Prozess in Frankfurt

Künstler wegen Schlagrings zu Geldbuße verurteilt

  • schließen

Das Frankfurter Amtsgericht verurteilt den Künstler Peter Zizka wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldbuße. Der Zoll hatte ihn am Flughafen gestoppt, weil er einen Schlagring mit Plätzchenaufsatz dabei hatte.

Am Ende versucht Amtsichter Michael Demel, Kunst, Juristerei und Realität doch noch unter einen Hut zu bringen. „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, und ein Schlagring ist ein Schlagring ist ein Schlagring“, sagt Demel und verwarnt den 56 Jahre alten Künstler Peter Zizka wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Des Künstlers Strafe: 40 Tagessätze à 60 Euro, deren Zahlung unter Vorbehalt gestellt wird, zudem eine Geldbuße von 1000 Euro an den Kunstgewerbeverein. Die Werbung für den Künstler: unbezahlbar.

Zizka hatte zuvor vom Amtsgericht einen Strafbefehl über 50 Tagessätze à 60 Euro erhalten. Der Zoll am Flughafen hatte im Mai dieses Jahres das in seinem Gepäck befindliche Kunstwerk „Schlagende Verbindung“ beschlagnahmt, das Zizka als Anschauungsobjekt für eine Vortragsreihe in Mumbai nutzen wollte. Es handelt sich um einen selbst hergestellten Schlagring aus vergoldetem Karbon mit einer aufsteckbaren Plätzchenform. Das sei Kunst, sagt der Künstler, und beruft sich auf deren Freiheit. Das Werk soll die Diskrepanz zwischen unserer heilen Weihnachtswelt und einem Globus voller Mord und Totschlag illustrieren. 

Kann ein Schlagring Kunst sein?

„Kann Kunst eine Waffe sein?“, fragt sich nicht nur Richter Demel, auch wenn es hier eher darum geht, ob eine Waffe Kunst sein kann. Sowohl als auch, meint das Amtsgericht. Niemand unterstellt Zizka, dessen Werk sich im Wesentlichen um die Ächtung von Waffen dreht, dass er eine Waffe habe produzieren wollen, der Richter nicht und selbst der Amtsanwalt nicht. Aber das Werk sei halt auch eine Waffe, und da habe dem Künstler, der schon oft demilitarisierte Gewehre als Material verwendet hat, klar sein müssen, dass er auch in diesem Falle eine Sondergenehmigung des Bundeskriminalamtes gebraucht hätte. Denn ein Schlagring, auch wenn er nicht ergonomisch geformt sei, könne mit oder ohne Plätzchenaufsatz schlimme Verletzungen anrichten, wenn er dem Gegenüber mit Wuppdich ins Gesicht gehauen werde. Das gilt zwar auch für die Venus von Milo, aber die besteht ja nicht aus einer potenziellen Waffe.

Es geht Demel dabei nicht um Rechthaberei oder Beschneidung der Kunstfreiheit. Es geht ums Prinzip. Ihn plagt die Vision „von Nazi-Hooligans, Eintracht-Ultras und Linksextremen“, die mit vergoldeten Schlagringen mit Plätzchenaufsatz Schneisen der Verwüstung durch Deutschland schlagen und sich dabei auf die Freiheit der Kunst berufen. Was sie seiner Meinung auch könnten, sollte Zizka sich erfolgreich auf die Kunstfreiheit berufen. Zizkas tadellose Gesinnung sei dabei kein Schutz vor einer Verurteilung, denn alles andere wäre „Gesinnungsjustiz“. Er hätte sich schlicht eine Sondergenehmigung vom BKA besorgen sollen, die er sicher auch bekommen hätte.

Gut ist es auch so. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Zizka in die nächste Instanz gehen. Und sein Ziel, mit seiner Kunst „interessante Diskurse“ anzukurbeln, hat er mit Sicherheit erreicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare