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Das „Määäh“ macht neugierig: Die Schafe von Nicole Jackwert sind die Attraktion in Egelsbach.

Egelsbach

Blökende Unterstützung fürs Bauhofpersonal

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Gemeinde Egelsbach hat Schafe für die Mahd ihrer Grünflächen angeschafft. Sie entlasten die Bauhof-Mitarbeiter und sind die Attraktion.

Määäh. Das Blöken ist schon von weitem zu hören. Gleich neben dem Weg entlang des Tränkbachs grasen sie, die neuen tierischen Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs. Die Gemeinde Egelsbach ist aufs Schaf gekommen. Der „natürliche Rasenmäher“ ist kostengünstig, anspruchslos, fleißig - und darüber hinaus auch noch fotogen. Die Bürger haben die mitten in der Gemeinde „arbeitende“ Herde ins Herz geschlossen, Bürgermeister und Bauhof-Belegschaft sind ebenfalls begeistert. Und weil die Tiere ihr Tagwerk so erfolgreich erledigen, haben sie fürs kommende Jahr in Egelsbach schon eine „Arbeitsplatzgarantie“.

Eigentlich wurden die Schafe ja aus einer Not heraus verpflichtet: Dem Bauhof fehlte es an Manpower, um Ausgleichsflächen zu mähen. „Wir mussten diese Flächen vernachlässigen, weil wir mit der Mahd unserer innerörtlichen Grünflächen kaum nachkamen“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne). Die Gemeinde hätte mehr Personal gebraucht, aber qualifizierte Arbeitskräfte seien derzeit rar auf dem Arbeitsmarkt, so der Bürgermeister.

Wolfgang Höher, Fachdienstleiter Bauen und Umwelt, hatte die rettende Idee: Man könne einen Teil der Egelsbacher Grünflächen doch nach der traditionellen Art von Herden abgrasen lassen, meinte er.

Er musste nicht groß suchen, um tierische Unterstützung für den Bauhof zu finden: In Eppertshausen, nur ein paar Kilometer weiter, betreibt Nicole Jackwert unter dem Namen „Happylambs“ im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft mit knapp 100 Schafen und 19 Ziegen.

Leistungsfähigkeit der Schafe getestet

Doch bevor die Tiere innerorts am Tränkbach ans Werk gehen durften, wurde ihre Leistungsfähigkeit erst einmal am Ortsrand auf dem Pohle-Becker-Loch, einer hochwertigen Ausgleichsfläche der Gemeinde, getestet. Zwei Monate lang beweideten sie die Fläche versuchsweise – und waren dabei so erfolgreich, dass sie vor zwei Wochen innerorts auf die Tränkbachauen umziehen durften. Schäferin Nicole Jackwert hat dort einen Elektrozaun um den „Arbeitsplatz“ ihrer Tiere gezogen, der immer weiter Richtung Osten wandert. Rund 45 Schafe fressen sich nun links und rechts des Weges durch das hochgewachsene Gras, lassen sich auch Sauerampfer und Klee schmecken. „Was sie nicht mögen, lassen sie stehen“, sagt sie. „Deshalb sieht es auch nicht so aus, wie wenn man mit dem Rasenmäher drüber geht.“

14 Ziegen unterstützen die Schafe tatkräftig. Sie tun sich am groben Gestrüpp und am Hartholz gütlich. Die Tiere sind aber nicht nur als Mäher tätig, sondern auch als Landschaftspfleger. Durch ihren Kot und ihr Fell tragen sie Pflanzensamen von einer Stelle zur anderen, sorgen somit dafür, dass sich auf strukturarmen Flächen wieder heimische Kräuter, Gräser und Blumen ansiedeln, erhöhen so auch das Nahrungsangebot für Insekten.

Selbstverständlich sind die Schafe und Ziegen die Attraktion im Ort. Die Kinder und die Bewohner des nahegelegenen DRK-Seniorenzentrums führt der Weg fast täglich an den Weidezaun. Nur Füttern sollten sie die Tiere dort nicht, denn dann fressen die das Gras nicht mehr. „Wir zahlen der Schäferin einen kleinen Obolus“, sagt der Bürgermeister. Das sei aber im Vergleich zu einem Maschineneinsatz wenig.

Zwei Wochen noch, dann ist die tierische Arbeit in der Tränkbachaue getan. Doch die Folgeaufträge für Schaf & Co. winken schon. Die Gemeinde plant, die Herde zukünftig nach einem mit der Schäferin festgelegten Beweidungsplan durch die kommunalen Flächen ziehen zu lassen. Dann wird über mehrere Monate rund um Egelsbach kräftig gemäääht.

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