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Motorroller und Mopeds erzeugen im Verkehr viele schädliche Abgase.

Mopeds in Frankfurt

Abwrackprämie für Mopeds?

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Die Koalition in Frankfurt prüft eine 500-Euro-Förderung bei der Anschaffung von Elektro-Zweirädern. Denn Motorroller und Mopeds verursachen viele schädliche Abgase.

Motorroller und Mopeds sind klein, wendig und beliebt. Doch ausgerechnet die kleinsten Kraftfahrzeuge erzeugen im städtischen Verkehr viele schädliche Abgase. 
Eine Studie des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts hat schon 2014 nachgewiesen, dass die Kleinkrafträder zwischen 53- und 771-mal mehr Aerosole, die zur Feinstaubbildung beitragen, als andere Fahrzeuge ausstoßen.

Auch sei der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen wie den krebserregenden Benzol um das 124-fache erhöht. „Wenn man an einer Ampel hinter einem Motorroller wartet, während dieser im Leerlauf läuft, kann dies bereits hochgradig gesundheitsschädlich sein“, heißt es in der Studie. 
Die Stadt Tübingen unter ihrem Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat daraus die Konsequenz gezogen und im September 2016 eine Abwrackprämie für Mopeds und Motorroller auf den Weg gebracht.

200 bis 500 Euro – je nach Abgasnorm – bekamen Bürger für die Verschrottung ihres Fahrzeugs gezahlt, wenn sie sich gleichzeitig ein Zweirad mit Elektroantrieb zulegten. 25 000 Euro standen dafür zur Verfügung. Das Geld sei inzwischen zu 80 Prozent aufgebraucht, teilte die Stadtverwaltung nun mit; 37 Roller seien bis Ende 2017 verschrottet worden.

Mit Verweis auf die Erfahrungen aus Tübingen hat die schwarz-rot-grüne Koalition in Frankfurt jetzt einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht. Der Magistrat soll prüfen und berichten, ob eine Prämie für den Umstieg von Moped, Roller oder Kleinkraftrad auf Pedelec oder Elektroroller möglich sei. „Wir wollen mehr Menschen motivieren, auf ökologisch nachhaltige Verkehrsmittel umzusteigen“, erläuterte Roger Podstatny, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Römer, den Antrag. 

Die Stadt könnte diese Abwrackprämie nutzen, um aus dem Bundesprogramm „Saubere Luft“ mehr Mittel an Land zu ziehen. Für dieses Sofortprogramm stellt der Bund eine Milliarde Euro bereit. Das war ein Ergebnis des Diesel-Gipfels im November. „Mögliche Mitnahmeeffekte“ solle der Magistrat bei der Prüfung der Abwrackprämie berücksichtigen, sagte Podstatny. 
Wie viele Roller die Abwrackprämie in Frankfurt betreffen würde, ist nicht bekannt.

Bei der Zulassungsstelle in Frankfurt würden diese Zweiräder nicht gemeldet, sagte der Sprecher des Ordnungsamtes. Die Fahrzeuge erhielten ihre Nummernschilder schließlich direkt von den Versicherungen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wies auf Nachfrage keine Zahlen für Frankfurt oder Hessen aus. In Deutschland hätten rund 1,7 Millionen Fahrzeuge ein solches Versicherungskennzeichen, sagte der Verbandssprecher.

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte die Abwrackprämie in Tübingen damals begrüßt. „Ausgerechnet die kleinsten Kraftfahrzeuge verpesten die Luft mit besonders viel gesundheits- und umweltschädlichem Dreck“, teilte der Verkehrsclub mit. In Tübingen hätten die gut 100 Roller, die täglich in der Mühlstraße unterwegs seien, „die Luft so stark belastet wie 2500 Busse“.

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