Prozess in Frankfurt

Erst Schmuck, dann Herz geklaut

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Ein junger Mann stiehlt den Schmuck der Schwiegermutter und das Herz der Tochter. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe.

Joshua Z. sitzt am Mittwochmorgen auf der Amtsgerichtsbank als lebender Beweis, dass keine Idee zu blöde ist, um nicht doch zumindest kurzfristigen Erfolg zu bringen. Und als Angeklagter.

Denn als Joshua Z. sich am 22. Dezember 2017 mit einem von seiner Freundin nachgefertigten Schlüssel Zugang zum Haus ihrer Mutter in Oberursel verschaffte, fand er den hinter einem Wandbild versteckten Tresor verschlossen vor. Kurzerhand rief der junge Mann den Schlüsseldienst, der den Tresor auch flugs aufflexte, nachdem Z. offenbar glaubhaft versichert hatte, er sei der Hausbewohner, wolle morgen in den Urlaub fahren und habe den Safeschlüssel verbummelt. Dem Dreisten hilft das Glück: In dem Tresor befand sich nicht nur genug Geld, um den Schlüsselmann auszuzahlen (500 Euro), sondern sogar noch mehr Bares und Schmuck der Schwiegermutter in spe im Wert von etwa 60 000 Euro. Wenn Z. heute an diesen Tag zurückdenkt, empfindet er tiefe und ehrliche Reue: „Ich habe ja nicht geahnt, dass ein Schlüsseldienst so teuer ist!“

Ein paar Ringe versetzte er bei einem Juwelier, der Rest ist bis heute verschwunden. Bei seiner Festnahme erzählte er den Polizisten, „drei schwarze Männer“ hätten ihm vor dem Haus aufgelauert und ihn gezwungen, den Schlüsseldienst zu rufen, während sie gewaltbereit in der Waschküche gewartet hätten und anschließend mit der Beute getürmt seien. Das revidierte er kurz darauf: Er habe die Beute aus Versehen liegenlassen, entweder beim nachtätlichen Kiffen auf einer Parkbank oder bei der anschließenden Taxifahrt. Zu Prozessbeginn folgt dann Version Nummer drei: Er habe die Beute so reuevoll wie zügig wieder retour in den aufgeflexten Safe gelegt, jemand anders müsse sie danach erneut geklaut haben.

Staatsanwalt: „Eine kackdreiste Lüge“

Der Staatsanwalt nennt das später in seinem Plädoyer „eine kackdreiste Lüge und die wohl dümmste Art, in einen Prozess zu stolpern“, Joshua Z. gibt ihm recht und kramt wieder die Im-Taxi-vergessen-Version raus. Und das Amtsgericht verurteilt den bereits wegen Diebstahls vorbestraften jungen Mann nach der obligatorischen Absolution seitens der Jugendgerichtshilfe zu einer Jugendstrafe von anderthalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss zu ein paar Gesprächen bei der Drogenhilfe und der Schuldnerberatung.

Verurteilt wird Z. übrigens nicht nur wegen besonders schweren Diebstahls, sondern auch noch wegen Betrugs in sechs Fällen. Sechs Opfer hatte er beschwatzt, in Frankfurter Handyläden „Partnerverträge“ für sündhaft teure Telefone abzuschließen, die, wie er seinen Opfern weismachte, kurz darauf von dem „Partner“ storniert werden würden.

Storniert aber wurde nichts, die „Läufer“, wie die Mittäter und Opfer dieser aktuellen Masche genannt werden, blieben auf den teuren Handyverträgen sitzen, Z. verhökerte die Handys und investierte den Gewinn in Drogen. Die „Läufer“ aber zeigten Z. an – ohne auf die Idee zu kommen, dass sie sich selbst eines Betrugs oder zumindest der Beihilfe schuldig gemacht hatten. „Bei so viel Dummheit muss man ja fast weinen“, sagt der Staatsanwalt, kann dann aber doch das Wasser noch halten.

Wobei es ja auch Grund zu Freudentränen gäbe: Nach wie vor sind Joshua Z. und seine Freundin ein Paar. Bloß das Verhältnis zur Schwiegermutter ist deutlich abgekühlt.

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