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Im Münchner Werk von MTU-Aero Engines arbeiten Ingenieure an Komponenten des Triebwerks GP 7000 für den neuen Großraum-Airbus A380.

Analyse

Am A380 entscheidet sich die Zukunft von Airbus

Jahrelang hat Airbus diesem Ereignis entgegengefiebert: Wenn der A380 seinen ersten Testflug besteht, ist das auch eine Vorentscheidung für den Ausgang des waghalsigsten Projekts des europäischen Flugzeugkonzerns.

Toulouse (dpa). Jahrelang hat Airbus diesem Ereignis entgegengefiebert: Wenn der A380 seinen ersten Testflug besteht, ist das auch eine Vorentscheidung für den Ausgang des waghalsigsten Projekts des europäischen Flugzeugkonzerns.

Vom Erfolg des größten Verkehrsflugzeugs aller Zeiten hängt zwar nicht die Existenz, aber das Wohlergehen der europäischen Luftfahrtindustrie ab. Auf dem Spiel stehen zehn Milliarden Euro Entwicklungskosten, die Renditeplanung für die kommenden Jahrzehnte, die Position im ewigen Wettkampf mit dem US-Konkurrenten Boeing und der Ruf des Weltmarktführers.

Erst in einem halben Jahrzehnt wird feststehen, ob sich der Bau des A380 für 555 Passagiere - in der Charterklasse sogar für bis zu 853 Passagiere - tatsächlich gelohnt hat. Dabei spielen vor allem drei Faktoren eine Rolle: die Zuverlässigkeit des Flugzeugs, die Entwicklung der Nachfrage und der Dollarkurs. Schon die Testflüge werden erste Hinweise darauf geben, ob der A380 hält, was die Airbus- Techniker versprechen. Über die Marktentwicklung und die Wechselkurse gehen die Prognosen weit auseinander.

Airbus schätzt den Bedarf an Großraumflugzeugen der A380-Klasse in den kommenden 20 Jahren auf 1500 Maschinen und will davon die Hälfte mit dem A380 abdecken. Boeing meint dagegen, die Passagiere wollten lieber in mittelgroßen Flugzeugen direkt zum Ziel kommen, statt auf Drehscheiben-Airports von kleinen Zubringermaschinen in Großflugzeuge umsteigen zu müssen. Mit dem Jumbo und der Boeing 777, deren Kapazität in der Charterversion von 368 auf 550 Passagiere erhöht werden kann, seien zudem ausreichend Großflugzeuge zu haben. Das Fazit des US-Flugzeugbauers: Der Markt braucht den A380 nicht; die Investitionen in das Flugzeug rechnen sich nicht.

Schon 154 Bestellungen liegen vor

Doch bisher ist Airbus mit dem Absatz im Plan. 154 Bestellungen gingen schon ein. Die Listenpreise liegen zwischen 263 Millionen und 286 Millionen Dollar; die Erstkunden kommen billiger weg. Schmerzlich für Boeing: Auch die China Southern Airlines hat den Flugzeugriesen bestellt, rechtzeitig für die Olympische Spiele 2008 in Peking und die Weltausstellung 2010 in Schanghai. Damit hat Airbus einen wichtigen Durchbruch auf einem boomenden asiatischen Markt geschafft. Und in den USA konnte Airbus sich mit dem A380 bei den Frachtfliegern UPS und FedEx durchsetzen, die bisher auf Boeings Jumbo setzten.

Dennoch macht die Dollarschwäche den Airbus-Planern einen ersten Strich durch die Rechnung. Ursprünglich wollte Airbus mit dem 250. A380 in die Gewinnzone fliegen. Zu heutigen Wechselkursen rechnet der Konzern jetzt mit Gewinn ab dem 300. verkauften Flugzeug. Die Experten von Oddo Securities kalkulieren die Gewinnschwelle sogar erst bei 315 Flugzeugen. Dann allerdings sollen die Dollars sprudeln. In zehn Jahren könne der A380 die Hälfte zum Airbus-Gewinn beitragen, meinen die Pariser Analysten von Oddo.

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