+
Justitia.

Prozess in Wiesbaden

Mordprozess nach 20 Jahren

Ein Liebespaar soll vor etlichen Jahren aus Habgier gemeinsam die Ehefrau des Mannes umgebracht haben. Der Prozess in Wiesbaden startet stockend.

Der Fall war eigentlich schon zu den Akten gelegt worden. Doch DNA-Nachweise brachten die Ermittler auf die Spur eines Liebespaares aus Lorch im Rheingau. Am Mittwoch hat nun vor dem Wiesbadener Landgericht der Prozess gegen die 50 Jahre alte Frau und ihren 57-jährigen Geliebten begonnen. Sie sollen vor mehr als 20 Jahren gemeinsam eine 37 Jahre alte Frau ermordet haben, um an ihr Geld, eine Lebensversicherung sowie Immobilien zu kommen.

Das Opfer war die Ehefrau des Angeklagten und wollte sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft scheiden lassen. Das Paar steht wegen gemeinschaftlichen Mordes aus Habgier vor Gericht.

Die Angeklagten hätten die Frau im Oktober 1997 betäubt, in die Badewanne gelegt und dann unter Wasser gedrückt, bis sie ertrank, erklärte die Staatsanwaltschaft. Da sie bewusstlos war, hatte die 37-Jährige keine Chance, sich zu wehren.

Danach hätten der 57-Jährige und seine Geliebte den Tatort gereinigt und so manipuliert, dass es nach einem Selbstmord aussah. Die beiden hätten ihre Beziehung weiterführen und in dem Haus der Getöteten gemeinsam leben wollen, hieß es in der Anklage. Das Paar sitzt in Untersuchungshaft. Beide sind deutsche Staatsangehörige.

Prozess startet stockend

Die 37 Jahre alte Frau war tot in der Badewanne gefunden worden. Spezielle Klebefolien sollten damals bei den Ermittlungen Spuren an der Leiche sichern. Als das Material mit neuen Methoden nochmals untersucht wurde, fanden Ermittler DNA der Angeklagten. Das Verfahren wurde im November 2017 wieder aufgenommen.

Der Prozess kam am Mittwoch allerdings nur stockend voran. Eine erst am Morgen vorgelegte Bilddokumentation der entscheidenden Klebefolien musste zunächst von den Verteidigern analysiert und besprochen werden.

Dann das Ergebnis: Zu den Vorwürfen wollen sich die Angeklagten nicht äußern. Denn aus Sicht der Verteidigung sind die Akten unvollständig. So sei nicht klar, wo sich welche Hautschuppen auf den Klebefolien befunden hätten und wie viele es jeweils gewesen seien. Das könnte wichtig sein, weil jede Folie einem Körperteil oder Kleidungsstück zugeordnet wird, wie eine Sachverständige erläuterte.

Ein Protokoll der Untersuchung soll nun so schnell wie möglich nachgereicht und die Sachverständige ausführlich befragt werden. Auch die Ergebnisse einer Vermessung der Badewanne stehen noch aus.

Schlafmittel im Blut

Schon kurz nach der Tat war im Blut der Toten ein Schlafmittel nachgewiesen worden. Zudem hatte sie Verletzungen, die vermutlich von Schlägen herrührten. Eine Obduktion hatte jedoch keine Hinweise auf einen Mord erbracht.

Der heute 57-jährige Angeklagte hatte damals eingeräumt, Stunden vor dem Tod mit seiner Frau eine heftige Auseinandersetzung gehabt zu haben. Danach habe er die Wohnung verlassen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft war der Mann schon häufiger gewalttätig. Beide Eheleute hätten zudem Affären gehabt.     (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare