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Das Gericht in Frankfurt.

Amtsgericht Frankfurt

Wut im Vollrausch

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Ein verurteilter Totschläger erweist sich vor dem Amtsgericht Frankfurt als Bewährungs-Totalversager.

Er ist der liebste Mensch der Welt – wenn er nicht betrunken ist“, beschreibt Frau W., das Opfer, vor dem Amtsgericht Lorenz K., den Täter. Wenn dem so ist – und das ist schwer zu sagen, weil Lorenz K. fast immer betrunken ist – dann steht der liebste Mensch der Welt diesmal wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung vor Gericht.

Lorenz K. ist Stärkeres gewohnt. Das Zentralregister des 48-Jährigen weist stolze 19 Eintragungen auf. Viele der Taten hat K. im Suff begangen. Diebstahl ist dabei, Körperverletzung, Widerstand, Raub, Beleidigung, Erpressung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Seine erste Jugendstrafe saß K. 1988 wegen Diebstahls ab. Seitdem war er mehr drinnen als draußen. 2003 verurteilte ihn das Landgericht Frankfurt wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren – er hatte seine Freundin erschossen. Die meiste Zeit davon saß K. ab, der Rest der Freiheitsstrafe wurde auf Bewährung ausgesetzt.

In diese Zeit der Bewährung fällt die jetzt angeklagte Tat: In einer Nacht im Dezember 2017 soll der wie stets volltrunkene Lorenz K. seine damalige Freundin, Frau W., als „Hure“ beschimpft, sie mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und bespuckt haben.

Anschließend habe er die Tür der gemeinsamen Wohnung abgeschlossen und Frau W. erst wieder am nächsten Morgen hinausgelassen. So ähnlich, wenn auch nicht ganz so dolle, könne sich das abgespielt haben, gibt Lorenz K. zu, was ihm ja auch leid tue. Seit seiner frühen Jugend saufe er von morgens bis abends wie ein Loch, da passierten immer wieder unschöne Dinge. Nur das Einschließen leugnet er. Er habe den Schlüssel auf die Kommode gelegt. „Wir haben beide immer den Schlüssel gesucht – ich wegen des Alkohols, sie wegen ihrer Vergesslichkeit.“

Lorenz K. nimmt das Urteil nüchtern entgegen

„Ich bin sehr vergesslich“, antwortet Frau W., 53 Jahre alt und nach eigenen Angaben Hausfrau in Frührente, wenn sie als Zeugin nach Details aus der Tatnacht gefragt wird. Angst kann vergesslich machen. Der Polizist, der am Tag danach die Anzeige von Frau W, die in Begleitung ihrer ältesten Tochter auf der Wache erschienen war, entgegengenommen hatte, erinnert sich im Zeugenstand, dass Frau W. damals sehr verängstigt gewirkt habe.

Erst kurz davor hatte sie eine Geldbuße zahlen müssen, nachdem sie sich selbst der Falschaussage bezichtigt hatte. Sie hatte K. beschuldigt, sie geschlagen zu haben, der hatte daraufhin vom Amtsgericht einen Strafbefehl erhalten. K. habe sie gezwungen, diese Aussage zurückzunehmen, sagte sie damals der Polizei. Er habe gedroht, er werde ansonsten auch aus dem Gefängnis heraus „jemanden schicken, der meine Kinder prügelt“. Und ihr selbst irgendwann „in den Kopf schießen würde, wie er es schon einmal bei einer Frau gemacht hat“.

Frau W. scheint wirklich etwas vergesslich zu sein, denn auch nach der Tat lebte sie wieder mit K. zusammen, der auch weiterhin trank und schlug und gar nicht lieb war. Das änderte sich erst, als Lorenz K. im vergangenen Jahr festgenommen wurde und das wegen seines üblen Leumunds angerückte Überfallkommando bei ihm Heroin sowie geklaute Fahrräder und Werkzeuge fand. Verhaftet wurde K. übrigens, weil er Strafbefehle nicht zahlte, die er bekommen hatte, weil er die Kinder von Frau W. beleidigt und bedroht hatte. Erst saß er im Darmstädter Gefängnis seine Ersatzfreiheitsstrafe für diese offenen Strafbefehle ab, mittlerweile verbüßt er die ausgesetzte Reststrafe wegen Totschlags – die Justiz war der Auffassung, dass Lorenz K. sich nicht wirklich bewährt habe. „Nur in Haft schlägt er keine anderen Personen“, zieht die Staatsanwältin traurige Bilanz.

Dem schließt sich das Amtsgericht vollinhaltlich an. Lorenz K. wird zu einer zusätzlichen Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Ohne Bewährung. Lorenz K. nimmt das Urteil nüchtern entgegen. Er ist Stärkeres gewohnt.

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