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Eine Rettungshundestaffel aus Gießen suchte im September 1999 im Wald bei Ranstadt-Bobenhausen nach der vermissten Johanna.

Fall Johanna

Warten auf Gutachten im Johanna-Prozess

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Der Prozess zum Mord an der achtjährigen Johanna vor dem Landgericht Gießen verlängert sich um drei Verhandlungstage. Ein Urteil gegen den Angeklagten könnte am 23. Oktober ergehen.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der acht Jahre alten Johanna Bohnacker sind vor dem Landgericht Gießen noch drei Verhandlungstage angesetzt. Laut einem Gerichtssprecher sieht es zurzeit danach aus, als könne am 23. Oktober, dem 20. Verhandlungstag, das Urteil gegen den Angeklagten Rick J. ergehen. Zeugen sind nicht mehr geladen. Die einzige Unsicherheit an dem Zeitplan ist ein forensisch-psychiatrisches Gutachten über den 42-Jährigen, das am 16. Oktober, dem nächsten Prozesstermin, erstattet wird. Man kann nicht ausschließen, dass sich der Prozess gegen J. dadurch nochmals verlängert. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass J. im September 1999 das Mädchen aus Ranstadt in der Wetterau mit Chloroform betäubte, es entführte, sexuell missbrauchte und schließlich tötete, um die Tat zu verdecken. Der Mann aus Friedrichsdorf gab vor Gericht zwar zu, für Johannas Tod verantwortlich zu sein. Auch habe er – unter starkem Drogeneinfluss – an jenem Septembertag vorgehabt, sich an einem Mädchen zu vergehen. Ihr Tod sei aber ein Unfall gewesen. Nach einem Schlag auf die Nase sei sie in seinem Auto erstickt. Das habe seine Pläne zunichtegemacht, und er sei nicht über Johanna hergefallen. Ihr Leichnam wurde im April 2000 bei Alsfeld gefunden. Die genaue Todesursache konnten Rechtsmediziner nicht mehr feststellen. Den Mund des Kindes hatte er 29-mal mit 15 Metern Paketklebeband umwickelt. Ein Gutachten stützte die Vermutung der Staatsanwaltschaft, dass Rick J. dies Johanna erst im entkleideten Zustand angetan habe, um seine perversen Triebe auszuleben.

Gutachten könnte Einfluss auf Strafmaß haben

Das forensisch-psychiatrische Gutachten, mit dem sich das Gericht am 16. Oktober auseinandersetzen wird, ist dem Gerichtssprecher zufolge insbesondere für die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten relevant. Lange Zeit habe sich sein Mandant geweigert, sich untersuchen zu lassen, sagt einer der beiden Verteidiger J.’s, der Bonner Anwalt Thomas Ohm. Vor der Sommerpause des Gerichts habe er sich aber doch bereiterklärt sich diagnostizieren zu lassen. Mehrere Male besuchte der Sachverständige J., gegen den bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt überdies vier Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern anhängig sind, im Gefängnis. Das Ergebnis könnte Einfluss auf das Strafmaß haben und darüber entscheiden, ob das Gericht eine an die Haft anschließende Sicherheitsverwahrung anordnet. 

Der Anwalt von Johannas Mutter, Dietmar Kleiner, spricht von einem „Strohhalm, um sich aus dem Sumpf zu ziehen“. Kleiner pocht darauf, dass das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellt. Dadurch werde vermieden, dass eine lebenslange Freiheitsstrafe nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird. Gabriele Bohnacker tritt als Nebenklägerin auf und will laut ihrem Anwalt am Ende des Prozesses auch noch das Wort ergreifen. 

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