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Landgericht Darmstadt: Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag vor.

Fund in Viernheim

Totes Baby: Mutter schweigt vor Gericht

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Eine 32-jährige Frau soll ihren wenige Wochen alten Sohn getötet haben. Vor Gericht verweigert sie die Aussage.

Einer 32-jährigen Frau, der vorgeworfen wird, im Frühjahr 2017 ihren erst wenige Wochen alten Sohn umgebracht zu haben, wird seit Donnerstag vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht. Zum Prozessauftakt wollte sich die gebürtige Mannheimerin, die aus einer früheren Beziehung eine zehnjährige Tochter hat, zu den Vorhaltungen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Auch ihr Bruder, ihre Schwester und ihr Vater machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Auf Prozessbeobachter machte die 32-Jährige einen selbstsicheren, wenngleich etwas angespannten Eindruck. Bisweilen äußerte sie sich auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Volker Wagner gereizt und  leicht aggressiv. Ihre blonden Haare hatte die Frau, die mit einem kurzen dunklen Rock, einer auffällig roten Strumpfhose, einer weiße Bluse und einer weiß gepunkteten Jacke gekleidet war, zu einem Zopf geflochten. Als die 11. Strafkammer den Gerichtssaal betrat, verschränkte die Angeklagte ihre Arme vor dem Oberkörper.

Auch auf mehrfache Nachfrage von Richter Wagner machte die einst wohnsitzlose Frau, die derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, keine Angaben zu ihren letzten Aufenthaltsorten vor ihrer Verhaftung im April vorigen Jahres. Sie wolle „keine Unbeteiligten“ in die Sache mit hineinziehen, weil sie dann etwa als Zeugen vor Gericht aussagen müssten, begründete die Frau ihre Haltung.

Anklage lautet auf Totschlag

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag vor. Die Anklagebehörde und ein psychiatrischer Gutachter gehen davon aus, dass die 32-Jährige schuldunfähig ist. Das Schwurgericht wird daher zu prüfen haben, ob die Frau dauerhaft in einer geschlossenen Klinik für Psychiatrie untergebracht werden soll.

Der im März geborene kleine Junge, der Michael hieß, soll nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft im April 2017 von seiner Mutter auf unbekannte Weise getötet worden sein. Den Leichnam des Jungen soll die Frau in eine Wickeltasche gepackt und in einem Waldgebiet hinter dem Viernheimer Waldfriedhof nahe einer Autobahn abgelegt haben. Die sterblichen Überreste des Säuglings fand ein Pilzsammler im September 2017. Die 32-Jährige wurde erst mehr als ein halbes Jahr später über einen DNA-Abgleich als Mutter des Babys identifiziert.

Zum Prozessauftakt wurde auch eine 52 Jahre alte Frau aus Mannheim befragt, die in einem Geburtshaus arbeitet. Sie berichtete dem Gericht, wie sie Anrufe der Mutter der Beschuldigten entgegengenommen habe. Die Frau habe sich nach ihrem Enkel erkundigt. Zu dem Zeitpunkt war die Frau allerdings schon inhaftiert und der Säugling war bereits tot.

Der Darmstädter Oberstaatsanwalt Robert Hartmann berichtete, die Frau habe öfter den Wohnsitz gewechselt und soll Kontakte zum Drogenmilieu gehabt haben. Die Beschuldigte gab an, ihren Realabschluss mit der Note 1,8 nachgeholt zu haben.

Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage bis zum 28. Januar geplant.

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