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Der Fall wird vor Gericht verhandelt (Symbolfoto).

Prozess

Staatsanwaltschaft sieht heimtückischen Mord an Ehefrau

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Ein Mann soll seine schwangere Ehefrau in Bockenheim heimtückisch ermordet haben, wirft die Staatsanwaltschaft dem 37-Jährigen vor. Nun soll der Familienvater lebenslänglich in Haft.

Wegen der Tötung seiner Ehefrau in Bockenheim soll ein 37-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat vom September 2017 einen Mord aus Heimtücke und zudem einen Schwangerschaftsabbruch. Das Opfer war schwanger. 

Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass Munir L. seine Frau im Schlaf erstickte. Dafür soll sich L. im gemeinsamen Schlafzimmer eines Übergangswohnheims in der Voltastraße auf seine bäuchlings schlafende Frau gekniet und diese bis zu ihrem Tod in die Kissen gedrückt haben. Der Angeklagte habe „die Arglosigkeit seiner Frau ausgenutzt“, warf Staatsanwalt Daniel Wegerich dem Angeklagten in seinem Plädoyer am Montag vor.

Die Staatsanwaltschaft geht nach Ende der Beweisaufnahme von einer arrangierten Ehe zwischen Angeklagtem und Opfer aus. Dies habe L. auch in einer polizeilichen Vernehmung eingeräumt. Der 37-Jährige hatte 2016 zunächst die Scheidung von seiner Frau, mit der er bereits zwei Kinder hat, eingereicht, diese aber auf Drängen des Vaters wieder zurückgenommen. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätte diese Scheidung nämlich zwei Nachteile für den Angeklagten gehabt: Die Ächtung durch den einflussreichen Vater und ein eingeschränktes Besuchsrecht für seine Kinder. Seine Frau um Erlaubnis zu fragen, Sohn und Tochter zu sehen, habe der 2015 aus Afghanistan gekommene Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht ertragen können.

Der Angeklagte hatte die Tat von Anfang an geleugnet, dabei aber widersprüchliche Angaben zur möglichen Ursache des Todes gemacht. Einmal habe seine Frau am Morgen einfach tot im Bett gelegen, in einer anderen Version habe er sie vor einem Suizid bewahren wollen und dabei kurz gewürgt. Die Verteidigung plädierte daher auf Freispruch. L. habe sich nur einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht. Verteidiger Seyed Iranbomy warf vielmehr den Rechtsmedizinern vor, „fehlerhaft und mangelhaft“ gearbeitet zu haben. 

Der Prozess vor der 21. Strafkammer des Landgerichts läuft bereits seit Juli. Immer wieder hatte die Verteidigung Anträge gestellt, die scheinbar die Unschuld von L. beweisen sollten, laut Staatsanwaltschaft aber nur dazu gedient hätten, „absurde Behauptungen“ aufzustellen, die L. gar nicht entlastet hätten. So sei für den Tod der schwangeren Frau das fehlerhafte Verhalten von Polizei, Rettungssanitätern, der Nachbarin oder des Opfers selbst verantwortlich. 

L. war nach dem Tod seiner Frau mit dem zweijährigen Sohn und der fünfjährigen Tochter bei einem Bekannten in der Nordweststadt untergekommen und dort zwei Tage später festgenommen worden. Das Urteil  wird für kommende Woche erwartet.

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