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Hooligans der "Berserker Pforzheim" nehmen im Oktober 2016 an einem Neonazi-Aufmarsch in Wetzlar teil.

Razzia nahe Dillenburg

Rechte Hooligans unter Verdacht

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Die Razzia nahe Dillenburg gegen eine extremistische Gruppe im Lahn-Dill-Kreis zielte offenbar auf die Hooligantruppe "Berserker".

Offiziell halten Polizei und Staatsanwaltschaft sich bedeckt. Auch drei Tage nach Hausdurchsuchungen bei vier Rechtsextremisten in der Nähe von Dillenburg (Lahn-Dill-Kreis) machen die Ermittler keine Angaben dazu, gegen welche Gruppierung sie vorgegangen sind.

Am Dienstag hatten Spezialkräfte vier Wohnungen durchsucht und dabei Handys, Messer sowie Luft- und Schreckschussgewehre beschlagnahmt. Den vier Beschuldigten im Alter zwischen 27 und 40 Jahren wird vorgeworfen, eine rechtsgerichtete kriminelle Vereinigung mit bis zu 100 Anhängern gebildet zu haben.

Die Gruppe soll hierarchisch gegliedert sein, eine Art Uniform tragen und bundesweite Kontakte zu Rockern und in die militante Neonaziszene haben.

Ein bewaffnetes, rechtes Netzwerk im Lahn-Dill-Kreis? Recherchen der Frankfurter Rundschau legen nahe, dass die Ermittlungen sich gegen einen hessischen Ableger der rechtsradikalen Hooligantruppe „Berserker“ richten. Auch der Hessische Rundfunk hatte berichtet, dass es um die „Berserker“ gehe, die eine starke Ortsgruppe in Pforzheim in Baden-Württemberg haben und auch bei den Demonstrationen der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln aufgetreten waren.

Auch in Hessen waren die rechtsradikalen Hooligans zuletzt sehr aktiv: Mitglieder der „Berserker Pforzheim“ hatten im Juni 2015 etwa an der islamfeindlichen Demonstration „Widerstand Ost West“ auf dem Frankfurter Roßmarkt teilgenommen. Im Oktober 2016 liefen Mitglieder der rechten Gruppierung dann bei einem Neonazi-Aufmarsch in Wetzlar mit, der Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises.

Dazu hatte der lokale NPD-Kader Thassilo Hantusch aufgerufen. Mehrere der kahl rasierten Hooligans trugen einheitliche schwarze Pullover mit dem gelben Schriftzug „Berserker Pforzheim“, traten aggressiv auf und skandierten mit den anderen Neonazis Parolen wie „Alles für Volk, Rasse und Nation“. Auch die bekannte Neonazi-Aktivistin Melanie Dittmer aus Nordrhein-Westfalen war vor Ort. 

Als Dittmer und Hantusch im April vergangenen Jahres erneut zu einer Demo nach Wetzlar einluden, waren die „Berserker“ wieder mit von der Partie. Neben Neonazis aus der hessischen Kameradschaftsszene, NPD-Kadern und Anhängern von Dittmers „Identitärer Aktion“ fielen dieses Mal mehrere kräftige Männer auf, die schwarze Pullover mit der gelben Aufschrift „Berserker Lahn-Dill“ trugen. 

Im Internet veröffentlichte Fotos zeigen bis zu zwölf Hooligans, die bei internen Treffen diese Pullover oder entsprechende T-Shirts tragen. Einige von ihnen tragen zudem den Schriftzug „Leader“ – Anführer – auf ihrer Kleidung. Offenbar sind es diese „Berserker Lahn-Dill“, die nun seit knapp einem Jahr im Visier der Sicherheitsbehörden sind.

Martina Renner, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei aus Thüringen, verwies gegenüber der FR darauf, dass beim Aufmarsch in Wetzlar im vergangenen April auch Mitglieder des „Freundeskreises Niedersachsen/Thüringen“ anwesend waren. Gegen drei Mitglieder dieser Vereinigung hatte die Staatsanwaltschaft Göttingen im vergangenen Jahr Anklage wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe erhoben.

Diese Kontakte sprächen dafür, „dass sich hier ein ganzes Netzwerk militant radikalisiert hat“, sagte Renner der FR. Die Ermittlungen in Hessen seien kein Einzelfall, „sondern der nächste öffentlich bekannt gewordene Versuch von Neonazis, sich zu bewaffnen“. Allein im vergangenen Jahr habe der Generalbundesanwalt sechs Verfahren wegen Rechtsterrorismus eingeleitet, sagte Renner. 

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