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Gerichtsgebäude in Kassel.

Prozess in Kassel

Vater wollte mit Bluttat Hochzeit verhindern

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Kassel ein Prozess gegen einen Mann, der auf den Freund seiner Tochter geschossen hat. Der Vater wollte so die Hochzeit der beiden verhindern.

Der beinahe tödliche Ausgang eines Familienstreits in Nordhessen beschäftigt seit Mittwoch das Landgericht Kassel. Dort muss sich ein 44-jähriger Vater aus Göttingen für Schüsse auf den Freund seiner Tochter verantworten. Der Prozess beginnt unter hohen Sicherheitsvorkehrungen.

Der Deutsche mit türkischen Wurzeln soll im Februar den damals 24-jährigen Kurden schwer verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen und gefährliche Körperverletzung vor. Zum Prozessauftakt schwieg er.

Laut Staatsanwaltschaft wollte der Angeklagte die für den vergangenen März geplante Heirat „um jeden Preis verhindern“. Schon im Vorfeld habe der Mann gedroht, die Angelegenheit werde mit Blut bereinigt werden. Im Februar sei er dann nach Sontra (Werra-Meißner-Kreis) gefahren und habe das Opfer aus einem Gebetsraum geholt. Doch statt einer Aussprache zog er laut Ermittlern eine Pistole und eine Luftdruckwaffe.

24-Jährigen mit Schüssen schwer verletzt

Das Opfer habe gedacht, die Waffen seien ungeladen und forderte ihn auf zu schießen. Laut Anklage drückte der Mann mehrfach ab und verletzt den 24-Jährigen schwer. Der Freund seiner Tochter habe sich noch gewehrt, indem er mit leeren Glasflaschen warf. Er brach aber nach einer kurzen Flucht schwer verletzt zusammen. Der Angeklagte wurde später in Nordrhein-Westfalen festgenommen.

Zum Prozessauftakt berichtete ein Kriminalpolizist von den Ermittlungen: Demnach hatte der 44 Jährige sich auf die Tat vorbereitet. Er besuchte einen Schützenverein, wo er den Waffengebrauch übte. Die mutmaßliche Tatwaffe wurde erst ein halbes Jahr nach dem Vorfall in einer leeren Lagerhalle gefunden. Deshalb lagen zum Prozessauftakt noch nicht alle Untersuchungsergebnisse der Ermittler vor.  

Zu der Verhandlung kamen viele Zuschauer aus dem Umfeld der Prozessbeteiligten. Deshalb war die Polizei mit Einsatzkräften vor Ort. „Es gibt aber keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung des Prozesses“, sagte ein Sprecher. Bis Ende Dezember sind noch sechs Verhandlungstage angesetzt. (dpa)

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