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Der zweite Verhandlungstag am Landgericht bringt neue Erkenntnisse mit sich.

Prozess in Frankfurt

Frauen im Schlaf vergewaltigt

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Am Landgericht Frankfurt läuft der Prozess gegen einen Mann, der Frauen im Schlaf vergewaltigte. Wie der 39-Jährige so lange auf freiem Fuß bleiben konnte, ist rätselhaft.

Man könnte meinen, bei Godfried W. handele es sich um die Inkarnation eines Albtraums. Das Unterbringungsverfahren, das seit Donnerstag gegen den 39-Jährigen geführt wird, ist jedenfalls eines der gruseligsten, die das Landgericht in den vergangenen Jahren geführt hat. Allein schon aufgrund der Taten bestehen massive Zweifel an der Schuldfähigkeit des Mannes, der derzeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Das Landgericht muss nun entscheiden, ob das auch so bleibt.

Wie W. überhaupt so lange auf freiem Fuß bleiben konnte, ist rätselhaft. In einer Januarnacht dieses Jahres legte sich der obdachlose W. zu einer jungen Frau, die ihren Drogenrausch am Hauptbahnhof ausschlief, und vergewaltigte sie, während die Frau nicht bei Sinnen war. Zwei Passantinnen informierten die Polizei, die Opfer und Täter nur unter dem erbitterten Widerstand des Täters trennen konnte.

Nur wenige Nächte später versuchte W. dasselbe am Flughafen bei einer Passagierin, die beim Warten auf ihren Flug eingeschlafen war. Die Frau erwachte, befreite sich und informierte das Sicherheitspersonal, das Godfried W. mit heruntergelassenen Hosen erwischte, wie er sich an eine weitere schlafende Passagierin schmiegte. Konsequenzen hatte das offenbar keine: Anderthalb Wochen später versuchte es W. erneut im Terminal 1, abermals erwachte die bedrängte Frau, abermals gab es offenbar keine Konsequenzen. Denn sonst hätte sich die Nachtschwester in der geriatrischen Abteilung eines Frankfurter Krankenhauses in der Nacht auf den 8. April nicht gefragt, was sich denn da unter der Bettdecke einer 90 Jahre alten demenzkranken Patientin bewegt, und die Decke gelüftet. Zum Vorschein kam W., der sich wie öfter mal in die Klinik eingeschlichen hatte. Das zu verschweigen, was unter der Bettdecke geschah, ist ein Luxus, den sich das Landgericht nicht leisten kann.

Gericht entscheidet über Schuldfähigkeit

Ob W. tatsächlich schuldunfähig ist, muss das Gericht entscheiden. Völlig klar wird hingegen schon am ersten Verhandlungstag, dass er sich keinerlei Schuld bewusst ist. So wie er redet, macht es den Eindruck, als sei er relativ normal. Aber was er sagt, ist der nackte Wahnsinn.

Es könne keine Rede davon sein, dass die Frauen das, was er mit ihnen trieb, nicht gewollt hätten. Allein schon ihre Körpersprache im Schlaf habe ihm verraten, dass sie es auch wollten oder es „den Mädels zumindest egal“ gewesen sei. Er mache sowas nicht bei allen Frauen, vor allem nicht bei wachen, „manche können da ja ganz schön giftig werden“. Er sei während all der Taten, derer er beschuldigt wird, „sehr gut gelaunt oder high“ gewesen und habe diese Freude mit anderen Menschen teilen wollen. Zudem sei sein Verhalten doch Usus: Er beobachte in Frankfurt jede Nacht, wie sich wache Männer über schlafende Frauen hermachten, aber ausgerechnet er solle jetzt wegen eines völlig normalen Verhaltens „auf das Unmenschlichste bestraft werden“. Er werde künftig fremde Frauen nicht einmal mehr ansprechen, man sehe ja, wohin das führe.

Ob er nicht glaube, dass einige der Frauen einen Schaden davongetragen haben könnten, will der Vorsitzende Richter wissen. Vielleicht, gibt W. nach kurzem Bedenken zu, aber ein Schaden wäre so oder so entstanden: „Wenn ich alleine geblieben wäre, hätte ich mich selbst befriedigen müssen, dann hätte ich ja den Schaden gehabt.“

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