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An der S-Bahn-Station Ostendstraße ist am Dienstag vergangener Woche ein 17-jähriger Jugendlicher ums Leben gekommen.

Tödlicher S-Bahn-Unfall

Ermittlungen wegen Internetvideo

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Ein Video-Film zeigt die Leiche von Mustafa Alptug S., der bei einem S-Bahn-Unfall an der Station Frankfurt-Ostendstraße getötet wurde.

Gut eine Woche nach dem S-Bahn-Unfall in Frankfurt, bei dem der 17-jährige Mustafa Alptug S. aus Hanau ums Leben gekommen worden war, beschäftigt ein Internetvideo, auf dem die Leiche zu sehen ist, Polizei und Justiz. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen der Frankfurter Rundschau am Mittwoch bestätigte, habe die Familie des 17-Jährigen Anfang der Woche Strafanzeige wegen des kurzen Films gestellt. Noch sei nicht geklärt, wer für die weiteren Ermittlungen zu dem Video zuständig ist.

Ein Sprecher der Bundespolizei, die aktuell die Hintergründe des tödlichen Unfalls im S-Bahnhof Ostendstraße untersucht, sagte der FR, den Ermittlern sei das Video bekannt. Es zeige eine Situation nach dem Unglück, dabei sei auch der leblose Körper von Mustafa Alptug S. zu sehen. Das Video sei auf einer Internetplattform zu finden, die fast ausschließlich blutige Bilder von Unglücken und anderem menschlichem Leid zeige. Der Server der Webseite stehe in Australien. Die Familie von S. sei von dessen Schule darüber informiert worden, dass offenbar auch dort Fotos und Videos vom Unglücksort herumgezeigt wurden, sagte der Sprecher. 

Es drohen bis zu zwei Jahre Haft 

Nach Einschätzung der Bundespolizei könnten Herstellung und Verbreitung des Videos unter den Paragrafen 201a des Strafgesetzbuches fallen, der die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ mit bis zu zwei Jahren Gefängnis ahndet.

Da man mit dem Fall sowieso befasst sei, könne man auch die Ermittlungen zu dem Internetvideo übernehmen, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Wer die weitere Arbeit mache, entscheide aber die Staatsanwaltschaft. Eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft sagte der FR, ihrer Behörde liege die Strafanzeige bisher noch nicht vor. 

Tod bei versuchter Hilfeleistung 

Wie genau es zu dem Unfall am Bahnhof Ostendstraße kam, ist unterdessen nach wie vor ungeklärt. Die Bundespolizei geht weiterhin davon aus, dass Mustafa Alptug S. am Dienstag vergangener Woche ins Gleisbett gestiegen war, um einem hilflosen 44-jährigen Obdachlosen aus Kasachstan zu helfen. Dabei war S. von einer S-Bahn erfasst worden; er erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Auch der 44-jährige Kasache war schwer verletzt worden. Ein ebenfalls 44 Jahre alter Obdachloser, der aus Indien stammt und auch helfen wollte, erlitt nur leichte Verletzungen.

Der Tod des 17-Jährigen hatte bundesweite Bestürzung hervorgerufen und eine Debatte über die Sicherheit an Frankfurter S-Bahnhöfen ausgelöst – die Haltestelle Ostendstraße ist nicht videoüberwacht, es gibt dort auch keine Notrufsäulen mehr. Am vergangenen Freitag hatten sich mehrere Hundert Menschen vor der Moschee in der Hanauer Gärtnerstraße versammelt, um bei einem Totengebet Abschied von dem jungen Muslim mit türkischen Wurzeln zu nehmen.

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