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Auserwählt: die sechsköpfige A-380-Crew mit dem Deutschen Manfred Birnfeld (dritter von links).

Countdown für Airbus-380-Jungfernflug

Crew trägt während der Premiere am Mittwoch Fallschirme / Flugbegeisterte fragen bereits nach TicketsHunderte Ingenieure, Techniker, Computerexperten, Triebwerksspezialisten und Piloten von Airbus haben diesen Flug vorbereitet: Am Mittwoch soll das größte Passagierflugzeug der Welt, der neue Airbus A380, zum ersten Mal in die Luft gehen.

Von KARL MORGENSTERN, DPA

Toulouse-Blagnac · 25. April · 36 Jahre nach dem Jungfernflug der vierstrahligen Boeing 747 am 9. Februar 1969 in Everett bei Seattle will Airbus mit dem Start des A380 ein neues Kapitel Luftfahrtgeschichte aufschlagen. Die Crew für die Premiere steht daher schon seit vier Monaten fest: die beiden französischen Testpiloten Claude Lelaie und Jacques Rosay, dazu die Flugingenieure Gérard Debois, Jacky Joye (beide Frankreich) und Fernando Alonso (Spanien) sowie der deutsche Triebwerksspezialist Manfred Birnfeld, der bereits an den A321-, A319- und A318-Jungfernflügen in Hamburg beteiligt war.

Wenn der A380 mit der Werks-Nummer MSN001 zum ersten Flug startet, werden die sechs Männer auch Fallschirme tragen. Das ist zwar keine Auflage der Luftfahrtbehörden mehr, aber Vorbeugepraxis aller Flugzeughersteller. Damit die Fallschirme im Notfall auch benutzt werden können, gibt es einen seitlich in die Tiefe führenden Schacht als Notausstieg. Unfälle bei Jungfernflügen sind zwar dank Computertechnik, Windkanälen und zahlreicher Probeläufe eher unwahrscheinlich - aber dennoch nie ganz auszuschließen.

Schwere Unfälle gab es - allerdings vor Jahrzehnten - eher während der Phase der eigentlichen Flugerprobung. Wie beispielsweise beim HFB 320 Hansa Jet, von dem ein Exemplar am 12. Mai 1965 unweit von Torrejon über Spanien abstürzte. Oder bei der in Bremen gebauten VFW 614. Der Düsenjet verunglückte während eines Testflugs am 1. Februar 1972 am Bremer Flughafen.

Laboratorium der Lüfte

In der Branche überwiegt daher die Gelassenheit. Der Chef der Ingenieur-Direktion der Lufthansa, Rolf Stüssel, sagt: "Das Ungefährlichste ist heutzutage der Erstflug. Die richtige Arbeit und die Probleme kommen doch erst später." Und Triebwerksspezialist Birnfeld meint: "Wir sind natürlich heute viel besser dran als unsere Kollegen vor 30 Jahren. Die technischen Grenzen sind weiter hinausgeschoben worden, wir wissen viel mehr und sind in ganz neue Grenzbereiche vorgestoßen." Trotzdem müsse man immer bescheiden bleiben und könne immer wieder dazu lernen.

Die größten Probleme bereitet in der Luftfahrt unverändert die Eigenvibration von Flugzeugteilen durch aerodynamische Störungen oder Fremdfrequenzen. Ein dadurch ausgelöster so genannter Flatterbruch wurde zum Beispiel der VFW 614 zum Verhängnis.

Der erste Airbus A380 wird einem fliegenden Laboratorium ähneln - an rund 6000 Messstellen werden etwa 18 000 Parameter erfasst. Beim Erstflug werden in dem weitgehend leeren Flugzeug Dutzende gefüllter Wassertanks installiert, um das Gewicht eines routinemäßigen Linienflugs zu simulieren. Die eigentliche Arbeit jedoch kommt erst nach dem Jungfernflug: Bis Anfang kommenden Jahres müssen die vier Prototypen 2000 Flugstunden bis zur offiziellen behördlichen Zulassung absolvieren.

Das Interesse an der A380-Premiere ist nicht nur bei Flugzeugbauern und Fluggesellschaften groß. Bei der Lufthansa laufen bereits Anfragen nach Tickets auf. Flugbegeisterte erkundigten sich, ob sie bei dem ersten Lufthansa-A380-Flug dabei sein könnten, sagt Sprecher Michael Lamberty. Die Lufthansa will im Herbst 2007 den Flugbetrieb mit dem größten Passagierflugzeug der Welt aufnehmen. Derzeit stünden aber noch keine Termine und Ziele fest - folglich werde auch noch keine Buchungsliste geführt.

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