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In der Nähe dieser Bahnstrecke war die Leiche des Mädchens gefunden worden.

Mordfall Susanna

Susanna wurde vergewaltigt und getötet

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    Götz Nawroth-Rapp
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Die Polizei hat Gewissheit: Susanna F. aus Mainz ist getötet worden. Der Tatverdächtige soll sich in den Irak abgesetzt haben. Ein anderer Mann gilt nicht mehr als verdächtig und wurde inzwischen auf freien Fuß gesetzt.

Die Polizei hat Gewissheit: Susanna F. aus Mainz ist getötet worden. Die Identität des Mädchens konnte am Donnerstagmorgen durch eine DNA-Analyse zweifelsfrei geklärt werden. Ein Mann wird verdächtigt, die Schülerin vergewaltigt und ermordet zu haben. Der mutmaßliche Täter soll ein 20 Jahre alter Iraker sein, der nach der Tat zusammen mit seiner Familie in sein Heimatland geflüchtet sein soll.

Eine zweite Person war im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden. Der 35-Jährige wurde am Donnerstag aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein dringender Tatverdacht hat sich bei ihm nach einer Anhörung nicht bestätigt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Abend in Wiesbaden mitteilten.

Das Opfer starb nach bisherigem Ermittlungsstand am Abend des 22. Mai durch Gewalteinwirkung gegen den Hals, wie die Wiesbadener Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz mitteilte. Der Fundort ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht der Tatort.

Susanna war Mitglied in der jüdischen Gemeinde in Mainz, wo die Nachricht mit Trauer und Bestürzung aufgenommen wurde. Am Donnerstag reagierte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland mit tiefer Betroffenheit. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden“, teilte der Zentralrat in Berlin mit. Für die Polizei gelte es nun, den Fall rasch und umfassend aufzuklären. „Voreilige Schlüsse oder Spekulationen verbieten sich jedoch“, heißt es in der Mitteilung.

Auch der hessische Innenminister Peter Beuth reagierte mit tiefer Betroffenheit auf das Gewaltverbrechen. „Unsere Gedanken sind im Moment bei den Angehörigen, unsere Anteilnahme“, sagte der CDU-Politiker. „Wir werden alles daran setzen, dass wir den Täter finden und einer gerechten Strafe zuführen können.“ Beuth warnte davor, den Fall schon politisch zu diskutieren. Die Politik sei gut beraten, jetzt erstmal die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen, sagte er.

Wie die Polizei berichtete, erfuhr die Mutter des Mädchens am 29. Mai von einer Person, dass ihre Tochter tot neben Bahngleisen in Erbenheim liegen soll. Sie gab diese Information an die Ermittler weiter. Ein 13-Jähriger aus einer Flüchtlingsunterkunft soll später der Polizei mitgeteilt haben, dass die 14-Jährige Opfer einer Vergewaltigung geworden sein soll. Er soll diese Informationen direkt von einem der Tatverdächtigen bekommen haben. Der Junge habe den Hinweis auf den 20-jährigen Iraker gegeben.

Nach diesen Hinweisen habe die Polizei mit bis zu 400 Einsatzkräften über drei Tage das Gelände in Wiesbaden- Erbenheim durchsucht. Dabei seien auch Leichenspürhunde eingesetzt worden. Die Täter hatten die Leiche mit Holz und Gras bedeckt. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Irakers seien Kleidungsstücke von Susanna gefunden worden. Es soll außerdem einen Zeugen geben, der die 14-Jährige in der Unterkunft des 20-Jährigen gesehen hat. Sie soll den Bruder des Tatverdächtigen gekannt haben.

Der Iraker soll sich am vergangenen Freitag, 1. Juni, unter anderem Namen , in die Türkei abgesetzt haben, mit seiner gesamten Familie, insgesamt acht Personen. Die Gruppe soll von Düsseldorf aus geflogen sein und nach einem Zwischenaufenthalt in Istanbul am Samstag, 2. Juni, in den Irak gereist sein. Sie soll sogenannte Laissez-passer-Dokumente gehabt haben. Diese Passierscheine sollen zuvor von der irakischen Botschaft ausgestellt worden sein. Möglicherweise hält sich der 20 Jahre alte Tatverdächtige nun in der Stadt Erbil auf.

Der Iraker war bei der Polizei bereits mehrfach auffällig geworden. Er soll unter anderem eine Stadtpolizistin in Wiesbaden angerempelt haben. Er stand zudem unter Verdacht, ein elfjähriges Flüchtlingsmädchen vergewaltigt zu haben. Außerdem soll er mit vorgehaltenem Messer einen Mann ausgeraubt haben. Es habe aber keine konkreten Gründe für eine Inhaftierung gegeben, so ein Polizei-Sprecher weiter. Der 20-Jährige kam im Oktober 2015 nach Deutschland und stellte später einen Asylantrag. Er gab vor, von der kurdischen Arbeiterpartei PKK bedroht worden zu sein. Sein Asylantrag wurde im Frühjahr abgelehnt. Danach soll er mal in Gießen erneut einen Asylantrag gestellt haben.

Die 14 -Jährige aus Mainz war seit dem 22. Mai vermisst worden. An dem Tag soll sie mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht nach Hause gekommen sein. Aufgrund des Hinweises eines Zeugen hatte die Polizei in den vergangenen  Tagen in einer Feldgemarkung bei Erbenheim nach dem Mädchen gesucht, ohne es dabei zu finden. Erst am Mittwoch war die  Leiche in einem schwer zugänglichen Gelände im Bereich der Gemarkung „Unterm Kalkofen“ in der Nähe einer eingleisigen Bahnstrecke gefunden worden. 

Schon vor dem Leichenfund waren Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass die 14-Jährige einem Gewaltdelikt zum Opfer gefallen war. Der 20-jährige Iraker stand dabei als möglicher Täter schnell im Fokus der Ermittlungen. (mit dpa)

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