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Normalerweise klagt der 38-jährige selbst an, nun saß er im Gericht auf der anderen Seite.

Amtsgericht Frankfurt

Staatsanwalt zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauch verurteilt das Frankfurter Amtsgericht einen Staatsanwalt zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Am Ende fällt sie dann doch ein bisschen klein aus. Die Strafe. Der 38 Jahre alte Gießener Staatsanwalt Christian M. wird vom Amtsgericht wegen Nötigung, Amtsanmaßung, Beleidigung, Körperverletzung und Falschbeschuldigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Er muss zudem 8000 Euro an die Hessische Polizeistiftung zahlen. Das Strafmaß liegt unterhalb von einem Jahr, M. könnte damit theoretisch Staatsanwalt bleiben. Derzeit läuft allerdings noch ein internes Disziplinarverfahren gegen den derzeit suspendierten Staatsanwalt.

Seine Suspendierung hatte M. sich redlich verdient. Er hatte der Frau eines Freundes mit offiziellem Schreiben juristische Konsequenzen angedroht, falls sie die Skiausrüstung ihres Noch-Ehemannes und seines Immer-noch-Freundes nicht herausrücke – ohne dafür legitimiert zu sein. Zudem hatte er, nachdem er vor dem Frankfurter Gibson-Club von zwei Türsteher abgewiesen worden war, unter dem permanenten Herausblöken seines Berufs die Polizei dorthin zitiert, um dann auch noch die beiden völlig substanzlos wegen Beleidigung anzuzeigen.

Schließlich war er noch, nachdem er als Beifahrer sturzbetrunken mit einer Verkehrsstreife aneinandergeraten war, auf die Beamten losgegangen, hatte einem von ihnen einen Faustschlag ins Gesicht verpasst und sich seiner Fixierung nach Leibeskräfte widersetzt, unter lauter Abgabe diverser Schmähworte, die die Polizei nicht erlaubt.

Vor Gericht hatte M. die Taten zugegeben, aber in seinem überlangen letzten Wort dennoch verteidigt. Er habe die Frau des Freundes schützen wollen. Er sei von den Türstehern bedroht worden und habe in Notwehr gehandelt. Und bei der Verkehrskontrolle sei er rappelvoll gewesen.

„Ich habe mich so klein gefühlt“, hatte M. sein anmaßendes Auftreten vor dem Gibson erklärt. Und tatsächlich ist M. von der Natur nicht mit einer überdurchschnittlichen Körpergröße bedacht worden. Wirklich nicht.

Er habe bei allen Handlungen „sein Ego aufbauen wollen“, so die Richterin in ihrem Urteil, wissend, dass Menschen, die sich zu kurz gekommen fühlen, manchmal zu Kompensationszwecken etwas raushängen lassen müssen. „Sie haben den Staatsanwalt raushängen lassen!“

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