den 90er Jahren unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Seinerzeit wurde Kohls Hoffnungsträger Jürgen Rüttgers als Zukunftsminister vermarktet. Formell war er ja nur Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie.

Diese Zukunft ist längst Vergangenheit. Dafür sind Heimatministerien en vogue, als ob Politik für die Heimatgefühle der Menschen zuständig wäre. Die Bayern haben damit angefangen, mit einem gewissen Markus Söder. In Nordrhein-Westfalen gibt es auch so ein Heimatministerium. Jetzt macht sogar der Bund den Unsinn mit. Wenn die Groko in Berlin kommt, darf sich nach Söder noch ein zweiter CSU-Politiker Heimatminister nennen: Horst Seehofer.

Und Hessen? Braucht viel zu viele Heimatminister, als dass dafür ein einzelnes Ministerium ausreichen würde. „Wir begreifen uns alle als Heimatminister, ich vorneweg“, hat Ministerpräsident Volker Bouffier in dieser Woche auf die Frage eines Journalistenkollegen geantwortet. Alle Regierungsmitglieder seien schließlich für Dinge verantwortlich, die „eine Gesellschaft zusammenhalten“, fügte Bouffier hinzu. Wer wollte da widersprechen?

Als Erstes fiel ihm Wissenschaftsminister Boris Rhein ein, der Heimatmuseen fördere. Dann Innenminister Peter Beuth, weil der den Sport unterstütze. Nein, ein eigenes Heimatministerium brauche es in Hessen nicht, sagte Bouffier – und hielt sich doch eine Hintertür offen. Er habe nicht die Absicht, „in dieser Legislaturperiode“ ein Heimatministerium zu schaffen. Nach der Landtagswahl kann es also schon ganz anders aussehen.

Bekanntlich kann ja alles Heimat sein, Frankfurt ebenso wie Haiger, eine Ebbelwei-Wirtschaft ebenso wie das Waldstadion oder das eigene Wohnzimmer. Nichts davon ist vor all den hessischen Heimatministern sicher.

Seit Anfang des Jahres feiern sie die „Zukunftswochen“ der Landesregierung. Spötter im Landtag nennen die Werbetour genervt „Los Wochos“, in Anlehnung an die Reklame einer heimatlosen Bulettenbraterei-Kette.

Die Minister und Staatssekretäre sind unablässig in der „Heimat Hessen“ unterwegs. Sie wollen zeigen, dass sie „einen klaren Kurs und einen Kompass für unsere Heimat Hessen“ haben, außerdem natürlich „Mut zur Zukunft“.

Also besucht Europa- und Heimatministerin Lucia Puttrich ein Blechbearbeitungsunternehmen in Haiger, Kultus- und Heimatminister Alexander Lorz die Otfried-Preußler-Grundschule in Eltville und Umwelt- und Heimat-Staatssekretärin Beatrix Tappeser den Naturkostladen „Sonnenblume“ in Grünberg. Niemand ist so unermüdlich wie Finanz- und Heimatminister Thomas Schäfer, der in dieser Woche die Finanzämter in Michelstadt, Biedenkopf, Hofgeismar, Bad Hersfeld, Rotenburg und Nidda abklapperte. Einer muss den Menschen in der Heimat ja sagen, dass das ihre Heimat ist. Und wer könnte das besser als Hessens elf Heimatminister?

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