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Der Frankfurter Flughafen muss noch umgebaut werden, damit die neuen großen Flugzeuge hier landen und gewartet werden können.

RHEIN-MAIN-FLUGHAFEN

Der große Umbau

Damit das größte Passagierflugzeug in Frankfurt landen und abgefertigt werden kann, muss der Airport rund 100 Millionen Euro investieren. Anwohner sind gegen eine Wartungshalle.

Von WOLFGANG SCHUBERT

Wann Frankfurt fit sein muss für die A 380, bestimmt London. "Wir sind der Ausweichflughafen für Heathrow", sagt Volker Zintel, verantwortlich für den operativen Betrieb des Rhein-Main-Flughafens. Kann eine Maschine etwa wegen schlechten Wetters nicht in London landen, wird sie nach Frankfurt umgeleitet. Das Prinzip hat Hessen schon unverhofft in die Schlagzeilen gebracht. Als am 28. Januar 1970 die US-Fluggesellschaft Pan Am erstmals mit dem damals neuen Jumbo Jet nach Europa - sprich nach London - fliegen wollte, ging der Jet nicht an der Themse, sondern am Main runter. In London herrschte dicker Nebel.

Spätestens im Frühjahr 2006 muss der Rhein-Main-Flughafen den Superjumbo abfertigen können. Dann werden Singapur Airlines und die in Dubai beheimatete Emirates den Riesenvogel im Linienverkehr nach London einsetzen. Für beide ist die britische Metropole die wichtigste Destination in Europa.

Für Zintel ist das nahende A 380-Zeitalter kein Problem: "Wenn der erste Flieger schon am Dienstag nach der feierlichen Enthüllung in Toulouse nach Frankfurt käme, stünden wir bereit." Die nördliche der beiden Parallelbahnen in Frankfurt erfüllt mit ihrer Breite von 60 und einer Länge von 4000 Metern bereits heute die Anforderungen der internationalen Zivilluftfahrtbehörde ICAO für Flugzeuge der Größe des A 380. Die meisten Rollwege auf Rhein-Main sind ebenfalls breit genug, und das 1994 eröffnete Terminal 2 war damals für eine künftige Generation von Super-Jumbos konzipiert worden - die über das Stadium der Reißbrett-Zeichnungen nicht hinaus kam.

Am Terminal 2, wo schon jetzt acht Flugzeuge mit einer Spannweite von 80 Metern - und damit den Dimensionen des A 380 - gleichzeitig andocken können, wird denn auch die erste A 380-Position entstehen. Exklusiv für Emirates. Denn die boomende Airline vom Golf wird die erste Fluggesellschaft sein, die den A 380 von Mitte 2006 an täglich in Frankfurt einsetzen wird. Bis 2010 sollen am Terminal 2 vier weitere Positionen die Abfertigung des größten Verkehrsflugzeugs der Welt ermöglichen.

Dann werden auch im Terminal 1, in dem Lufthansa und deren Partner der Star-Alliance zu Hause sind, sechs Positionen für das neue Flugzeug und für die gleichzeitige Abfertigung von 550 Passagieren ausgelegt sein. Dafür sind große Gate-Räume nötig, und auch die Passagier-Bereiche müssen umgebaut werden.

Lufthansa, Hauptkunde des Flughafens, fordert vom Betreiber Fraport direkte Zugänge zu beiden Etagen des A 380. Zwei Fluggastbrücken sollen an das Hauptdeck, eine weitere das Oberdeck andocken. Nur mit dem Zwei-Ebenen-Boarding sei der A 380 schon 90 Minuten nach der Landung wieder bereit ist zum Start, erklärt die Lufthansa: "An der Umkehrzeit von 90 Minuten werden wir festhalten", sagt Nico Buchholz, Leiter des Konzern-Flottenmanagements.

Um den Flughafen fit für den A 380 zu machen, wird Fraport nach Angaben ihres Generalbevollmächtigten Zintel "sicherlich mehr als 100 Millionen Euro ausgeben". Dabei bleibt es nicht. Weil weitere Großraumflugzeuge wie der Airbus A 340-600 oder die Boeing 777-300 verstärkt auf den Markt drängen, "müssen wir die Wide-Body-Flugzeuge insgesamt im Blick haben", sagt Zintel. Die Folge wird ein Umbau sein für einen "hohen dreistelligen Millionen-Betrag".

Lufthansa will ihre A 380-Flotte in Frankfurt stationieren und warten. Dafür soll eine riesige, 140 Millionen Euro teure Wartungshalle entstehen: 350 Meter lang, 140 Meter breit und 45 Meter hoch. Ihr Bau ist umstritten, weil dafür 26 Hektar Wald fallen müssten. Dagegen haben mehr als 41 000 Bürger Einwände erhoben. Der Regierungspräsident in Darmstadt stimmte dennoch im Dezember zu. Gegen den Planfeststellungsbeschluss klagt der Bund für Umwelt und Naturschutz. Eine Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs wird bis Ende März erwartet. Da bis auf die Grünen alle Parteien im Hessischen Landtag das Projekt ebenso wie den Bau einer vierten Bahn am Frankfurter Flughafen unterstützen, wird kaum mit einem Erfolg der Klage gerechnet.

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