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Die Tanzfläche in der Frankfurter Diskothek "Gibson". (Archivbild)

Kriminalität in Frankfurt

Hohe Haftstrafe nach tödlicher "Gibson"-Schlägerei

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Bei einer Schlägerei in der Frankfurter Diskothek "Gibson" stirbt im Mai 2015 ein Mann. Der Haupttäter wird jetzt zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil kommt wie ein harter Schlag. Das Landgericht verurteilt am Freitagmorgen den 40 Jahre alten Hauptangeklagten Murat Ö. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren. Der bislang freie 40-Jährige wird zu seiner sichtlichen eigenen Überraschung noch im Gerichtssaal verhaftet. Die Mitangeklagten Jonas S. sowie Sertan O. werden wegen Körperverletzung zu drei beziehungsweise zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt.

Das Trio war in der Nacht auf den 24. Mai 2015 mit zwei anderen Gästen des Clubs „Gibson“ auf der Zeil aneinandergeraten. Die beiden Betrunkenen hatten beim Verlassen der Disco vermutlich versehentlich andere Gäste angerempelt, darunter auch das angeklagte Trio, allesamt geübte Schläger. Eines der Opfer hatte vergleichsweise Glück: Jonas S. und Sertan O. brachen ihm die Nase, es ging zu Boden und knallte mit dem Kopf gegen eine Treppenstufe, Jonas S. bedachte den am Boden Liegenden mit ein paar Tritten. Murat Ö. streckte derweil den anderen mit einem wuchtigen Hieb ins Gesicht nieder; der 41-Jährige starb wenige Tage später an einer Gehirnblutung.

Mit dem Strafmaß geht die Kammer unter dem Vorsitz von Richterin Bärbel Stock weit über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte in ihrem Plädoyer für Murat Ö. eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren, für die beiden anderen Angeklagten Bewährungsstrafen für angemessen gehalten. Murat Ö.s Verteidiger Ulrich Endres hatte für seinen Mandanten gar einen Freispruch gefordert. Ö. hatte den tödlichen Schlag im Prozess abgestritten.

Die Geschichte hatte nicht nur wegen des Todesfalls für Aufsehen gesorgt. Murat Ö. und Sertan O. sind Mitglieder der Osmanen, einer schlampig als „Box-Club“ getarnten, türkisch dominierten rockerähnlichen Vereinigung ohne Motorräder. Jonas S. und Sertan O. sind nach eigenen Angaben nach der Tat von ihren Rockerbrüdern beziehungsweise -freunden massiv unter Druck gesetzt worden, die Schuld für den Todesfall auf sich zu nehmen und Murat Ö. zu entlasten. Beide hätten zusammen wesentlich weniger Vorstrafen als Ö. alleine und daher weniger zu befürchten. Zudem stand Ö. als Vorstandsrocker in der Hierarchie weit höher als O. Die beiden weigerten sich jedoch.

„Es konnte in der Verhandlung nicht festgestellt werden, dass es sich bei der Schlägerei um eine Provokation der Osmanen handelte“, sagte Stock in der Urteilsbegründung. Geplante Schlägereien sind ein gängiges Mittel, um in der lukrativen Türsteherszene, die auch zum Portfolio der Osmanen gehört, Dienstleisterwechsel zu erzwingen.

Auch nach der tödlichen Schlägerei hatte sich im „Gibson“ ein ranghoher Osmane gemeldet und dort „ein neues Sicherheitskonzept angeboten, da das gegenwärtige ja wohl gescheitert sei“ – was ihm allerdings außer einem Hausverbot im „Gibson“ nichts eingebracht hatte. Beweise, dass ein angestrebter Türsteherwechsel wahrer Grund der Schlägerei gewesen sein könnte, vermochte das Gericht nicht zu finden.

Die Urteilsbegründung gerät Richterin Stock zur Philippika. „Bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren“, urteilt sie über Murat Ö. angesichts dessen 14 Vorstrafen – zwei davon wegen Gewaltdelikten. Der geübte Kampfsportler habe grundlos einen Betrunkenen mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen und dessen Tod in Kauf genommen. Die Verhaftung im Gerichtssaal begründet Stock angesichts der hohen Haftstrafe mit Fluchtgefahr. Der in Deutschland geborene Murat Ö. besitzt auch einen türkischen Pass.

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