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Justitia ist wachsam (Symbolfoto).

Prozess in Frankfurt

Erst beleidigt, dann zugestochen

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Ein 19-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags im Gallus vor Gericht. Angehörige schmähen das Opfer.

Der 19 Jahre alte Dean K. steht wegen versuchten Totschlags sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht. Er soll am 3. Juli 2018 im Gallus den 26 Jahre alten Ex- und wohl auch damals wieder aktuellen Freund seiner Ex-Freundin niedergestochen haben.

Laut Anklage radelte K. nach vorheriger telefonischer Verabredung mit seinem Kontrahenten zum Güterplatz. Als er des Nebenbuhlers angesichtig wurde, soll er mit den Worten „Ich fick’ dich, ich krieg’ dich, ich stech’ dich ab“ auf diesen losgegangen sein und zumindest letzteres auch umgesetzt haben. K.s Taschenmesser perforierte die Lunge des Gegners und verfehlte eine Arterie um knappe zwei Millimeter. Dean K. flüchtete per pedes, sein Fahrrad am Güterplatz zurücklassend. Das blutbefleckte Messer soll er in einem benachbarten Hinterhof entsorgt haben, wo es später von der Polizei gefunden wurde.

Der Tat vorausgegangen war offenbar ein wochenlanger Streit, bei dem die beiden Männer via Sprachnachrichten wie die Kesselflicker einander beleidigt hätten. „Beleidigung hier, Beleidigung da, und dann kam der Stress“, erinnert sich K., der sich auch erinnert, dass dabei so schwerwiegende Insultationen wie „du bist kein Mann und dies und das“ ausgetauscht worden waren. Er habe bei der Verabredung eigentlich auch „nur reden“ wollen, beteuert K.: „Wenn ich hauen will, nehme ich immer meine Jungs mit, da bin ich ganz offen und ehrlich.“ Er sei aber allein gekommen – und habe sich lediglich gegen seinen Feind zur Wehr gesetzt, der ein Messer gezogen habe.

K.s Motiv für den Showdown im Gallus klingt etwas wirr: Er habe sich geärgert, dass seine Ex-Freundin, mit der er kurz zuvor Schluss gemacht habe, auf ihrem Whatsapp-Statusbild ein Foto veröffentlicht habe, dass sie und den anderen Mann beim Trinken alkoholischer Getränke gezeigt habe. Da habe er sich maßlos geärgert, weil seine Ex ja schwanger gewesen sei, und er sei zwar mit der geplanten Abtreibung völlig einverstanden gewesen, aber doch nicht so.

Im Lauf der Verhandlung gaben mehrfach Angehörige des Angeklagten im Zuschauerraum ihrer Meinung über den Charakter des Opfers, das auch als Nebenkläger auftritt, lautstark Freigang. Der Vorsitzende Richter sah sich veranlasst, die Sitzung kurz zu unterbrechen.

Bislang sind für den Prozess sechs Verhandlungstage bis Anfang Februar angesetzt.

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