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Schnell, schlank, schön: Kultauto Opel GT

Das Auto, mein Freund

Alles andere als ein Blechschaden

Für manche ist ein Pkw nicht mehr als ein Fortbewegungsmittel. Andere verbinden damit Emotionen, huldigen dem Design. Einige Autos erlangen sogar Kultstatus - wie der Opel GT. Eine Ursachenforschung.

Von Christine Skowronowski

Kann denn Liebe Sünde sein? Ja, liebe Zarah Leander. Vor allem, wenn es um das aufrichtige Bekenntnis zu kultigen Autos wie zum Beispiel einen knallroten Opel GT, einen Flügel-Mercedes, einen schnittigen Jaguar oder Ähnliches geht.

„Was, Du findest diese Dreckschleudern schön?“, müssen sich Liebhaber solcher Fahrzeuge heute oft anhören. „Hast Du mal daran gedacht, wie viel Benzin die verbrauchen und die Umwelt verpesten?“ Ja – und dennoch: Autos können schön sein und zum Träumen anregen. Starten, Fenster öffnen, Lieblingsmusik aufdrehen und in schöner Landschaft durch die Gegend gondeln und das Gefühl genießen. Unvergessen zum Beispiel die Fahrt im Kult-Auto R4. Das mit dem Musikhören gestaltete sich wegen der damals noch sehr lauten Motorengeräusche etwas schwierig. Aber die Fahrt im Modell Safari weckte bei geöffnetem Dach auch im Odenwald südliche Urlaubsgefühle. Was in Studienzeiten, mit knappem Budget, keine zu unterschätzende Selbsttäuschung war.

Zum Knutschen

Die Kollegin schwört auch heute noch auf Opel. Nicht nur aus Solidarität mit der von der Sanierung gebeutelten Belegschaft. Sie hat ihren Opel zum Knutschen gern, lobt seine Zuverlässigkeit und möchte ihn nicht gegen ein anderes Fahrzeug tauschen. Ja, ja, nicht die Nase rümpfen, Jungs. Den Spruch kennen wir schon zu genüge: „Jeder P... fährt nen O...“ Dabei, Image und Umweltschutz, hin und her, so einen knallroten Opel GT würde wohl niemand verscherbeln oder gar auf den Schrottplatz stellen.

Kult ist eben Kult. Und über welche Anziehungskraft das Auto nach wie vor – 125 Jahre nach seiner Erfindung durch Carl Benz und Gottlieb Daimler – auslöst, zeigt der Besucherandrang auf Autoausstellungen und in Automuseen. Der Ikone Auto wird gerade im hessischen Rüsselsheim, dem Stammsitz von Opel, mit einer Ausstellung des Künstlers Hans Diebschlag gehuldigt. Anlass auch für Spitzenmanager des seit 1929 zum US-Konzern General Motors (GM) gehörenden Autobauers, sich mit Vertretern aus Kunst und Literatur Gedanken zu machen, wie das Auto eigentlich zur Ikone wurde und was eine solche ausmacht. „Autos sind Gefühle, mit denen man auch zur Arbeit fährt“, sagt Beat Wyss, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Eine religiöse Dimension erkennt der gebürtige Schweizer in der Faszination Auto.

Zum Schwärmen

Das ist Musik in den Ohren von Alain Visser, Marketing-Chef des Unternehmens. „Jedes Auto hat eine Seele – und es gibt einige, die haben mehrere Seelen.“ Und er schwärmt zusammen mit dem Kunstwissenschaftler und dem Opel-Chefdesigner Mark Adams von Ikonen wie dem Mini, heute ein Produkt von BMW, dem Opel GT oder dem Opel Kapitän, aber auch dem Trabant – die Wehmut ist nicht zu überhören. Denn das Kreieren von Fahrzeugen ist schwieriger geworden. Gesetzliche Vorschriften schränken die Kreativität ein. Adams beklagt die rechtlichen Beschränkungen, die den Designer zu Millimeter-Arbeit nötigen.

Im Opel-Forum sind die unverwechselbaren Modelle früherer Zeiten abgebildet: Der Laubfrosch, der Manta, der Kapitän zeugen von fast 150 Jahren Opel-Tradition in Rüsselsheim, die mit dem Nähmaschinenbau begann. Ob ein Fahrzeug wie der elektrisch angetriebene Ampera, den Opel demnächst auf den Markt bringt, in seiner ökologischen Vernunft jemals Kult-Status erreichen wird? Designer Adams stellt klar: Eine Ikone kann man nicht kreieren. Dazu machen die Käufer, die Nutzer ein Auto. Die Kollegin ist Wiederholungstäterin: Sie fährt schon den vierten Opel Corsa.

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