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Die Aufarbeitung des Mordes an Susanna F. steht erst am Anfang: Oberstaatsanwalt Achim Thoma (M) in Wiesbaden.

Fall Susanna

Jüdische Gemeinde fordert Aufklärung

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Die ermordete Susanna aus Mainz war Jüdin. Nach dem gewaltsamen Tod der 14-Jährigen ruft der Zentralrat "nach harten Konsequenzen für den Täter". Unterdessen instrumentalisieren Rechtsextreme den Fall für sich.

Eine „rasche und umfassende Aufklärung“ sowie „harte Konsequenzen für den oder die Täter“ hat am Donnerstag der Zentralrat der Juden nach dem Tod der 14-jährigen Susanna F. in Wiesbaden gefordert. Zugleich warnte die Vertretung der in Deutschland lebenden Juden vor „voreiligen Schlüssen und Spekulationen“. Wenige Stunden nach der Pressekonferenz der Polizei war bekannt geworden, dass das junge Opfer Jüdin war.

Zentralratspräsident Josef Schuster hatte in jüngerer Vergangenheit gewarnt, dass der massive Zuzug von Migranten aus dem arabisch-islamischen Raum zu wachsendem Antisemitismus und vermehrten Gewalttaten in Deutschland führen könne. Zugleich hatte sich der Zentralrat stets gegen eine Instrumentalisierung dieser Aussagen durch rechte Parteien und Gruppierungen verwahrt.

Wie der Zentralrat der Juden in Deutschland mitteilte, war die 14-Jährige Mitglied der jüdischen Gemeinde in Mainz. Er bestätigte damit Berichte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und der „Jüdischen Allgemeinen“. In einer Pressemitteilung sprachen die Vertreter des Zentralrats der Familie und Freunden der Getöteten ihr Mitgefühl aus. „Einem jungen Leben wurde auf grausame Weise ein Ende gesetzt“, heißt es darin.

Der Leichnam der 14-jährigen Susanna F. war am Mittwoch in einem Erdgrab neben den Bahngleisen in Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden. Die Polizei hatte seit voriger Woche intensiv nach dem seit dem 23. Mai als vermisst gemeldeten Mädchen gesucht. Susanna F. war am 22. Mai nach einem Treffen mit Freunden in Wiesbaden nicht in die elterliche Wohnung in Mainz zurückgekehrt.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Pressekonferenz mitteilten, gelten zwei Flüchtlinge als dringend tatverdächtig, das Mädchen vergewaltigt und anschließend getötet zu haben. Ein Verdächtiger, ein 35-jähriger Türke, war zunächst in Haft und befindet sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Der andere, der 20 Jahre alte Iraker Ali Bashar, ist nach Polizeiangaben am 2. Juni mit einer zweiten Identität mit seiner Familie über Istanbul in den Irak ausgereist. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

In der jüdischen Gemeinde herrschen nach Aussage des Gemeinderabbiners Aharon Ran Vernikovsky „Fassungslosigkeit und Bestürzung“. Die Gemeinde befinde sich in Kontakt mit der Familie der Getöteten. Diese, sagte Vernikovsky der FR, bitte die Medien darum, ihre Privatsphäre zu respektieren.

Rechtsextreme Internetportale sehen in dem Wiesbadener Fall indes eine Bestätigung für eine verfehlte Flüchtlingspolitik. Eine rechte Facebook-Gruppe namens „Beweg was! Deutschland“ ruft anlässlich des Verbrechens zu einer Demonstration für kommenden Sonntag in Mainz auf. 

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