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Ex-Börsenguru Markus Frick sagte vor dem Landgericht Frankfurt als Zeuge aus.

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Ex-Börsenguru sagt im Prozess um Aktien-Manipulationen aus

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Im Prozess um Aktienmanipulationen sagt Ex-Börsenguru Markus Frick als Zeuge vor dem Landgericht Frankfurt aus. Die Angeklagten hatten ihn über einen Mittelsmann gebucht.

Am Donnerstag spricht Ex- Börsenguru Markus Frick im Zeugenstand ein wahres Wort gelassen aus. Nach seiner damaligen Motivation gefragt, antwortet er schlicht mit „Gier!“

Frick war hochmotiviert. Noch immer umgibt den 45-Jährigen ein wenig die „Tschacka, du schaffst es!“-Aura des passionierten Powerpoint-Präsentierers. Und so erzählt er im Landgerichtsprozess gegen zwei mutmaßliche Marktmanipulierer, wie er damals, Ende der 90er, ins Milieu aufgerutscht ist. Damals, als ihm die Brötchen in des Vaters Backstube zu klein wurden, er sein erstes selbst verdientes Geld in Aktien steckte und ein glückliches Händchen bewies. „Da gehört auch Gefühl dazu.“

Er erzählt, wie er sich beim Nachrichtensender n-tv vom Parkett-Hiwi zum Börsenstar hochhausste. Wie ihn Unternehmen, deren Aktien er pushen sollte, mit Gratisaktien überschütteten. „Motivationshilfe“ nennt das Frick heute noch, aber da muss er selbst ein bisschen lächeln. Er erzählt, wie er, nachdem sein Ruf als Seminar-Zampano, Buchautor und TV-Experte durch Hausdurchsuchungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft langsam lädiert wurde, unter dem Namen Stefan Zapf Börsenbriefe schrieb und für knapp 2000 Euro per annum an Anleger schickte, wie er von der Ukraine aus mit Hilfe eines alten Backstubenkumpels Tausende Kunden mit „Spam-Mails“ beglückte – und viele andere auch ganz lustige Geschichten.

Er erzählt aber auch von seinem Schmerz. Als die beiden jetzt Angeklagten damals über einen Mittelsmann seine Dienste gebucht hätten, um ihre Aktien hochzujazzen, habe er für den schlappen Obolus von 25 000 Euro via Spam-Mails einen Umsatz von mehr als 120 000 Euro generiert. Und die Kunden hätten doch wirklich die Stirn gehabt, für ein erneutes „Aufs-Knöpfchen-Drücken“ über einen Preisrabatt verhandeln zu wollen – „das war total unseriös, da bin ich fast vom Glauben abgefallen“. Die beiden Angeklagten hätten dann doch noch gezahlt. Mehr als eine Million Euro.

Markus Frick ist im freien Vollzug

Er habe immer gewollt, dass seine Anleger Kasse machten, versichert Frick, der im freien Vollzug ist, glaubhaft. Dasselbe habe er aber auch für sich in Anspruch genommen. Mitunter, wie im Falle der Angeklagten, habe er sich nicht die Bohne um die Seriosität der von ihm anzupreisenden Aktiengesellschaften geschert, solange die anständig an ihn überwiesen hätten.

Am Anfang des Prozessstages hatte ein Rentner aus Tübingen ausgesagt, der ein paar Zehntausend Euro ärmer ist, weil er Aktien der Versicherungsmaklergesellschaft der Angeklagten gekauft hatte. Auf Anraten des virtuellen Börsenexperten Stefan Zapf. Der hätte aber im Internet versprochen gehabt, er verwandele eine 100 000-Euro-Einlage binnen einem Jahr in mindestens eine Million Euro. „Ich war so doof und habe das geglaubt“, sagte der Rentner.

Der Prozess wird fortgesetzt. Vermutlich noch sehr lange.

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