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Markus Frick gab sich vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal des Landgerichts Frankfurt betont lässig.

Frick-Affäre

Haftstrafe für Ex-Börsenguru Frick

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Der einstige Börsen-Star Markus Frick muss ins Gefängnis. Doch nach der Urteilsverkündung ist der TV-Moderator und Autor, der ein Jahr in Untersuchungshaft saß, frei - allerdings nur verübergehend. Er muss seine Reststrafe antreten, sobald das Urteil gegen ihn rechtskräftig ist.

Frankfurt, 10.15 Uhr. Die Frisur sitzt. Markus Frick setzt sein schönstes Hausse-Lächeln auf, als er den Saal des Landgerichts betritt. „Morgen, Servus“ grüßt er fröhlich in die Runde. Dann verurteilt ihn das Landgericht wegen vorsätzlicher Marktmanipulation zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Frisur und Lächeln sitzen immer noch.

Es war ein langer Prozess, der am Dienstagmorgen sein zumindest vorläufiges Ende findet. Seit Januar vergangenen Jahres wird dort verhandelt. Dabei ist das, was dem 41-jährigen einstigen Börsen-Star vorgeworfen wird, sogar von Aktienmuffeln relativ leicht nachzuvollziehen.

Zu seinen Glanzzeiten 2006 und 2007 moderierte Frick auf dem privaten Fernsehsender N24 das Börsenmagazin „Make money – Die Markus Frick Show“. Er verfasste Bücher mit Titeln wie „Ich mache Sie reich“, „Das Geld liegt auf der Straße“ oder „So macht Geld glücklich“. Zudem gab er mehrere Börsenbriefe heraus.

Geständnis abgelegt

Die sind letztlich auch der Grund, weshalb Frick auf der Anklagebank sitzt. 2012 soll Frick durch seinen Börsenbrief „Deutscher Aktiendienst“ die eher mauen Aktien dreier Unternehmen massiv beworben haben – was zumindest kurzfristig deren Preise in die Höhe schießen ließ. Immerhin hatte er einen guten Grund: Hintermänner, die durch den Verkauf ihrer Aktien profitierten, zahlten Frick und seinem mitangeklagten Partner, der zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, etwa 1,9 Millionen Euro.

Frick, der im Prozess laut Gericht „ein von Einsicht und Reue geprägtes Geständnis“ abgelegt hatte, stand zur Tatzeit unter Bewährung – das Landgericht Berlin hatte ihn bereits 2011 wegen Marktmanipulation zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Für den Angeklagten sprach hingegen, dass er sich mittlerweile „entreichert“ hat, wie das im Amtsjargon heißt: Frick hat etwa 1,2 Millionen Euro in einen Fonds für Opfer seiner Investitionstipps gezahlt.

Wegen der mehr als einjährigen Untersuchungshaft setzte das Gericht den Vollzug des Haftbefehls aus. Frick ist frei, muss aber seine Papiere abgeben und darf Deutschland nicht verlassen. Es bestehe weiterhin Fluchtgefahr, glaubt das Gericht. Zwar ist Frick vorerst frei, muss jedoch vermutlich die Reststrafe antreten, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Sein Verteidiger will jetzt prüfen, ob er Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt. Auf den gefallenen Börsenguru könnten auch noch weitere Zivilklagen zukommen, zudem ist eine Rücknahme der Bewährung aus der ersten Verurteilung möglich.

Hinweise auf Hintermänner

Wie groß der Schaden ist, den Frick tatsächlich angerichtet hat, lässt sich schwer beziffern. Klar scheint aber, dass die 1,24 Millionen Euro, die Frick zurückgezahlt hat, in etwa dem entsprechen dürften, was er als Provision für seine getürkten Aktienempfehlungen für sich behalten hat. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben durch das sprudelnde Aussageverhalten Fricks und seines Kompagnons jede Menge Anhaltspunkte für Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Hintermänner des Geschäfts erhalten – Einzelheiten freilich wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.

In jedem Fall kommt Frick zugute, dass er einen anständigen Beruf erlernt hat: Der Spross einer Bäckerfamilie hat selbst als solcher angefangen, ehe er der Meinung war, dass man an der Börse wesentlich größere Brötchen backen konnte. Sein zweifelloser zeitweiliger Erfolg in der Branche könnte sich aber nicht nur durch ein profundes Aktienwissen erklären, sondern vor allem durch die vielen Seminare und Marktschreierveranstaltungen, mit denen er seine Bücher flankierte. Seine, wie die „Zeit“ damals urteilte, „altbackenen Spartipps“ galten stets dem Ziel, binnen kürzester Zeit seinen Einsatz zu verzehnfachen.

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