„Bio-Landwirtschaft“

„Boden ist nicht einfach nur Dreck“

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Lara Göhring (32) betreibt einen Demeter-Hof in der Wetterau. Sie erzählt über dasfruchtbare Ackerland und die Gefahren von Klimawandel und Versiegelung.

Frau Göhring, Sie leiten seit sechs Jahren den Demeter-Bauernhof in Ockstadt in der Wetterau. Kontrollieren Sie ihre Ackerböden täglich?

Nicht jeden Tag, aber es gibt den alten Spruch: „Der Schritt des Bauern düngt das Feld.“ Je mehr man als Bauer nach seinen Äckern schaut, umso besser weiß man, wo was zu tun ist.

Die Wetterau gilt als „Kornkammer Hessens“. Sie hat mit die hochwertigsten Ackerböden der Erde. Was macht den Boden so besonders?

Die Wetterau hat sehr tiefgründige Lösslehmböden. Die sind sehr fruchtbar. Sie können unheimlich viel Wasser und Nährstoffe speichern und beides in Trockenzeiten langsam wieder abgeben. Pflanzen wachsen hier sehr gerne. Wir haben hier auch Schwarzerdeböden, die sehr selten sind. Das gibt es sonst nur in der Magdeburger Börde oder im Pariser Becken.

Wie ist der Zustand der Böden in Ihrem Anbaugebiet?

Eigentlich gut, wobei wir in Zeiten des Klimawandels aufpassen müssen, dass das so bleibt. Wir haben zum Beispiel Regenwürmer bis in vier Meter Tiefe, was uns die Nährstoffversorgung sicherstellt. Das gilt es zu erhalten.

Welche Gefahren sind es, die vom Klimawandel ausgehen?

Wenn innerhalb kürzester Zeit extrem viel Regen fällt und der Boden nicht bedeckt ist, schwimmt er weg. Oder wenn es ein trockenes Jahr gibt wie vergangenes und auch dieses Jahr zeitweise, ist der Boden bedroht. Wenn ein Sturm kommt, kann durch den Wind auch viel Boden verloren gehen.

Was tun Sie dagegen?

Zur Person
Lara Göhring(32) und ihr Mann begannen vor sechs Jahren mit der Bio-Landwirtschaft. Heute bewirtschaften sie mit einem Partnerbetrieb 80 Hektar Acker rund um Ockstadt in der Wetterau. Göhring ist zudem Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Hessen.

Ich versuche meinen Boden ganzjährig bedeckt zu halten. Dafür baue ich Zwischenfrüchte an. Die Gerste wird schon Anfang Juli gedroschen. Bevor ich im Herbst die nächste Kultur einsäe, bringe ich eine Pflanzenmischung aus, die den Boden mit Wurzeln festhält und Regenwürmer füttert.

Was macht den Demeter-Hof im Umgang mit dem Boden besonders?

Wir sehen den Betrieb als Organismus und vertreten den Kreislaufgedanken. Wir bauen den Weizen nicht direkt wieder auf demselben Boden an, sondern viele verschiedene Kulturen dazwischen. Erst pflanzen wir zweijährig eine Mischung aus Gräsern und Luzerne, einer tiefwurzelnden Kleeart. Dann arbeiten wir das in den Boden ein und säen Weizen. Wenn der geerntet ist, bauen wir Gerste an, darauf folgt eine Zwischenfrucht und dann eine Hackfrucht, bei uns Rispenhirse. Nach der Hirse kommt noch mal eine Zwischenfrucht und dann Eiweißpflanzen wie Bohnen oder Erbsen. Erst dann kommt wieder der Weizen. Pro Jahr ist immer nur eine Frucht auf dem Feld. Bis die gleiche wieder angebaut wird, vergehen also mindestens vier bis fünf Jahre.

Durch den Siedlungsdruck, der von Frankfurt ausgeht, wird auch in der Wetterau immer mehr Boden versiegelt. Betroffen sind vor allem die landwirtschaftliche Flächen. Ihr Hof liegt am Ortsrand von Friedberg. Spüren Sie diesen Druck?

Auf jeden Fall. Die Siedlungsgebiete in Friedberg und Bad Nauheim vergrößern sich. Und in den vergangenen Jahren wurde hier die Bundesstraße 3a als Ortsumgehung gebaut. Dadurch ist für die Bauern viel Fläche weggefallen. Die Konkurrenz unter den Landwirten um das Ackerland nimmt da natürlich zu.

Bodenschutz ist weniger populär als Artenschutz. Was tun Sie vor Ort dafür, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt?

Wir bieten im kommenden Jahr Saisongärten an. Man kann dann bei uns für eine Saison einen Garten pachten mit verschiedenen Gemüsearten und Blumen, wo die Leute hinkommen können mit dem Motto „Hacken, gießen und ernten“.

Was wollen Sie damit erreichen?

Wir wollen das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen: Boden ist nicht einfach nur Dreck, sondern unsere Lebensgrundlage. Und der Regenwurm, der mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht, ist mindestens genauso schützenswert wie die Honigbiene.

Interview: Jakob Maurer

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