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Das Landgericht und Amtsgericht.

Frankfurt

Schülerin vor 17 Jahren vergewaltigt

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Ein 42-jähriger Mann muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten, weil er vor 17 Jahren eine Schülerin vergewaltigt haben soll.

Nach 17 Jahren sieht die Frau den Mann wieder, der ihrem Leben seinen Stempel aufgedrückt hat. Sie erkennt ihn nicht wieder. Sie hat ihm damals auch kaum ins Gesicht gesehen, am Abend des 10. November 2001, als die damals 13-Jährige auf dem Weg zu einer Freundin war, bei der sie übernachten wollte. An dem Abend, als der unbekannte Mann im Anlagenring auf sie zustürmte und zu Boden riss. Der Moment, in dem er ihr die Hose auszog, war auch der Moment, in dem sie mental dichtmachte. „Das war der Moment, in dem ich abgeschaltet habe. Ich wollte einfach nur überleben.“

Ladislav H., 42 Jahre alt, sitzt wegen Vergewaltigung eines Kindes auf der Anklagebank des Landgerichts. Das ist nicht neu für ihn. 2004 hatte ihn das Kreisgericht Liberec wegen Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung und „Rowdytum“ in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und einer anschließenden Sexualtherapie verurteilt. 

Keine Aussage zum Vorwurf

Was die tschechische Justiz „Rowdytum“ nennt, kennt man in Deutschland als Exhibitionismus. Zum Tatvorwurf will sich H. nicht äußern. Er ist nicht freiwillig hier. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Landgericht diesen Prozess angesetzt, aber H. zog es damals vor, in seiner tschechischen Heimat zu bleiben. Er wurde festgenommen und ausgeliefert.

Die Frau, die in dem Prozess auch Nebenklägerin ist, erinnert sich nicht. Und H. sagt nichts. Dafür spricht die DNA eine deutliche Sprache. 2015 erbrachten die alten Spuren einen frischen Treffer. Eine Gutachterin sagt, die Chance, dass die an der Kleidung des Opfers gefundenen Spermaspuren von einem anderen als Ladislav H. stammten, läge etwa bei 1 zu 1,79 Trillionen. Vor dem Gesetz gilt H. als mutmaßlicher Täter, vor der Wahrscheinlichkeitsrechnung als überführter.

Die Frau hat sich von der Tat zumindest so weit erholt, dass sie einer geregelten Arbeit als Buchhalterin nachgeht und ihr Leben, so scheint es, ganz gut im Griff hat. Nach der Tat war das anders. Das lag nicht nur an der Vergewaltigung. Das lag auch an den Zeitungsartikeln über den Fall. Wochenlang hatte sie sich nicht mehr in die Schule getraut, aus Scham, erfüllt von der Angst, jeder in der Schule wisse, was mit ihr geschehen sei, und zerreiße sich darüber das Maul. Die Noten kippten, das Mädchen fing mit dem Kiffen an. Und fing sich wieder. Nicht alle Opfer schaffen das.

Zu Hause habe man über das Thema nie geredet, sagt die Mutter im Zeugenstand. Man habe versucht, die Tat durch Totschweigen zu bekämpfen. Ihre Tochter sei bereits zuvor nicht übertrieben mitteilungsbedürftig gewesen, nach der Vergewaltigung habe sie sich noch mehr zurückgezogen.

Sie habe nie versucht, die Tat psychologisch aufzuarbeiten, sagt die Frau im Zeugenstand, Es sei nicht ihr Ding, ihr Innerstes vor anderen bloßzulegen. Jetzt, im Zeugenstand, kann sie nicht anders. Sie sitzt nur etwa 100 Meter Luftlinie vom damaligen Tatort, nur wenige Meter entfernt von einem unbekannten Mann, der sie begleitet, seit sie 13 ist. Mit der Ladung, erzählt sie, sei alles wieder hochgekommen. Die Erinnerung, die Scham, die Tränen. Jahrelang habe sie es mit der „Strategie Wegschieben“ versucht. „Hat nicht ganz geklappt“, urteilt die Frau in eigener Sache. Der Prozess wird fortgesetzt.

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