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Bauteile für den Airbus A 380 auf die Reise zu schicken, verlangt technisches Geschick. Mit einer speziellen Beladeplattform wird ein 18,5 Meter langer und 35 Tonnen schwerer Flugzeugrumpf in das größte Frachtflugzeug "Beluga" verstaut (links).

FRANKREICH

Dreiteiliges Transportpuzzle - eine logistische Herausforderung

Der Airbus A 380 entsteht an mehreren Orten - deshalb müssen riesige Bauteile transportiert werden. Frankreich hat dazu eigens eine 240 Kilometer lange "Schwerlaststrecke" errichtet.

Von HANS-HELMUT KOHL

Größer, weiter, sparsamer: Den Dreikampf der Ozeanriesen der Lüfte hat der Airbus A 380 auf dem Papier gegen seinen in die Jahre gekommenen Konkurrenten, den B 747-Jumbo-Jet von Boeing, schon klar gewonnen. Wenn er das, was die Ingenieure in jahrelanger Arbeit ausgetüftelt haben, im Alltagsbetrieb realisiert, stehen den europäischen Flugzeugbauern goldene Jahre bevor. Dafür reichte es nicht, ein vollkommen neues Riesenflugzeug zu entwerfen - auch auf dem Boden mussten völlig neue Tatsachen geschaffen werden.

Da sind die Investitionen von mehr als 1,5 Milliarden Euro in die Werften und Anlagen, die Airbus Industries in seine Standorte in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien stecken musste, um die A 380 in sein Produktionsprogramm aufnehmen zu können. Und hinzu kam die beachtliche logistische Herausforderung, die verschiedenen überdimensionierten Flugzeugbauteile zur Endmontage ins südwestfranzösische Toulouse zu bringen, von wo aus der Super-Vogel nach Hamburg starten wird, um den letzten Schliff zu erhalten.

Die "Beluga", das wasserköpfige Frachtflugzeug mit 1500 Kubikmeter Ladevolumen, das die Flugzeugteile der anderen Airbus-Baureihen transportiert, reichte für das A 380-Projekt nicht mehr aus. Toulouse, nahe der spanischen Grenze im Vorland der Pyrenäen gelegen, verfügt auch über keinen vernünftigen Anschluss an einen Wasserweg, so dass der französische Staat 2001 in aller Eile die Pläne für eine "Schwerlaststrecke" von 240 Kilometer Länge auf vorhandenen Straßen durch alle Instanzen peitschte - zum Unmut etlicher lokaler Umweltinitiativen.

Die Zusammenführung der A 380-Bauteile geschieht nun in einem dreigeteilten Transportpuzzle. Airbus ließ sich von einer chinesischen Werft (mit 30 Prozent niedrigeren Baukosten als in Europa) ein Spezialschiff von 155 Metern Länge bauen, das auf einem insgesamt 2000 Kilometer Seeweg die großen Teile einsammelt und an die Gironde-Mündung nördlich von Bordeaux bringt. Dort, in Pouillac, wird von der "Ville de Bordeaux", umgeladen - auf Flussbarken, ebenfalls Sonderanfertigungen, die flach genug sind, um mit ihrer Ladung die berühmte "Steinerne Brücke" in Bordeaux passieren zu können.

Nach 95 Kilometern flussaufwärts auf der Garonne, in Langon, wechselt erneut das Transportmittel. Und es kommen Tieflader zum Einsatz, die - ausschließlich nachts und mit einem Stundenmittel von knapp 20 Kilometer pro Stunde - die 240 Kilometer auf der Straße zur A 380-Werft in Blagnac in drei Tagen  zurücklegen. Ihr erster Einsatz im Frühjahr 2004 geriet zu einem beachtlichen Spektakel, handelt es sich bei dem Konvoi doch um sechs bis 50 Meter lange Speziallaster auf 96 Rädern, die per Satelliten-System gesteuert werden müssen, um durch die teils engen Ortsdurchfahrten zu kommen. Denn die A 380-Bauteile sind bis zu 53 Meter lang, sechs Meter breit und 14 Meter hoch.

Mehr als 50 Polizisten sichern die Transporte ab. Fünf Halteplätze wurden ebenfalls gebaut, um die nötigen Pausen einlegen zu können. Jeweils 15 Kilometer vor dem Konvoi werden alle Seitenstraßen gesperrt. Jeder der Transporte (sie sollen zunächst einmal monatlich und von 2008 an, wenn die Serienfertigung anläuft, wöchentlich stattfinden) kostet rund 500 000 Euro, was bei einem Gesamtpreis von gut 280 Millionen Dollar pro A 380 offenkundig nicht ins Gewicht fällt.

Mehrere Jahre lang grübelten die Airbus-Spezialisten an der Lösung des Logistik-Problems, das in der Zukunft seine Bewährungsproben erst noch - bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen - bestehen muss. Sie verwarfen nach und nach alle anderen Vorschläge, zuletzt den, ein Spezialflugzeug zu entwickeln, das wie die "Beluga" die Teile durch die Luft transportieren kann. Dafür hätte die Zeit bis zum "Rollout", der weltweit übertragenen Multimedia-Show am nächsten Dienstag, nicht mehr gereicht.

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