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Schüler im Klassenraum (Symbolfoto).

Grundschule Hattersheim

Freispruch dritter Klasse

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Der Lehrer einer Grundschule in Hattersheim steht wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Der Prozess nimmt ein unbefriedigendes Ende.

Es ist ein Freispruch, der keinen glücklich macht, außer vielleicht den Angeklagten. „Viele werden fragen: Wo bleibt denn hier die Gerechtigkeit?“ – die Vorsitzende Richterin gibt schon zu Beginn der Urteilsverkündung ihrem Magengrimmen Ausdruck. Aber die Kammer sei „nicht ohne jeden Zweifel von der Schuld des Angeklagten überzeugt“, zumindest was die behaupteten Taten anbelange.

Der 60 Jahre alte Lehrer an einer Hattersheimer Grundschule war des sexuellen Missbrauchs in drei Fällen angeklagt: Er soll sich in den Jahren 2012/13 dreimal an einer damals zehn Jahre alten sogenannten Integrationsschülerin vergangen haben – im Lehrerzimmer, auf Klassenfahrt, bei sich daheim.

Das Landgericht hatte den Lehrer deswegen 2015 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Auf dem Computer des Lehrers hatten die Beamten damals mehr als 200 kinderpornographische Dateien gefunden. Der Lehrer hatte behauptet, diese wären ihm wohl als trojanischer Anhang bei einem Download untergejubelt worden – eine Schutzbehauptung, die ein damaliger Sachverständiger als ebenso schwachsinnig wie technisch unmöglich bewertet hatte.

Aber angesichts der massiven Missbrauchsvorwürfe hatte das Landgericht den damals mitangeklagten Besitz von Kinderpornographie eingestellt, da dieser angesichts der zu erwartenden Strafe kaum noch ins Gewicht falle.

Der Lehrer ging in Revision, der Bundesgerichtshof kassierte 2015 das Urteil und monierte, das Landgericht habe sich bei der Urteilsbegründung zu sehr auf das damalige Gutachten verlassen, das der Schülerin volle Glaubwürdigkeit attestiert hatte. Ein erneutes Gutachten für den jetzigen Prozess kommt zwar auch nicht zu dem Schluss, dass die Schülerin unglaubwürdig sei. Aber die Kammer erkannte zu viele Widersprüche in Details bei der Aussage der Zeugin, bei der die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. „Es bleibt das Gefühl, dass da irgendwas war“, gibt die Vorsitzende Richterin zu, irgendwas, das so nicht hätte sein dürfen – aber die Widersprüche machten eine Verurteilung in den drei angeklagten Fällen unmöglich. Es blieben letzte Zweifel.

Mit dem jetzigen Freispruch könnte der Lehrer, der bislang bei halbem Gehalt vom Dienst suspendiert war, im Prinzip wieder seine Stelle antreten. Trotz der Kinderpornos auf dem PC des Lehrers. 

Denn das Gericht durften sie nicht mehr interessieren: Da dieses Verfahren im vorigen Prozess eingestellt worden war, hatte die Kammer keine Möglichkeit, es wieder auszupacken. Ob angesichts des jetzigen Freispruchs diese Vorwürfe erneut angeklagt werden, liegt nun im Ermessen der Kammer, die den Aspekt damals fallengelassen hatte.

Grund genug gäbe es. Laut Staatsanwaltschaft ist erst in diesem Prozess aufgefallen, dass bei den kinderpornographischen Bildern auch Aufnahmen eines Mädchens dabei seien, die der angeblich missbrauchten Schülerin zum Verwechseln ähnlich sehen. Das wäre dann nicht nur Besitz von Kinderpornographie, sondern deren Produktion.

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