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Der Gastronom Jan M. steht im Verdacht, im Frankfurter Niddapark eine Frau ermordet zu haben.

Mord im Niddapark

Jan M., ein Mann von Halbwelt

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Schießerei, unglaublicher Wohnungsbesitz und Sexmob-Alarm: Eine Internetspurensuche über den mutmaßlichen Frauenmörder vom Niddapark.

Im Februar 2012 war die Welt des Jan M. noch in bester Ordnung, zumindest medial. In der Frankfurter Presse lächeln den Lesern anlässlich des Pächterwechsels in der Gerichtskantine der Showkoch Mirco Reeh, sein Spezi Jan M. und der neue Pächter Jochen Gerber kochlöffelbewehrt entgegen. „Landgerichtspräsident Klaus Scheuer durfte zu diesem Anlass die eigens kreierte ,Justiztorte‘ anschneiden“, berichtet die „FNP“. „Für die Gäste gab es eine Nudelpfanne und Garnelenspieße in einer rassigen Wodka-Sahnesauce.“

Verfolgt man die sozialmediale Karriere des Jan M., dann betritt man eine Welt, in der der Wodka sonst eher aus Flaschen mit Strasstotenkopf getrunken wird. Auf seinem Instagram-Account ballert M. zur Begrüßung mit einem Sturmgewehr. Nach der Schießerei vor seinem Katana-Klub fanden sich auf seinem Facebook-Account Bilder, die ihn beispielsweise auf der Hochzeit von „Schnitzel-Walter“ zeigen, dem Chef des verbotenen Charters Westend, dessen Bekanntschaft er zuvor geleugnet hatte.

Auch die gemeinsamen Fotos auf dem Instagram-Account von Irina A. haben einen Hauch von Halbwelt. Im September 2016 outete sich M. politisch, als er nach einem Wahlerfolg der AfD ein entsprechendes „Like“ vergab.

Einem Onlinegesellschaftsmagazin hatte M. im Juni 2010 zum Dank, dass er dort als „der neue Investment-Komet am Business-Himmel der Frankfurter Freßgass“ vorgestellt wurde, seine Vita erzählt: „Im Taunus in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen“, Studium der Mathematik und Wirtschaft in Frankfurt und Montreal, Zeitsoldat bei den Fallschirmjägern, später im Management bei der Unternehmensberatung KPMG, dann Investmentbanker bei der Privatbank Sal. Oppenheimer, dann Gastronom, verheiratet, zwei Kinder, Eintracht-Fan. M., der „drahtige Businessman“, jubelt das Magazin, sei ein „cooler Typ“, allzeit bereit, „die kreative Money-Stimmung in der Stadt auszuloten“.

M. sei zudem nicht nur der neue Stern der Szenegastronomie, sondern auch Besitzer von etwa 600 Wohnungen. Diese, verriet M., lasse er aber, im Gegensatz zu seinen Klubs und Kneipen, nur von „ausgesuchtem deutschen Personal“ verwalten. „Das ist für mich in der Handhabung und Verständigung am einfachsten.“

Im März 2017, wenige Wochen nach dem falschen Sexmobalarm, gab M. seine Bar „First In“ auf der Freßgass ab. Mit dem Medienrummel oder eventuellen finanziellen Engpässen habe das aber nichts zu tun, verriet er dem „Journal Frankfurt“. An seiner Aussage, in dem Laden habe es Übergriffe gegeben, hielt M. dort allerdings fest. Lediglich Überschriften wie „Sex-Mob tobte auf der Freßgass" seien maßlos übertrieben.

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