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Die Crew: Von links Gerard Desbois, Rafael Alonso, Triebwerkspezialist Manfred Birnfeld, Jackie Joye, Testpilot Claude Lelaie als Kapitän, sein Co-Pilot ist Jacques Rosay.

"Das Ungefährlichste ist heutzutage der Erstflug"

Testcrew sichert sich mit Fallschirm und Notausstieg zum ersten StartHunderte Ingenieure, Techniker, Computerexperten, Triebwerksspezialisten und Piloten von Airbus haben diesen Flug vorbereitet: 36 Jahre nach dem Jungfernflug der vierstrahligen Boeing 747 am 9. Februar 1969 in Everett bei Seattle hat Airbus mit dem neuen A380 ein neues Kapitel Luftfahrtgeschichte aufgeschlagen.

Toulouse-Blagnac (dpa). Hunderte Ingenieure, Techniker, Computerexperten, Triebwerksspezialisten und Piloten von Airbus haben diesen Flug vorbereitet: 36 Jahre nach dem Jungfernflug der vierstrahligen Boeing 747 am 9. Februar 1969 in Everett bei Seattle hat Airbus mit dem neuen A380 ein neues Kapitel Luftfahrtgeschichte aufgeschlagen.

Die Crew steht seit vier Monaten fest: Die beiden französischen Testpiloten Claude Lelaie und Jacques Rosay und dazu die Flugingenieure Gérard Debois, Jacky Joye (beide Frankreich), Fernando Alonso (Spanien) und der deutsche Triebwerksspezialist Manfred Birnfeld, der bereits an den A321-, A319- und A318-Jungfernflügen in Hamburg beteiligt war.

Als der A380 mit der Werks-Nummer MSN001 zum ersten Flug startet, trugen die sechs Männer auch Fallschirme. Das ist zwar keine Auflage der Luftfahrtbehörden mehr, aber Vorbeugepraxis aller Flugzeughersteller. Damit die Fallschirme im Notfall auch benutzt werden können, gibt es einen seitlich in die Tiefe führenden Schacht als Notausstieg. Unfälle bei Jungfernflügen sind zwar dank Computertechnik, Windkanälen und zahlreicher Probeläufe eher unwahrscheinlich - aber dennoch nie ganz auszuschließen.

Schwere Unfälle gab es - allerdings vor Jahrzehnten - eher während der Phase der eigentlichen Flugerprobung. Wie beispielsweise beim HFB 320 Hansa Jet, von dem ein Exemplar am 12. Mai 1965 unweit von Torrejon über Spanien abstürzte. Oder bei der in Bremen gebauten VFW 614. Der Düsenjet verunglückte während eines Testflugs am 1. Februar 1972 am Bremer Flughafen.

Der Chef der Ingenieur-Direktion der Lufthansa, Rolf Stüssel, sagt dazu: "Das Ungefährlichste ist heutzutage der Erstflug. Die richtige Arbeit und die Probleme kommen doch erst später."

Triebwerksspezialist Birnfeld sagt: "Wir sind natürlich heute viel besser dran als unsere Kollegen vor 30 Jahren. Die technischen Grenzen sind weiter hinausgeschoben worden, wir wissen viel mehr und sind in ganz neue Grenzbereiche vorgestoßen. Trotzdem muss man immer bescheiden bleiben, man kann immer wieder dazu lernen."

Die größten Probleme bereitet in der Luftfahrt unverändert die Eigenvibration von Flugzeugteilen durch aerodynamische Störungen oder Fremdfrequenzen. Ein dadurch ausgelöster so genannter Flatterbruch wurde zum Beispiel der VFW 614 zum Verhängnis.

Der erste Airbus A380 ähnelt einem fliegenden Laboratorium - an rund 6000 Messstellen sind etwa 18 000 Parameter erfasst. Beim Erstflug werden in dem weitgehend leeren Flugzeug Dutzende gefüllter Wassertanks installiert, um das Gewicht eines normalen Linienflugs zu simulieren.

Die eigentliche Arbeit jedoch kommt erst nach dem Jungfernflug: Bis Anfang kommenden Jahres müssen die vier Prototypen 2000 Flugstunden bis zur offiziellen behördlichen Zulassung absolvieren.

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