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Bombenentschärfungen ergeben Synergieeffekte für Trickbetrüger.

Trickbetrüger

Mit Weltkriegsbomben gegen Senioren

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Trickbetrüger werden immer einfallsreicher. Falsche Polizisten verdingen sich jetzt auch als Onlinebankräuber.

Die gegenwärtig virale Masche, mit der falsche Polizisten vor allem alte Menschen um ihre Ersparnisse bringen, treibt immer bizarrere Blüten. Mittlerweile versuchen die Trickbetrüger sogar, Synergieeffekte aus einem weiteren Trend zu erzielen: dem Fund von Weltkriegsbomben bei Bauarbeiten und der daraus resultierenden Evakuierung ganzer Stadtviertel.

Die Polizei schildert das Vorgehen der Gauner so: Sie rufen ihre Opfer an, geben vor, von der Bundes- oder Stadtpolizei zu sein, und erzählen, in der Nachbarschaft sei eine Bombe gefunden worden, während der Entschärfung müssten die Häuser der Umgebung geräumt werden, aber es komme sogleich ein Kollege vorbei, der währenddessen auf die Wertgegenstände aufpassen werde. Laut Polizei seien bereits einige alte Menschen auf diesen Trick hereingefallen, es sei „großer finanzieller Schaden entstanden“.

Ein ebensolcher Schaden von genau 15 000 Euro ist in der vergangenen Woche einem 77 Jahre alten Frankfurter entstanden. Den hatte ein Trickbetrüger mit der altbekannten telefonischen Warnung hereingelegt, eine Diebesbande habe seine Bankdaten geknackt und stünde kurz davor, sein Konto leer zu räumen – aber das Geld könne er ja zuvor der Polizei geben. Der verunsicherte Mann nannte dem Anrufer seine TAN-Nummern – sechsziffrige Kennzahlen, die vorwiegend für Onlinebanking gebraucht werden –, der Betrüger hob daraufhin 15 000 Euro ab. In diesem Fall konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter, einen 27 Jahre alten Mann aus Remscheid, am vergangenen Freitag festnehmen.

Zumeist sind es nur Handlanger, die bei den zuvor eingeschüchterten Senioren Geld und Schmuck abholen. Die tappen öfters mal in Fallen, die ihnen rüstige Senioren stellen. Vor Gericht aber schweigen sie fast unisono – entweder weil sie die Hintermänner nicht kennen oder weil sie nicht ganz grundlos Todesangst vor den Mitgliedern der schwerkriminellen Banden haben, die derzeit oft von der Türkei aus agieren. Die Trickbetrüger sind dabei oft bestens informiert, mitunter haben sie die Häuser und den Tagesablauf der potenziellen Opfer minutiös ausbaldowert, sie kennen die Namen von Familienmitgliedern und mitunter sogar den des echten Bankberaters.

Und sie sind lernfähig. In der Vergangenheit wurden Opfer immer wieder damit getäuscht, dass bei ihnen in ihrem Telefondisplay die 110, die Notrufnummer der Polizei, eingeblendet wurde – ein technisch simpler Trick. Nun aber hat die Polizei oftmals und eindringlich klargestellt, dass sie niemals mit der Notrufnummer irgendwo anrufe, aus keinerlei Grund. Darauf haben die Betrüger reagiert: Meist ist die Nummer nun unterdrückt.

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