Bilderbuchreif, butterweich

Der A 380 fliegt erfolgreich gefüllte Wassertanks über den Atlantik

Von STEFAN BRÄNDLE (PARIS)

Dem Bilderbuchstart folgt eine butterweiche Landung. Ganz selbstverständlich ist das nicht beim Erstflug des A 380, den das neue Riesenflugzeug am gestrigen Mittwoch problemlos absolviert. "Absolut perfekt", freut sich Pilot Jacques Rosay per Funk schon kurz nach dem geglückten Start, der Take-Off sei reibungslos vonstatten gegangen. Alles verlaufe genau wie bei den Simulationen und das Wetter sei herrlich. "Der Start war so leicht wie Fahrrad fahren", frohlockt Rosay.

50 000 Zaungäste verfolgen in der südfranzösischen Airbus-Zentrale den Jungfernflug des neuen Riesenflugzeugs und applaudieren spontan. Zum Teil waren die Flug-Fans schon am Vortag mit Campingwagen angereist.

Beifall gibt es auch in den deutschen Airbus-Werken, wo der Jungfernflug auf Großbildleinwänden verfolgt wird - in Hamburg von 8000 Beschäftigten. Alle hätten den Atem angehalten, erzählt Werksleiter Jürgen Nuske im Airbus-Werk in Nordenham. "Dann gab es einen Riesenapplaus."

In Toulouse zeigt sich Airbus-Chef Noël Forgeard ebenfalls begeistert und meint: "Jedermann konnte feststellen, dass das Flugzeug genau zur vorgesehenen Zeit abhob und dass es sehr leise ist." Das ist auch eine Reaktion auf vorangegangene Berichte, der Erstflug verzögere sich wegen technischer Probleme. Meldungen, die auf den Aktienkurs des Airbus-Mutterhauses EADS gedrückt hatten.

Das Fahrgestell wird gleich nach dem Start um 10.29 Uhr eingezogen - was für einen Testflug eher ungewöhnlich ist. Der Flug mit der Kennung WWOW dauert ungefähr vier Stunden, führt über das Weinbaugebiet von Bordeaux und in einer Schleife über dem Atlantik zurück nach Toulouse.

An Bord sind zwei Piloten, vier Ingenieure - darunter auch der Deutsche Manfred Birnfeld - sowie tonnenweise Wasser in großen Behältern, um das Gewicht von Passagieren und Fracht zu imitieren. Abgesehen davon ist auf den beiden Passagierdecks eine Unmenge von Computern und Messgeräten installiert. Sie sollen 150 000 Daten zu Hydraulik, Elektronik, Innendruck und Treibstoffzufuhr liefern. Ein Corvette-Flugzeug begleitet den Super-Airbus auf dem ganzen Flug, um dessen Piloten Verdächtiges zu melden.

"Stolz ist nicht das richtige Gefühl", sagt Triebwerksingenieur Birnfeld nach der Landung: "Ich bin glücklich, dass ich auf diesem Flug dabei gewesen bin. Stolz dürfen die sein, die dieses Flugzeug gebaut haben." Der seit Monaten geplante Flug durfte nicht schief gehen. Zu hoch ist der Einsatz, um den es im Titanenkampf mit US-Konkurrent Boeing geht. Allerdings stand der Erfolg des Flugs WWOW auch nicht von Anfang an fest.

Die Triebwerke haben zwar nicht ihren Erstflug hinter sich: Sie waren schon an ein Flugzeug des Typs A 340 genietet worden und damit in die Luft gegangen. Doch einer der beiden Testpiloten, Claude Lelaie, könnte ein Lied davon singen, dass solche Testflüge nicht immer problemlos ablaufen - selbst wenn es kein erstmaliger Take-Off für die Maschine ist.

1994 war ein A 330 bei einem Test nahe des Flugplatzes Toulouse-Blagnac abgestürzt; sieben Menschen kamen ums Leben. Am Schaltknüppel saß Lelaie. Es kam sogar zu einem Gerichtsprozess gegen den erfahrenen Piloten und gegen den damaligen Airbus-Verwalter Jean Pierson. Beide wurden im Jahr 2001 freigesprochen. In Toulouse spricht man nicht gerne darüber. Schon gar nicht gestern. Aber der knapp vierstündige Flug verläuft ja auch problemlos.

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