Kassel

Verfahren gegen braune Ideenschmiede

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Der Vorstand des rechtsextremen Kasseler „Thule-Seminars“ ist wegen Volksverhetzung angeklagt. Verhandelt werden soll am Amtsgericht in Fritzlar.

Die gesamte Führungsspitze des rechtsextremen Kasseler „Thule-Seminars“ soll sich nach dem Willen der Staatsanwaltschaft vor Gericht verantworten. Man habe „Klage gegen drei für die Herausgabe eines Jahresplaners Verantwortliche wegen des Tatverdachts der gemeinschaftlichen Volksverhetzung erhoben“, teilte die Anklagebehörde in Kassel am Mittwoch auf FR-Anfrage mit. Konkret handelt es sich um Pierre Krebs, 72 Jahre alt, aus Bad Emstal, den Gründer und Leiter der braunen Ideenschmiede, sowie seine beiden Mitstreiter Gudrun Schwarz, 69, aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke, 68, aus Horn-Bad Meinberg.

Die drei Rentner bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins, der bereits seit 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

Vorgeworfen wird ihnen von der Staatsanwaltschaft die Veröffentlichung des Taschenkalenders „Mars Ultor 2016“. Der Kalender enthalte „Passagen, welche zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstacheln und die Menschenwürde von Personen bzw. Personengruppen durch böswilliges Verächtlichmachen angreifen“, erklärte die Behörde.

Der nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Planer ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte „Ausrottung der Deutschen“ und wurde bereits im Juli 2016 als jugendgefährdend indiziert. Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und „Rassenforscher“ sind mit ihren Geburtstagen eingetragen. Die Schuld Deutschlands am zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische „Blut und Boden“-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert.

Verhandelt werden soll am Amtsgericht in Fritzlar. Das Gericht hat über die Zulassung der Anklage aber noch nicht entschieden.

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