Doppelmörder

"Die haben meinen Bruder getötet"

Der tödliche Angriff auf zwei Afghanen vor dem Frankfurter Gericht wird nun in Limburg verhandelt.

Unter verschärften Sicherheitsbedingungen hat am Freitag in Limburg die Neuauflage im Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder vor dem Frankfurter Justizzentrum begonnen. Vor dem Landgericht muss sich der vermutlich 52-jährige Hayamon S. verantworten, zu dessen Alter es unterschiedliche Angaben gibt. Der Afghane soll am 24. Januar 2014 zwei 45 und 50 Jahre alte Landsleute mit Schüssen und Messerstichen getötet haben.

Hayamon S. war für diese Tat vom Landgericht Frankfurt 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld attestiert. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte die Entscheidung jedoch Anfang des Jahres aufgrund des Verdachts der Befangenheit des Vorsitzenden Richters aufgehoben. Darum wird der Prozess neu aufgerollt.

Die Verhandlung begann in gereizter Stimmung. „Die haben meinen Bruder getötet“, rief der Angeklagte, als die Anklage verlesen wurde. Dafür entschuldigte er sich später. In einer Erklärung räumte er die Bluttat erneut ein und „bedauerte“ diese. Als der Verteidiger die Glaubwürdigkeit eines Zeugen bezweifelte, bezeichnete dies der Staatsanwalt als „frech“.

Das Gericht nutzte den ersten Verhandlungstag, um Tat und Aussagen des Angeklagten erneut zu dokumentieren. Laut Anklage hatte der Afghane seinen beiden Opfern vor dem Gerichtsgebäude aufgelauert und diese sowohl mit zahlreichen Schüssen aus einer halbautomatischen Pistole schwer verletzt und anschließend mit Stichen eines Jagdmessers getötet. Die Pistole will er zuvor für den Eigenschutz im Frankfurter Bahnhofsviertel gekauft haben.

Zur Sprache kam auch, dass die beiden Opfer 2007 den Bruder des Angeklagten getötet und seinen Sohn schwer verletzt hatten. Dabei war es um einen Streit der Afghanen um Abstellplätze für gebrauchte Autos gegangen, der mit Messern ausgetragen wurde. Die beiden späteren Opfer waren aber freigesprochen worden. Aber auch dieser Prozess wurde vom BGH kassiert und neu aufgerollt. Zu Beginn dieser Revisonsverhandlung griff S. nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zur Selbstjustiz.

S. ist in Behandlung

Die Staatsanwaltschaft sieht nach eigenen Angaben weiterhin das Mordmerkmal der Heimtücke gegeben, während die Verteidigung offenbar eine Verurteilung wegen Totschlags für den Angeklagten erreichen will. Gesprächswünsche der Verteidigung im Vorfeld des Prozesses hatte der zuständige Staatsanwalt nach eigenen Aussagen jedoch abgelehnt.

Um seinen Mandanten emotional nicht zu belasten, schlug der Verteidiger vor, die Übersetzung für den schlecht Deutsch sprechenden Afghanen während des Prozessauftakts zeitweise auszusetzen. Sein Mandant reagiere immer noch sehr gereizt und sei schnell außer sich, wenn er von seinem getöteten Bruder höre, argumentierte der Verteidiger. Das lehnte das Gericht mit dem Hinweis ab, dass der Angeklagte wissen müsse, was in seinen Namen erklärt werde.

Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, der bereits wegen Körperverletzung vorbestraft ist, sich nach der Tat 2014 aber widerstandslos festnehmen ließ, dass dieser sehr aufgeregt über die Vorkommnisse berichtet habe. So sei seine Familie anonym mit dem Tod bedroht worden. Der Angeklagte habe ihm mitgeteilt, dass eine „innere Stimme“ kurz vor der Tat zu ihm gesagt habe: „Jetzt musst du schießen, sonst wirst du sterben.“

In seiner ursprünglichen Erklärung hatte der Angeklagte, der sich derzeit in psychotherapeutischer Behandlung befindet, ebenfalls mitgeteilt, vor dem Prozess gegen die beiden Opfer bedroht worden zu sein. Angeblich hätten afghanische Anrufer ihn mit den Worten gewarnt: „Sei dir im Klaren, wie viel Macht wir auch in Deutschland haben. Wenn du aussagst, werden wir deine ganze Familie töten.“ Eines der Opfer soll in Afghanistan als Leibwächter eines Politikers gearbeitet haben.

Der Prozess wird fortgesetzt. Die Terminliste der Limburger Schwurgerichtskammer reicht vorerst bis zum 29. Januar kommenden Jahres.      (dpa/ote)

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