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In einem Dorfteich in Neukirchen-Seigertshausen sind im Juni 2016 drei Kinder ertrunken.

Nordhessen

Kinder ertrunken - Bürgermeister angeklagt

Im nordhessischen Seigertshausen sind im Sommer 2016 drei kleine Kinder im Dorfteich ertrunken. Nun ist der Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Hätte er das Gewässer sichern müssen?

Die Tragödie um drei in einem Dorfteich in Nordhessen ertrunkene Geschwister sorgte im Sommer 2016 deutschlandweit für Betroffenheit - nun nimmt der Fall eine neue Wendung. Gegen den Bürgermeister von Neukirchen ist Anklage erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft Marburg wirft Klemens Olbrich (CDU) fahrlässige Tötung vor, wie ein Behördensprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mitteilte. Das Amtsgericht in Schwalmstadt muss nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen und ein Prozess eröffnet wird.

Der Rathaus-Chef als Verantwortlicher für Sicherungsmaßnahmen habe es versäumt, den Löschteich als potenzielle Gefahrenquelle abzusichern und einzuzäunen. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrem Ermittlungsergebnis davon aus, dass es dem Bürgermeister bekannt war, dass die Fläche rund um den Teich als Freizeit- und Spielfläche genutzt wurde. 

Hat die Mutter ihre Aufsichtspflicht verletzt?

Die drei Kinder im Alter von fünf, acht und neun Jahren hatten sich am Abend des 18. Juni 2016 an dem Teich im Ortsteil Seigertshausen (Schwalm-Eder-Kreis) aufgehalten und waren darin ohne Fremdeinwirkung ertrunken. Gegen die Mutter, die ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnte, ist das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen, wie Behördensprecher Nicolai Wolf sagte. Der Vater sei nicht beschuldigt gewesen.

Der elf Jahre alte Bruder hatte seine Geschwister an dem Abend gesucht und nach Hause holen wollen. Als er das Unglück sah, alarmierte er Nachbarn und diese dann die Rettungskräfte. Nach Erkenntnissen der Ermittler konnten der fünfjährige Junge und seine achtjährige Schwester nicht schwimmen. Der Neunjährige konnte schwimmen, er kam in dem trüben, 40 Meter breiten und ein bis zwei Meter tiefen Teich dennoch ums Leben. Die syrische Familie verlor drei ihrer fünf Kinder. 

Welchen Zweck hatte der Teich?

Unklar war lange Zeit, welchen Zweck der Dorfteich überhaupt erfüllt und ob und wie er hätte gesichert werden können oder müssen. Bürgermeister Olbrich, gelernter Jurist und seit mehr als 25 Jahren im Amt, sprach von einem „Fischteich“ oder „Freizeitteich“, der keines Zaunes bedürfe. Für die Staatsanwaltschaft ist es hingegen ein „Löschwasserrückhalteteich“ - und für den hätten Sicherungspflichten bestanden, für die der Bürgermeister verantwortlich sei.

Wie mit der Sicherheit an sogenannten Löschwasserentnahmestellen zu verfahren ist, regelt eine DIN-Verordnung. Demnach muss ein Löschteich mit einem mindestens 1,25 Meter hohen Zaun abgegrenzt werden. An dem Teich waren seiner Zeit nur Warnschilder angebracht. Nach dem Unglück hatten Angehörige der Familie den Vorwurf geäußert, dass lediglich Warnschilder keinen ausreichenden Schutz böten.

Die Anklage gegen den Bürgermeister sei bereits im September 2017 erhoben worden, sagte Wolf. Doch die Zustellung der Anklageschrift habe sich aus nicht weiter genannten Gründen dort verzögert. (dpa)

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