Baumafia

Doktor gibt den Mafiapaten

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Unter den fünf festgenommenen mutmaßlichen Baumafiosi ist auch ein lokal bekannter Arzt aus dem Frankfurter Westend. Seine zweifelhafte Popularität verdankt er einer lukrativen Nebentätigkeit.

Unter den fünf Männern, die am Dienstag als Köpfe einer mutmaßlichen Baumafia-Bande festgenommen worden waren, befindet sich auch einer der umstrittensten Frankfurter Immobilienspekulanten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch, dass sich unter den Festgenommenen auch ein Arzt aus dem Westend befinde.

Den fünf festgenommenen mutmaßlichen Drahtziehern der Bande – Männer im Alter von 34 bis 49 Jahren mit deutscher, iranischer, griechischer und österreichischer Staatsbürgerschaft – wird bandenmäßige Steuerhinterziehung, Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll die Bande Immobilien in guten Lagen gekauft und dann mit Hilfe von Schwarzarbeitern luxussaniert haben, um sie mit Profit weiterzuverkaufen. Dabei sollen die Arbeiter entweder teilweise oder ganz um ihren Lohn geprellt worden sein. In jedem Fall aber auch der Fiskus – alleine der Steuerschaden soll in die Millionen gehen. Genaue Summen werden noch nicht genannt.

Bei einem der Festgenommenen soll es sich um Doktor L. handeln – einem im Westend praktizierenden Arzt, der seine zweifelhafte Popularität allerdings seinem anderen Job verdankt. Er gilt als einer der großen Frankfurter Immobilienspekulanten – und sah sich in der Vergangenheit immer wieder dem massiven Vorwurf ausgesetzt, alteingesessene Mieter mit dubiosen Methoden aus den Wohnungen zu vergraulen.

Schwer durchschaubares Firmengeflecht

Bereits im Sommer 2014 hatten betroffene Mieter, angeführt von CDU-Ortsvorsteher Axel Kaufmann, vor der Praxis des Arztes demonstriert. Der Vorwurf: Der Doktor quartiere osteuropäische Zuwanderer in großer Anzahl in seinen Häusern ein, um die Altmieter rauszuekeln. Der Protest schaffte es bis in „Spiegel-TV“. Und die Filmmacher schafften es gar, dem eher öffentlichkeitsscheuen Doktor ein zutiefst philantropisches Statement zu entlocken: Er wolle halt auch Menschen eine Chance geben, die sonst nur schwer an Wohnraum kämen.

Anschließend dementierte der Doktor freilich, Eigentümer einer der fraglichen Häuser zu sein. Kaufmann hingegen kassierte eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, übler Nachrede und Verleumdung. Dieses Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft vor knapp einem Jahr ein. Kaufmanns Behauptungen, so die Ermittler, seien vermutlich zutreffend, der Doktor aber sicherlich „zumindest mitverantwortlich“ für die Zustände in den Häusern. Allerdings, das weiß auch Kaufmann, arbeitete der Doktor wohl gerne mit einem schwer durchschaubaren Firmengeflecht, das einen Eigentumsnachweis äußerst schwermache.

Gelohnt haben müssen sich die Geschäfte in jedem Fall. Bei der Razzia am Dienstagmorgen jedenfalls sicherten die Ermittler alleine schon Luxusautos, Gemälde und Schmuck im Wert von mehreren Millionen Euro. Mehr als 600 Ermittler von Polizei, Zoll- und Steuerfahndung sowie Staatsanwaltschaft durchsuchten vor allem Objekte in Frankfurt, aber auch in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Zu den laufenden Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft derzeit keinen Kommentar abgeben. Ob die betrogenen Bauarbeiter und der mutmaßliche Steuerbetrug die einzigen Vorwürfe bleiben, wird sich zeigen. Denn auch wegen Geldwäsche wird ermittelt, und in Immobilienkreisen wird gemunkelt, dass die Festgenommenen, die zumindest in der Frankfurter Spekulantenszene keine Unbekannten sind, in den vergangenen Jahren Immobilien in Toplagen zu Preisen aufgekauft hätten, die weit über dem geschätzten Wert gelegen hätten.

Nach Axel Kaufmanns Recherchen war der Doktor in der Vergangenheit eher umtriebiger Unternehmer denn Arzt, es gebe Hinweise, dass er auch in der Gastronomie sowie im Wettspielsektor tätig gewesen sein könnte. Über das Ausmaß der möglichen Verwicklungen des Arztes ist denn aber auch der Vorsteher des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) erstaunt.

Nachdenklich macht ein Foto eines Bild-Fotografen vom gestrigen Tag. Es zeigt, wie Ermittler aus einer prächtigen Westend-Villa ein großes Filmplakat heraustragen, das wohl dem Doktor zuzuordnen ist. Es zeigt den Schauspieler Al Pacino als „Scarface“ – eine Filmrolle, die eng an die Vita des Chicagoer Mobster-Königs Al Capone angelehnt war. Den hatten die US-Behörden jahrelang wegen so ziemlich jeden Kapitalverbrechens verfolgt. Am Ende kriegten sie ihn mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung klein.

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