+
Justizia ist wachsam (Symbolbild).

Echzell

"Schlitzer" muss Haft absitzen

  • schließen

Rechtsextremist Patrick W. bleibt weiterhin in Haft. Das Landgericht Gießen lehnt seinen Antrag auf vorzeitige Entlassung ab - mit dem Verweis auf das zu hohe Risiko weiterer Straftaten.

Patrick W., auch bekannt unter seinem Spitznamen „Schlitzer“, soll Ende des Jahres aus der Haft entlassen werden. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen auf Anfrage mitteilte, hat das Landgericht Gießen Anträge des 33-Jährigen abgelehnt, vorzeitig freizukommen. Das Gericht habe die Gefahr, dass W. weitere Straftaten begehen werde, als zu hoch bewertet. 

Der Rechtsextremist war im Dezember 2012 vom Landgericht unter anderem wegen Drogenhandels, Waffenbesitzes und Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Zuvor hatte er bereits in Untersuchungshaft gesessen. Auf seiner Hofreite in der kleinen Gemeinde Echzell im Wetteraukreis richtete er „Gaskammer-Partys“ aus, bei denen Kunstnebel aus an der Decke befestigten Duschköpfen strömte. Nach der Verurteilung von W. kauften Nachbarn die Hofreite, die als Bastion der Vereinigung „Old Brother’s“ diente. 

Seitdem Patrick W. einsitzt, herrscht Ruhe in Echzell. Es gebe keine Aktivität mehr von organisierten rechtsextremen Gruppierungen, sagt Rochsane Mentes, die für die Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim das Gemeinschaftsprojekt „Bunter Leben“ leitet. „Die Aktivität ist bei null.“ Dass die braunen Umtriebe durch die Entlassung von W. wieder aufleben werden, denkt Mentes nicht. „Ich mache mir da wenig Gedanken.“ Manfred Linss vom lokalen Bündnis „Grätsche gegen Rechtsaußen“ ist vorsichtiger. „Ich bin mir relativ sicher, dass er wieder Leute um sich gruppieren wird.“ Das müsse ja nicht in Echzell oder den Nachbargemeinden sein. 

Dass Patrick W. nicht gerade den Eindruck erweckt, er habe aus der Vergangenheit gelernt, zeigte sein Verhalten, als er das Gefängnis im offenen Strafvollzug verlassen durfte. Er knüpfte wieder Kontakte zur rechtsextremen Szene, posierte auf Fotos in einem sozialen Netzwerk mit alten Neonazi-Kameraden. 

Dementsprechend kurz war die Zeit als Freigänger. Laut Staatsanwaltschaft dauerte sie von April bis September 2016. Wegen „diverser Weisungsverstöße“ habe das Gericht wieder den geschlossenen Vollzug angeordnet. Eine Auflage war ein Kontaktverbot zur rechtsextremen Szene. Zudem ermittelte die Polizei im September 2016 gegen W. wegen des Verdachts der Bedrohung. In einer Gaststätte in Friedberg waren er und Begleiter mit anderen in Streit geraten. 

Innerhalb der JVA benimmt sich W. offenbar nicht besser. Weil es zu Auseinandersetzungen mit Häftlingen gekommen sei, sei er wegen Bedrohung angeklagt, im Oktober aber freigesprochen worden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Überdies ermittle man zurzeit gegen ihn wegen des Verdachts der Nötigung, der einen Vorfall in der JVA betreffe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare