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Das Land- und Amtsgericht in Frankfurt.

NS-Prozess in Frankfurt

Kein Verfahren gegen KZ-Wachmann

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Ein heute 97 Jahre alter Mann, ein ehemaliger Wachmann im KZ Majdanek, wird sich vor dem Frankfurter Landgericht nicht mehr verantworten müssen. Er gilt als nicht verhandlungsfähig.

Gegen einen ehemaligen Wachmann im Konzentrationslager Majdanek wird es keinen Prozess geben. Der 97-jährige Frankfurter sei nicht mehr verhandlungsfähig, teilte das Landgericht Frankfurt am Freitag mit.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Oktober 2017 Anklage erhoben, weil der Wachmann am 3. November 1943 eine Massenhinrichtung unter dem zynischen Decknamen „Operation Erntefest“ unterstützt haben soll. Bei der größten Massenhinrichtung des Holocaust waren allein in Majdanek mindestens 17 000 jüdische Gefangene erschossen worden. Wegen der einbrechenden Ostfront befürchteten die Nazis Aufstände in den Lagern und erschossen die noch 42 000 Gefangenen in den deutschen NS-Vernichtungslagern Majdanek, Poniatowa und Trawniki. Der höchste Verantwortliche des Massakers vor Ort, Jakob Sporrenberg, wurde 1952 in Warschau hingerichtet.

Gegen einfache Aufseher wurde jahrzehntelang nicht ermittelt. Erst mit Einrichtung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg kamen Ermittlungen in Gange. Die Behörde hatte vor vier Jahren 28 Verfahren gegen Wachmänner im KZ Majdanek an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Nach der Anklage im vergangenen Jahr hatte sich der Leiter der Zentralstelle, Jens Rommel noch gefreut. „Es bereitet eine gewisse Genugtuung, dass unsere Vorermittlungen nicht ganz umsonst waren.“

Doch die Zulassung des Prozesses bereitete dem Landgericht Probleme. Denn um die Verhandlungsfähigkeit des Angeschuldigten festzustellen, sei „eine umfassende medizinische Begutachtung“ durch einen Sachverständigen notwendig gewesen. Der stellte laut Landgericht fest der 97-Jährige sei „aufgrund deutlicher Durchblutungsstörungen im Gehirn“ nicht in der Lage einem Prozess in der angemessenen Weise folgen zu können. Eine Hauptverhandlung könne vielmehr „zu einer kreislaufbedingten Stresssituation“ führen, die eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben darstelle. 

Ähnlich sieht es auch bei anderen Verfahren gegen ehemalige Wachmänner in Majdanek aus. Von den 28 Verfahren, die von der Zentralstelle an die Staatsanwaltschaften abgegeben wurden, kamen 18 nicht zu einer Anklage, weil die Beschuldigten vorher verstarben. Fünf, jetzt sechs, wurden eingestellt, weil die Greise nicht mehr verhandlungsfähig waren. In einem Fall gab es schon eine frühere Verurteilung, in einem Fall hatte die zuständige Staatsanwaltschaft keine Tatbeteiligung nachweisen können und in einem Fall war der Beschuldigte Österreicher und die Tatvorwürfe daher verjährt. Im letzten Verfahren ermittelte zuletzt noch die Staatsanwaltschaft Dortmund.

Korrektur: Leider haben wir in diesem Text ursprünglich von den „polnischen Lagern“ gesprochen. Dies war eine rein geografische Zuschreibung, die geeignet ist, die historische Wahrheit zu verschleiern. Selbstverständlich handelt es sich bei den Lagern Majdanek, Poniatowa und Trawniki um deutsche Vernichtungs- und Konzentrationslager. Diese Lager wurden von Nazi-Deutschland im besetzten und unterdrückten Polen errichtet. Wir bedauern die ungenaue Formulierung.

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